Himmel unter Feuer

„Flammende Sterne“ bringen Feuerwerker aus drei Kontinenten nach Ostfildern

Von Freitag bis Sonntag, 21. bis 23. August, findet in Ostfildern wieder das Festival „Flammende Sterne“ statt – es ist die nunmehr 13. Auflage der Feuerwerksshow im Scharnhauser Park. Teilnehmer aus Brasilien, den Philippinen und Italien wollen die Besucher mit ihrer Kunst aus Farben, Flammen und Musik beeindrucken. Ein Rahmenprogramm soll für Unterhaltung zwischen den Feuerwerken sorgen.

„In den vergangenen Jahren hat das Feuerwerksfestival nicht nur laufen gelernt, sondern ist zum funkelnden Überflieger geworden“, sagt Elke Cosmo, die für den Veranstalter, die Event- und Festivalmanagement GmbH, die Pressearbeit macht. Inzwischen zähle die dreitägige Veranstaltung zu den bedeutendsten Feuerwerkswettbewerben in Europa.

„Das Teilnehmerfeld ist dieses Mal so abwechslungsreich wie nie“, sagt Cosmo. Erstmals ist es gelungen, ein Team aus Brasilien nach Ostfildern zu holen. „Fireworks do Brasil“ kommen aus Rio de Janeiro, es ist die mit Abstand größte Feuerwerksfirma Brasiliens und sie will mit ihrer Show „Brazilian Mood“ am Sonntag zeigen, wie man an der Copacabana Party feiert. Dem wollen „Dragon Fireworks Incorporated“ aus dem philippinischen Manila in nichts nachstehen. „A Sky full of Stars“ heißt ihre Show, die am Samstag zu sehen ist. Eine ganz andere Strategie hingegen verfolgt die Firma „Panzera“ aus Italien, die gleich mit vier Pyrotechnikern nach Ostfildern kommt: Mit ihrer Show „Opera non stop“ zielt das Team aus Turin am Freitag auf die Emotionen der Besucher. „Drei Kontinente, drei völlig unterschiedliche Temperamente und drei Feuerwerksteams“, fasst Cosmo zusammen.

Zu den „Flammenden Sternen“ gehört ein Rahmenprogramm. Ab dem frühen Abend tummelt sich auf dem Gelände im Scharnhauser Park von Freitag bis Sonntag eine Vielzahl an Bands (darunter eine von den Phi­lippinen) und Künstlern, steigen Heißluftballons in den Himmel auf, jonglieren Feuerartisten mit lodernden Flammen und zeigen Stuntmen ihre Tricks. Ein Markt lockt zum Bummeln, etliche Programmpunkte richten sich an Familien. Das Riesenrad bietet einen Blick über das Veranstaltungsgelände bis hin zur Schwäbischen Alb, Lichtobjekte und Lampions sorgen für zauberhaftes Flair – und die Gastronomie in weißen Pagodenzelten für einen vollen Magen. Nachtschwärmer finden an den Cocktailbars und am DJ-Tower Unterhaltung bis in die Nacht.
red/bob / Foto: Schenkl

 

Info: „Flammende Sterne“ vom 21. bis 23. August, das Gelände ist am Freitag und Samstag ab 18 Uhr, am Sonntag ab 16 Uhr und jeweils bis 24 Uhr geöffnet. Ticketpreise: Tageskarte 16 Euro, Familienkarte 34 Euro, Kinder zahlen 6 Euro, Dauerkarte 32 Euro, Sitzplatz: 29 Euro. Im Scharnhauser Park sind einzelne Straßen gesperrt, die Stadbahn fährt häufiger. Mehr zur Veranstaltung unter www.flammende-sterne.de.


Vernunftehe statt Liebesheirat

„Ohne Freude unterschrieben“ – Lenningen ist zusammengewachsen – Die Identität der Orte bleibt bewahrt

Von Freudentaumel konnte keine Rede sein, als sich die Einwohner von Schopfloch, Gutenberg, Oberlenningen mit Schlattstall und Hochwang sowie Unterlenningen und Brucken im Januar 1975 als Bürger der Gemeinde Lenningen wiederfanden. Lange Verhandlungen, geprägt von Abwehr und Ängsten, Misstrauen und Zugeständnissen, Liebäugeln mit kühnen Gegenentwürfen und achselzuckendem Pragmatismus gingen der Vereinigung voraus. „Es gab Sorgen und Verlustängste. Das ist überwunden. Aber eine Liebesheirat war das damals ganz sicher nicht“, sagt Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht.

Gerhard Schneider, Schlechts Vorgänger im Amt und bis 1974 Bürgermeister der Gemeinde Oberlenningen, erinnert sich an so manche holprige Strecke auf dem Weg zur Vereinigung. Während sich das kleine Dorf Schlattstall bereits 1971 freiwillig der Gemeinde Oberlenningen angeschlossen hatte, war in den anderen Orten Zurückhaltung oder Ablehnung spürbar. Im Jahr 1972 hatte Schneider den Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Gutenberg, Schopfloch und Unterlenningen Verhandlungen über eine Verwaltungsgemeinschaft oder aber die Eingemeindung vorgeschlagen.

„Gutenberg hat gleich rundweg abgelehnt und auch Schopfloch wollte selbstständig bleiben“, erzählt Schneider. Unterlenningen sperrte sich nicht gänzlich, blieb jedoch zunächst skeptisch. „Es gab Befürchtungen, dass man nach dem Zusammenschluss abgehängt wird und das ganze Geld nach Oberlenningen geht“, erzählt Schneider.

Erkenbrechtsweiler entschied  sich für die Eigenständigkeit, stimmte aber einem Verwaltungsverband mit Owen und Lenningen zu. Gutenberg fügte sich in das Unvermeidliche, auch beruhigt durch die geplante Hauptsatzung der künftigen Gemeinde Lenningen, die eigene Ortschaftsverfassungen und Verwaltungen für Gutenberg und Schopfloch sowie eine gleichmäßige politische Vertretung im Gemeinderat durch unechte Teil­ortswahlen bestimmte. „Das war
die Brücke“, beschreibt Michael Schlecht. So stimmten die Gemeinden bis auf Schopfloch nach Bürgeranhörungen im Januar 1974 der Vereinigung zu.

Schopfloch hingegen, das allein wirtschaftlich nicht überlebensfähig gewesen wäre, tendierte zu einer Vereinigung mit Ochsenwang, das wiederum bereits mit einer Eingemeindung nach Kirchheim geliebäugelt hatte. „Das konnte sich Schopfloch auch gut vorstellen und die waren sich alle drei schon ziemlich einig“, erinnert sich Schneider. Dann aber legten das Regierungspräsidium und auch die Gemeinde Bissingen ihr Veto ein. „Bissingen wäre sonst unweigerlich auch nach Kirchheim gekommen. Das wollten die aber unbedingt vermeiden“, sagt Schneider. Somit blieb Schopfloch nur der Weg nach Lenningen und stimmte fünf Monate nach den anderen Gemeinden ebenfalls der Vereinigung zu. „Die Vernunft hat in Schopfloch obsiegt. Sie haben unterschrieben, aber sicher nicht mit großer Freude“, sagt Schneider.

„Zum Feiern war aber damals niemandem zumute“, erinnert er sich. Allerdings habe es nur wenige Jahre gedauert, das anfängliche Misstrauen zu überwinden. „Es hat sich alles relativ schnell beruhigt, nachdem die kleinen Orte bemerkt haben, dass nicht alles in Oberlenningen investiert wird. Alle haben gesehen, dass sachlich und fachlich entschieden wurde“, sagt Schneider. So sei schließlich mit der Zeit jeder der Orte zu einer Halle und zu Sportanlagen gekommen, Ortskernsanierungen wurden in Angriff genommen, die Infrastruktur modernisiert.

Für Michael Schlecht stellt dies das richtige Vorgehen dar. „Sieben bleiben, eins werden, das ist eine große Herausforderung“, sagt er. Heutzutage sei die Einheit von Lenningen für die Menschen normal. Aber dies sei nur gelungen, weil die Identität der einzelnen Orte gewahrt blieb und die Menschen dort weiterhin ihre Heimat sähen: „Wenn sich die Menschen mit ihrem Ort nicht identifizieren und sich dort nicht engagieren, ist der ländliche Raum nicht überlebensfähig.“ Die dafür notwendige Infrastruktur sei jedoch nur zu schultern, „weil wir eine Einheit sind und als eine Gemeinde handeln“, sagt Schlecht. Dafür müssten im Zweifelsfall auch einmal Einzelinteressen zurückstehen. „Aber die Menschen spüren, dass es etwas gebracht hat.“   pst


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Aus drei mach eins

40 Jahre Gemeindereform: In Aichtal spielen alte Pfründe kaum noch eine Rolle – Neutraler Name – Grötzinger Wappen übernommen


Vor 40 Jahren hätte ein Navi Aichtal noch nicht in seinen Karten gefunden. Erst 1975, im Rahmen der großen Gemeindereform in Baden-Württemberg, gingen Grötzingen, Aich und Neuenhaus die kommunale Ehe ein. Nicht Liebe auf den ersten Blick vielleicht, doch inzwischen ist aus der Zweckgemeinschaft ein Miteinander geworden.

Die ersten Jahre unter einem Dach verliefen jedoch nicht ganz so harmonisch. Zwischen den Grötzingern auf der einen und den Aichern und Neuenhäusern auf der anderen Seite rumorte es bisweilen hörbar. Grötzingen, einst Amtssitz und mit alten Stadtrechten versehen, so war es zunächst vorgesehen, sollte auch Name der neuen Gesamtstadt sein. Ein Fakt, durch den sich die Bürger der beiden anderen einst selbstständigen Gemeinden nicht abfinden mochten. Es kam zu Protesten.

Der Ausweg fand sich schließlich mit einem neuen, neutralen Namen: Vom 1. August 1978 an gab sich die Stadt den Namen „Aichtal“ in Anlehnung an das Flüsschen Aich, das alle drei Orte miteinander verbindet. Ein symbolträchtiger Name also. Als Reminiszenz an das alte Grötzinger Stadtrecht übernahm die Gesamtstadt jedoch das Wappen der Grötzinger, seit 1535 nachweisbar. Und auch die städtischen Farben Grün und Gelb sind dem traditionsreichen Signet entlehnt. Der etwas ruppige Auftakt allerdings ist längst Geschichte. Lokalpatriotismus wie zur Zeit der Zusammenlegung kennen die Aichtaler heute höchstens noch auf dem Fußballplatz. „Wenn Aich gegen Grötzingen spielt, ist das immer noch was Besonderes“, sagt Lorenz Kruß, der seit drei Jahren Bürgermeister in Aichtal ist. Doch das sei eher sportlicher Natur.

Den alten Zeiten, als die Gemeinden noch selbstständig waren, trauert seiner Einschätzung nach kaum noch jemand hinterher. Allenfalls bei dem einen oder anderen runden Geburtstag, sagt er, komme das Thema mitunter aufs Tapet. Grötzinger und Aicher – bei den Kindern spielte das ohnehin keine Rolle. „In der Schule vermischt sich das“, sieht Kruß einen Wegbereiter zum Gemeinschaftsgefühl in der Tatsache, dass der Nachwuchs zusammen aufwächst und gar nicht erst in das Schubladendenken verfällt. 40 Jahre nach Gründung der Stadt fällt sein Resümee jedenfalls positiv aus: Aus dreien ist eins geworden. Spürbar ist das bei den gemeinsamen Festen wie zuletzt bei dem großen Jubiläum der Feuerwehrabteilung von Neuenhaus. Und auf dem Fußballplatz? Da kicken Kinder aus allen drei Ortsteilen bei der Spielgemeinschaft Aichtal. „Ein schönes Symbol“, findet Kruß.             mo / Fotos: mo


Schwäbischer Erfindergeist

Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Beuren: Holder-Schlepper bringen Lokalkolorit – Fernsehen berichtet


Am kommenden Wochenende verwandelt sich das Freilichtmuseum Beuren zu einem Mekka für Liebhaber alter Schlepper, Automobile und Motorräder: Zum 19. Mal bildet das Museumsdorf vom 15. bis 16. August jeweils von 9 bis 18 Uhr die Kulisse für eines der größten Oldtimertreffen in Süddeutschland. In diesem Jahr sind auch Oldies der regionalen Marke Holder zu sehen.

Mehr als 10 000 Besucher erwartet das Team vom Freilichtmuseum in diesem Jahr zu dem Spektakel, wenn wieder Hunderte historischer Fahrzeuge bis Baujahr 1969 am Samstag und Sonntag auf das Areal in den Herbstwiesen drängen. Vom Luxusautomobil aus der nahen Stuttgarter Schmiede bis hin zum Vorkriegsmodell aus der Landwirtschaft erwarten die Organisatoren wieder einen interessanten Querschnitt durch die Geschichte der motorisierten Mobilität.

Mitorganisator Eugen Schmid rechnet sogar damit, den Vorjahresrekord von rund 1700 Teilnehmern noch toppen zu können. Aus guten Grund: Denn mit den Schleppern der Marke Holder richtet sich die Sonderschau in diesem Jahr an Liebhaber von Schleppern, die direkt aus der Region stammen. 1888 in Urach gegründet, hat das schwäbische Traditionsunternehmen seit 1902 seinen Stammsitz in Metzingen. „In jedem Flecken hier gibt es noch ein, zwei Holder, die laufen“, weiß Schmid.

Die Holder-Sonderschau am Schafstall verspricht interessant zu werden, denn die Tüftler aus Metzingen haben mit schwäbischem Erfindergeist einige bemerkenswerte Entwicklungen hervorgebracht. So beispielsweise den Einachsschlepper Pionier oder den Allrad-Knicklenker. „Die Firma Holder wird bei der Sonderschau auch zwei ihrer neuesten Geräte vorführen“, berichtet Schmid.

Nicht nur Holderbesitzer dürften allerdings das Treffen in Beuren fest auf dem Zettel haben: „Viele machen schon im Jahr zuvor ihre Treffen bei uns aus“, berichtet Schmid von der stetig wachsenden Fangemeinde.

Nicht nur aus der Region, sondern unter anderem selbst aus der Schweiz sind in den vergangenen Jahren Aussteller dabei gewesen: „Mal schauen, ob wieder ein paar Hürlimänner aus der Schweiz kommen“, hofft er auf internationale Beteiligung.

Angesichts des Erfolgs wundert es kaum, dass auch der SWR beim Oldtimer-Treffen dabei sein wird. „Das Team der Sendung ‚Treffpunkt‘ wird an beiden Tagen vor Ort sein“, verrät Schmid.          mo / Foto: ntz-Archiv

Info: Zum Oldtimer-Treffen kommen die Besucher dank Sonderbussen, Sofazügle und Tälesbahn auch ohne Auto gut per ÖPNV. Nähere Informationen gibt es unter freilichtmuseum-beuren.de.


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Totgeglaubte Leben länger

Gastronom Salvatore Marrazzo lädt ECHO-Krimirätsler ein – Führung im Alten Rathaus: Spannende Geschichten aus der Esslinger Vergangenheit

Ein Toter am Kanzleiufer, Verwicklungen in kriminelle Machenschaften, Verdächtige, die sich in Lügen verstricken, ein geheimnisvolles Glockenspiel – das alles war Thema im jüngsten ECHO-Krimirätsel, in dem Kommissar Blickle den Mord an dem Esslinger Gastronomen Salvatore Marrazzo aufzuklären hatte. Auch ECHO-Leser betätigten sich als Detektive und ermittelten rasch den Buchhalter Peter Schaf als den Täter. Hatte der doch angegeben, zur Tatzeit um 17.30 Uhr das Glockenspiel am Alten Rathaus gehört zu haben. Ein erfundenes Alibi, denn das Spiel ertönt zu vollen Stunde.

Die fünf gezogenen Gewinner trafen sich mit ihren Begleitpersonen in der vergangenen Woche am Alten Rathaus, um eine exklusive Führung der Esslinger Stadmarketing und Tourismus GmbH in Esslingens geschichtsträchtigem Haus zu erleben und sich anschließend im Restaurant Accanto von Wirt Salvatore Marrazzo verköstigen zu lassen.

Wer glaubte, schon alles über das Alte Rathaus, die Uhr und das Glockenspiel zu wissen, der sah sich eines Besseren belehrt – durch die kompetenten Führer Heidi Rühle und Eckart Hirschmann. Die Kulturwissenschaftlerin und der Glockenspieler gewährten den Besuchern einen intensiven Blick hinter die Kulissen.  Im Alten Rathaus lässt sich besonders gut die Bedeutung des ehemaligen Status von Esslingen als Freie Reichsstadt nachvollziehen. Mehr als 800 Jahre genoss Esslingen das Privileg, nur dem Kaiser untertan und verpflichtet zu sein. „Das hat bis heute auf das Selbstbewusstsein der Bürger gewirkt“, so Stadtführerin Heidi   Rühle. Dass das Alte Rathaus 1420 zunächst als städtisches Kauf- und Steuerhaus errichtet wurde, wusste auch nicht jeder der Gewinner. Im Alten Rathaus sieht man, worauf die Bürger besonders stolz waren: Wohlstand und technische Neuerungen sollten der Welt zeigen: „Wir in Esslingen sind auf der Höhe der Zeit. Wir können was und wir können uns das leisten“, so beschrieb Rühle das damalige Selbstverständnis.

Das zeigt sich besonders an der astronomischen Uhr mit den Figuren, die sich über den Tag am Turm des Rathauses bewegen. Ein Adler, das Wappentier der Freien Reichsstadt, schlägt dazu mit den Flügeln.

Als das Rathaus 1926 renoviert wurde, wurde von den Esslinger Bürgern ein Glockenspiel mit 24 Glocken gespendet. Durch eine weitere Bürgerinitiative 1976 wurde das Glockenspiel noch einmal erneuert und um weitere Glocken erweitert. Der Herr am Spieltisch heute ist Eckart Hirschmann. Er hat die Aufgabe von seinem Schwager und Vorgänger Paul Schwob sozusagen „geerbt“. Hirschmann berichtete mit Stolz:  „In Deutschland gibt es etwa 240 derartige Glockenspiele, aber nirgendwo werden regelmäßig Live-Konzerte gespielt. Esslingen ist also auch in diesem Bereich einzigartig.“ Und auch gut ausgestattet: Zur Verfügung stehen mehr als 200 Lieder, die mit Lochbändern gesteuert werden. In Stuttgart seien es nur 15, wie Hirschmann erklärte. Hirschmann gibt 25 Konzerte im Jahr, ansonsten steuert ein Rechner das tägliche Glockenspiel.

Nach so viel Geschichte war relaxtes Genießen angesagt. Die gut gelaunte Truppe wurde im Restaurant Accanto  mit leckeren Vorspeisen und zwei verschiedenen Pastagerichten verwöhnt. Und dann tauchte er auf, quicklebendig und bester Laune: Wirt Salvatore Marrazzo begrüßte seine Gäste und unterhielt sie mit Anekdoten zu seiner „Ermordung“ Im Krimirätsel, die von einigen Leuten als real angesehen wurde. Das ECHO-Krimirätsel hat so viel Furore gemacht, dass auch die Eßlinger Zeitung über Marrazzos Erlebnisse berichtete.         bob / Fotos: bob


Millionen für die Burg

Sicherungsmaßnahmen am Hohenneuffen gehen in die zweite Runde


Vieles hat die Festung Hohenneuffen schon erlebt in ihrer fast tausendjährigen Geschichte. Um die „Wiege Baden-Württembergs“ dauerhaft zu erhalten, lässt die Landesregierung die mächtigen Mauern der Burg ab Herbst in einer millionenschweren Baumaßnahme umfassend sichern und sanieren.

Im Wirtschafts- und Finanzministerium hat man die Mittel für den zweiten Bauabschnitt bereits freigegeben: Rund 1,5 Millionen lässt sich das Land die Sicherungsmaßnahmen im Außenbereich der Burg kosten. Geld, dass der zuständige Minister Nils Schmid gut investiert sieht: „Die Burgruine Hohenneuffen ist von großer kulturhistorischer Bedeutung.“ Daher sei es ihm ein besonderes Anliegen, die Burgruine zu erhalten.

Rund 100 000 Besucher steigen Jahr für Jahr zur größten Burgruine Süddeutschlands hinauf. Die mächtige Festung, die am Albtrauf über Beuren und das Neuffener Täle wacht, bietet 750 Meter über dem Meeresspiegel einen weiten Blick über das Neckartal bis hin nach Stuttgart und – an guten Tagen – bis zum Schwarzwald und den Kaiserbergen. Als geschichtsträchtig gilt das um 1100 errichtete Bollwerk insbesondere, weil hier bei der Dreiländerkonferenz Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden der Weg für die Gründung des Bundeslandes geebnet wurde.

Jedoch sind die Jahre nicht spurlos am Mauerwerk vorübergezogen. Bereits 2014 wurde ein Abschnitt des Mauerwerks rechts des Allerwindenturms im Bereich der Kasematten ausgebessert und stabilisiert. Ab Herbst lässt das Land nun die Gewölbebögen und Stützpfeiler der Hangbrücke grundlegend sanieren. „Die Gewölbe weisen Rissbildungen auf“, erklärt Michaela Reiter von der Pressestelle des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Zudem soll der bis­herige Fahrbahnbelag durch Natursteinpflaster mit einer Entwässerung ersetzt und sollen die Mauerbrüstungen erhöht werden. Auch der Fundamentpfeiler des ehemaligen Karl-Eugen-Tores muss instandgesetzt werden.

Axel Vetter, der zusammen mit seiner Frau seit 1982 die Gastronomie auf dem Hohenneuffen führt, blickt den Maßnahmen gelassen entgegen. Bisher habe er zwar noch keine konkreten Nachrichten vom Liegenschaftsamt des Landes, erklärt er. Vetter rechnet aber nicht damit, dass der Besuch der Festung während der rund einjährigen Bauzeit groß beeinträchtigt wird. „Wir haben hier ständig Bauarbeiten, das war noch nie ein Problem“, hat der Gastronom schon Routine in diesen Fragen. Aller Voraussicht nach kann der Ausflugs- und Restaurantbetrieb also während der Bauzeit ungehindert weitergehen. Alles andere wäre fatal, insbesondere für den Gastronomen: Denn auch im kommenden Jahr soll die Feste wieder für eine ganze Reihe von Veranstaltungen und bereits gebuchte private Feiern stimmungsvoller Rahmen sein.              mo / Foto: dpa


Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Im Landkreis Esslingen müssen bis zum Jahresende rund 3200 Flüchtlinge versorgt werden


Um Wohnraum für den weiteren Zustrom von Flüchtlingen zu sichern, hat Landrat Heinz Eininger alle Städte und Gemeinden aufgefordert, bis zum Ende der Sommerferien ihre Wohnmöglichkeiten und Grundstücke zu melden und zur Verfügung zu stellen. Eine weitere zentrale Aufgabe wird sein, die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge sowie ihre psychosoziale Betreuung sicherzustellen.

Rund 10 000 Flüchtlinge müssen jeden Monat in Baden-Württemberg untergebracht werden, das sind fast doppelt so viele Zuweisungen wie erwartet.

Bis zum Jahresende muss der Landkreis rund 3200 Unterkünfte für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt haben. Dabei sind auch  rund 1700 neue Plätze. Weitere 746 Plätze sind fürs nächste Jahr in konkreter Planung. Das dürfte aber längst nicht ausreichen: Im kommenden Jahr sind nach Schätzungen weitere 3000 Plätze notwendig, da mit einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen gerechnet werden muss. Deshalb prüft die Kreisverwaltung, wie weitere Notunterkünfte geschaffen werden können. „Zelte, Traglufthallen, Container und Gewerbehallen können aber nur das letzte Mittel sein, Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu geben“, sagte Einiger.

Im Landkreis Esslingen haben Städte und Gemeinden schon Wohnraum zur Verfügung gestellt oder neu gebaut. Wie viele Personen aufgenommen werden, regelt eine Quote.

Wie viele Flüchtlinge aufgenommen werden müssen, hängt von der Einwohnerzahl der Stadt oder der Gemeinde im Verhältnis zur Landkreisbevölkerung ab. In Esslingen sind das 17,4 Prozent und damit werden 1160 Menschen an sieben verschiedenen Standorten leben. In Weil, in der Weststadt und in Zell werden bis Ende des Jahres rund 250 Plätze gebaut. Für das Jahr 2016 baut die Stadt auf der Flandernhöhe, in Oberesslingen und in Sulzgries.

Die Planungen für weitere 70 Plätze auf dem Zollberg laufen bereits. Auch anderswo wird gebaut. Aichwald steuert bis Mitte des Jahres 95 Plätze bei. 80 Plätze sind Ende September in Ostfildern fertig, 33 Plätze steuert Denkendorf bis November bei. In Neuhausen sollen bis Ende Januar 143 Plätze bezugsreif sein.

In Nürtingen werden bis zum Jahresende weitere 29 Plätze gebaut,  in Großbettlingen sind Ende März 2016 108 Plätze bezugsreif. Noch in diesem Jahr kommen Wohnplätze aus Altbach (40), aus Reichenbach (80), aus Plochingen (41) und aus Wendlingen (50) dazu. Bis Oktober kann die Gemeinde Hochdorf 240 Wohnplätze zur Verfügung stellen. Das ist viel mehr, als Hochdorf nach der Quote übernehmen müsste, aber laut Eininger besitzt der Landkreis ein Grundstück auf Hochdorfer Gemarkung, das er bebaut. Noch im August steuert Notzingen zehn Plätze bei, während in Weilheim derzeit 100 Plätze fertig werden.

Doch Fragen wirft nicht nur das sprichwörtliche Dach überm Kopf für die Menschen auf, die neben der Erst- auch die Anschlussunterbringung bedeutet. Die psychosoziale Betreuung der Menschen hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO), unterstützt von Ehrenamtlichen, übernommen. Der Kreis hat ein Konzept entworfen, das allerdings noch nicht durch die entscheidenden Gremien abgesegnet ist. Der Kreis will rund 0,75 Millionen Euro  investieren, um sieben neue Stellen zu finanzieren.  Das sind 75 Prozent der Kosten, den Rest tragen die Städte und Gemeinden. Der Kreis wird außerdem eine Koordinationsstelle einrichten und die Betreuung bei der Anschlussunterbringung und der Integrationshilfe ausbauen. Es gibt auch Überlegungen, Ärzte im Ruhestand für eine optimierte medizinische Betreuung der Asylsuchenden zu gewinnen – möglicherweise für eine mobile Arztpraxis. Im Landratsamt selbst sind mittlerweile 25 neue Mitarbeiter mit dem Thema Asyl beschäftigt.

„Es ist keine Frage ob, sondern wie wir die Flüchtlinge aufnehmen“, sagte der Esslinger Oberbürgermeister Zieger. Er sieht es als große Herausforderung und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, diesen Menschen die Hand zu reichen. Zieger appellierte an alle Gemeinden im Kreisgebiet und auch an die Kirchen, sich an der Aufgabe zu beteiligen und Flächen für Wohnhäuser zu akquirieren. Auch wenn es kleinen Gemeinden schwerfalle: „Wo ein Wille, da ein Grundstück“, so Zieger.

Am 25. September soll im Rahmen des runden Tischs zur Flüchtlingsunterbringung mit Vertretern der Kreistagsfraktionen der Städte und Gemeinden sowie den Kirchen über die Situation und weitere Maßnahmen beraten werden.               bob / Foto: dpa


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Foto: dpa

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