Rechtssicherheit für alle

Dank einer Gemeinschaftsaktion haben Plochingen, Altbach und Deizisau jetzt ihre eigenen qualifizierten Mietspiegel

Wenn es um die Frage geht, was eine Wohnung in Plochingen, Altbach oder Deizisau  kosten darf, haben sich   die Mieter und Vermieter  bislang  am Esslinger Mietspiegel orientiert.  „Dabei tauchte auch immer wieder die Frage auf, ob wir zu der ortsüblichen Esslinger Vergleichsmiete für  Deizisau     einen Zu- oder einen Abschlag   einkalkulieren sollen“, hat der Deizisauer Bürgermeister Thomas Matrohs noch manche Diskussion im Ohr.  Solche Unschärfen haben sich  zuletzt auch bemerkbar gemacht,  als das Esslinger Amtsgericht die Anwendungen des Esslinger Mietspiegels auf  Mietstreitigkeiten in Plochingen, Altbach oder Deizisau nicht mehr anerkannt hatte.

Daran erinnerten Plochingens Bürgermeister Frank Buß und sein Beigeordneter Michael Hanus bei der Vorstellung des jüngsten interkommunalen Gemeinschaftsprojekts.  Auf Initiative Plochingens   haben sich die drei Kommunen einen eigenen qualifizierten Mietspiegel erstellen lassen. Genauer gesagt sind es drei separate Exemplare für jede einzelne Kommune, sagt Altbachs Bürgermeister Martin Funk. Dass kleine Gemeinden wie Altbach oder Deizisau  ein eigenes  transparentes  Instrument  für Mieter und Vermieter vorhalten können, ist ungewöhnlich. Die Zahlenwerke gelten seit 1. Juni zwei Jahre lang  und wurden in Zusammenarbeit mit dem EMA-Institut für empirische Marktanalysen  erstellt. Die 35 000 Euro Gesamtkosten  teilen sich die Kommunen – nach  Abzug eines  Landeszuschusses von  14 000 Euro.

 Zwischen den drei Kommunen unterscheidet sich  das Mietpreisniveau  nur unwesentlich. Beispiel: Für eine durchschnittliche Wohnung zwischen 60 und 69 Quadratmeter liegt  man in Plochingen  bei 9,01 Euro, in Altbach bei 9 Euro und in Deizisau bei 9,12 Euro pro Quadratmeter.   Die  durchschnittliche Nettomiete – unabhängig von Wohnwertmerkmalen – beträgt bei allen  drei Kommunen  8,98 Euro. Damit liegt sie    über dem  Esslinger  Mietspiegel, der es auf eine  durchschnittliche Nettokaltmiete von  8,64 Euro pro Quadratmeter bringt. Dieser   basiert jedoch auf Daten von   2017 und ist  zwei Jahre später – wie üblich – auf Basis der allgemeinen Preissteigerungsrate  fortgeschrieben worden. Oliver Trinkaus,  EMA-Projektleiter, geht davon aus, dass der Quadratmeterpreis   in Esslingen auf über neun Euro klettern wird, wenn 2022 wieder    Daten erhoben werden.  „Die Mietpreise  steigen deutschlandweit. Es gibt nicht genug Wohnungen und einen hohen Leerstand.“

Der Mietspiegel gibt eine Übersicht über die in einer Kommune gezahlten Mieten für Wohnungen vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage. Er  berücksichtigt nur Bestandsmieten, also Mietverträge, die in den vergangenen sechs Jahren neu vereinbart oder abgeändert worden sind. Wer einen neuen Mietvertrag für eine    Neubauwohnung abschließen will, muss mit deutlich  höheren Preisen rechnen. Ausgenommen vom Mietspiegel ist auch der preisgebundene Wohnungsbestand.  Trinkaus verweist darauf, dass qualifizierte Mietspiegel von Interessensvertretern anerkannt seien. So waren auch  in diesem Fall der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein Plochingen und Umgebung sowie der Mieterschutzbund Esslingen-Göppingen beteiligt.

In einem ersten Schritt wurden 7100 per Zufall ausgewählte Eigentümer und Mieter in den Kommunen angeschrieben. Von 948 Rückmeldungen erfüllten  578 alle  Kriterien. Der Rücklauf von neun Prozent in  Plochingen und je fünf in  Altbach und Deizisau  ist laut Trinkaus gut genug, um    rechtsfeste  Aussagen möglich zu machen.

  Wichtigstes Kriterium für die Miete einer Wohnung ist ihre  Größe. Im Mietspiegel sind daher die Basis-Nettomieten je nach Wohnfläche für die jeweilige Kommune aufgelistet. Für  Baujahr, Modernisierungen,  Ausstattung oder Wohnlage gibt es entsprechende Zu- oder Abschläge.  biz / Foto: Ines Rudel

Info: Der Mietspiegel mit Online-Rechner ist auf der Homepage der Stadt Plochingen verfügbar. Printexemplare sind in den Rathäusern erhältlich.


Abgestimmt

Ab  dem 7. Juni sollen Kinder ab einem Alter von zwölf Jahren geimpft werden können. Das ist nicht unumstritten. Soll man  Kinder impfen lassen?

Foto: dpa

Kinder impfen lassen?

  • Nein! (85% )
  • Ja! (15% )
Loading ... Loading ...


Große Sprünge wieder möglich

Jugendliche engagieren sich bei Sanierung der BMX-Anlage in Kemnat – Teile der Strecke können sie selbst modellieren

Schiefe Fahrspuren, zerfurchte Anlauframpen, bröckelige Sprunghügel und ausgewaschene Steilkurven – die etwa 15 Jahre alte BMX-Bahn bei der Sporthalle Kemnat hatte sich nach Jahren intensiver Nutzung in einem eher beklagenswerten Zustand präsentiert, und der Fahrspaß hatte sich entsprechend in engen Grenzen gehalten. In den Osterferien ließ die Stadt nun die Anlage nach Vorschlägen und bei aktiver Mitarbeit engagierter Jugendlicher neu gestalten. Der sanierte Parcours wird mittlerweile eifrig genutzt und animiert dank der neuen Elemente zu großen Sprüngen ebenso wie sanftem Gondeln.

Mehrere Kemnater Jugendliche hatten sich vor einiger Zeit an die Stadt mit dem Vorschlag einer Sanierung der BMX-Bahn bei der Sporthalle gewandt. Bei Beatrix Pfotenhauer vom städtischen Freiflächenmanagement trafen sie auf offene Ohren: „Die ganze Bahn hatte sich gesetzt und war verformt. Es war offensichtlich, dass die Anlage neu gemacht werden musste.“ Nach einem Aufruf im Amtsblatt meldeten sich weitere Jugendliche mit Ideen für die Sanierung und reichten per E-Mail und mit Zeichnungen Verbesserungsvorschläge ein. Bei einem Treffen auf der Bahn wurden schließlich konkrete Absprachen für die Neugestaltung getroffen. „Die Jugendlichen haben uns viele hilfreiche Tipps gegeben und waren schließlich hoch erfreut und stolz, dass sie Bauleiter für das Projekt sein konnten“, erzählt Pfotenhauer. In den Osterferien gestaltete  ein Gartenbau-Unternehmen in Kooperation mit den Nutzern die Bahn um. „Die Jugendlichen fuhren während der Arbeiten mit ihren Rädern immer wieder zur Probe durch das Gelände und korrigierten und verbesserten, und die Arbeiter waren sehr geduldig“, sagt Pfotenhauer.

Dem Grunde nach orientiere sich der Parcours an den teilweise professionell gestalteten und genutzten Bahnen in der Region. Aufgrund der begrenzten Fläche bei der Sporthalle sei freilich nicht alles umsetzbar gewesen, was den Jugendlichen vorgeschwebt hatte. „Insgesamt aber haben wir dank der engagierten Fahrer ein tolles Ergebnis erzielt, eine ideale Bahn für die Kinder und Jugendlichen in Kemnat“, sagt Pfotenhauer.

Wie die Fachfrau erzählt, hat die Stadtverwaltung auf eine Anregung der Jugendlichen hin weiteres Material bereitgestellt, damit die Fahrer künftig kleinere Formen entlang der Strecke selbst modellieren können. So sind derzeit immer wieder Jugendliche auf der Anlage mit Schaufeln zugange, um Sprunghügel und Auslaufflächen nachzubessern. Doch bis auf Kleinigkeiten ist die Bahn fertig und wird entsprechend eifrig genutzt. Jugendliche sausen über die Bahn und üben sich an den Hügeln in großen und akrobatischen Sprüngen, während sich Kleinere auf einer sanft modellierten Nebenstrecke tummeln. Nun sollen noch eine Sitzgelegenheit und ein Papierkorb aufgestellt werden – auch dies eine Anregung der Nutzer.  pst / Foto: Peter Stotz


Mit leerem Schnabel zur Brut

Schwalben und Mauersegler, aber auch die Wildtauben leiden unter Kälte und Regen

Der nasse und kalte Frühling macht den Vögeln zu schaffen. Sie leiden an der anhaltenden Kälte und dem Regen. Die Insektenfresser unter ihnen kehren  allzu häufig mit leerem Schnabel von der Jagd zurück. „Wir können davon ausgehen, dass viele Brutansätze in diesem Frühjahr verloren gehen“, sagt der Kirchheimer Vogelkundler Wulf Gatter.

Er hat die Forschungsstation am Randecker Maar bei Bissingen-Ochsenwang gegründet und beobachtet dort seit mehr als 50 Jahren den jährlichen Zug der Vögel über der Schwäbischen Alb. Nun leidet er mit der gefiederten Kreatur. Er selbst hat auf seiner Obstwiese in Bissingen schon verhungerte Jungmeisen aus dem Nistkasten holen müssen. Die Eltern hatten die Brut verlassen. Nicht viel besser geht es seinen Beobachtungen zufolge den Wildtauben. Die seien zwar vom Insektenflug unabhängig, würden aber auf  der Futtersuche nach  Getreide- und Unkrautsamen  häufig leer ausgehen. Auf den grünenden Feldern und den feucht-zugewachsenen Wiesen sei leicht zu ­pickende Nahrung in diesem Frühjahr Mangelware. Weil die Futtersuche entweder erfolglos sei oder zu lange dauere, leide die Brutpflege. „Bei den Ringel- und Hohltauben geht gerade ein Brutversuch nach dem anderen schief“, sagt Gatter.

Als typische Insektenfresser sind auch die Schwalben und die Mauersegler von der Natur in diesen  Tagen auf strenge Diät gesetzt. Allerdings sind laut Gatter die Mauersegler in der Lage, Schlecht­wetterzonen zu umfliegen. „An den Wernauer Baggerseen sind kleinere Trupps beobachtet worden, die schnell weitergezogen sind.“ Wenn das Nahrungsangebot nicht ausreiche, dann  würden Mauersegler ihre angefangenen Bruten verlassen. Weil sowohl die Altvögel als auch ihr Nachwuchs in der Lage seien, den Stoffwechsel und den Herzschlag herunterzufahren, könnten sie längere Kälte- und Hungerphasen überstehen. „Vor Jahren haben wir während eines Kälteeinbruchs im Juni die Totmeldung eines von uns beringten Altvogels aus Florenz bekommen. Das Nest mit den Jungen hatte er hier zurückgelassen“, sagt Gatter.

Es sei davon auszugehen, dass der Altvogel zurückgekommen wäre. „Mauersegler haben ein eingebautes Wetterradar. Sie können vor Gewitterfronten herziehen und die Luftströmung ausnützen. Unter optimalen Bedingungen brauchen sie nur wenige Stunden für eine Alpenüberquerung“, sagt Gatter.

Der Ornithologe denkt mit Schrecken  an den Herbst 1974 zurück, als ein Kälteeinbruch die Mauersegler, sowie die Rauch- und Mehlschwalben überrascht hatte.  Im Zuge einer spontan organisierten Hilfsaktion sammelten Vogelfreunde die geschwächten Tiere von Hausgiebeln, Fluren und Straßen, packten sie in Schuhkartons und transportierten sie zum Stuttgarter Flughafen. Dort wurden die Vögel verladen, über die Alpen geflogen und je nach Destination des Fliegers auf den Kanarischen Inseln, in Rom, in Algerien oder in Ägypten  freigelassen. Millionen von Vögeln entkamen  so dem Kältetod.   Adt /  Foto: Horst Rudel




Maillekreuzung wird saniert

In den Sommerferien wird der Verkehr mehrere Wochen behindert – Belagsarbeiten kosten 700 000 Euro

Unverhofft kommt in Esslingen vor allem oft, wenn es ums Baugeschehen geht: Auf der Maillekreuzung, einer der belebtesten Kreuzungen im gesamten Landkreis, muss der Belag erneuert werden. Damit verbunden ist eine wochenlange Verkehrsbehinderung in den Sommerferien. In einem zweiten Anlauf stimmten die Mitglieder des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) kürzlich mehrheitlich für die 700 000 Euro teure Sanierung.

Die Maillekreuzung gehört zu den bedeutsamsten Verkehrsknotenpunkten im Stadtgebiet. Sie verbindet die nördlichen und südlichen Stadtteile und führt auf die im Landkreis eminent wichtige und viel befahrene B 10. 45 000 Fahrzeugen fahren täglich über die Kreuzung. Und es werden ständig mehr. Das steigende Verkehrsaufkommen, insbesondere des Lkw-Verkehrs, habe die  Straße zunehmend belastet. Die Schäden seien so groß, dass die Verkehrssicherheit nicht länger gewährleistet werden könne. Eine Instandsetzung des Fahrbahnbelags sei „unumgänglich“, so begründet die Verwaltung den Schritt.

Auch wenn die Entscheidung zum folgenreichen Straßenbauprojekt ein wenig überraschend kommt, ist den Verkehrsteilnehmern schon lange klar, dass es nicht so weitergehen konnte auf dieser Kreuzung. Der Stadtverwaltung war die Dringlichkeit bewusst. Doch wurde die Entscheidung herausgezögert, um nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – zu viele Baustellen auf einmal aufzumachen. „Durch die aufwendigen Arbeiten an der Vogelsangbrücke und die dadurch bedingten Verkehrseinschränkungen mussten die dringend notwendigen Arbeiten für die Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich in dieses Jahr verschoben werden“, heißt es in der Beschlussvorlage, die das Rathaus  vorlegte. Die dort aufgelisteten Schäden sind gravierend: Risse, Setzungen, Schlaglöcher, Aufplatzungen, Kanten, tiefe Spurrillen. Letztere sind bis zu sechs Zentimeter tief, was für Motorrad- und Fahrradfahrer gefährlich ist.

Der Zeitpunkt der Sanierung ist absichtlich gewählt: In den Sommerferien ist weniger los auf den Straßen. Auch wenn die Arbeiten verhältnismäßig lange dauern, handelt es sich nicht um eine Großbaustelle. Es geht  um den Asphaltbelag der Maillekreuzung und Teile der Kiesstraße bis zur Obertorstraße, der erneuert werden muss. Das nennt man im Fachjargon „Belagssanierung“. Da man schon mal dabei ist, sollen auch Randsteine abgesenkt werden. Das  hat  Konsequenzen für die Verkehrsteilnehmer. Die Rede ist von einem „aufwendigen Umleitungsverkehr“. Die Hauptfahrtrichtungen sollen allerdings größtenteils aufrecht erhalten bleiben, so verspricht das Rathaus.

Das Thema hatte schon Ende April auf der Tagesordnung des ATU gestanden, war jedoch auf Wunsch der Grünen vertagt worden. Sie wollten  die Auswirkungen einiger Neuerungen wie der Umgestaltung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone sowie der Umweltspur auf der Kiesstraße abwarten, bevor eine Sanierung angegangen wird. Nun stand der Beschluss erneut   auf der Tagesordnung. Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht erklärte, dass es lediglich um die Reparatur der Asphaltschicht gehe, unabhängig von der künftigen Organisation der Kreuzung. SPD, Freie Wähler, CDU und FDP waren für eine schnelle Sanierung. Grünen-Rat Jürgen Menzel betonte: „Wir können der Vorlage nur zustimmen, wenn die Verkehrsbeziehungen geklärt sind.“ So argumentierte auch Die Linke und beantragte eine Vertagung.

Bei der neuerlichen Sitzung  waren dann die Bedenken der Grünen zerstreut, nicht die der Linken. „Wir halten nach wie vor eine grundsätzliche Planung für notwendig und meinen, dass man erst den Plan macht und dann Maßnahmen umsetzt“, sagte Tobias Hardt. „Uns geht es vor allem um Fußgängerüberwege und die Radverkehrsführung. Auch eine Verkleinerung des Straßenraums sollte überlegt werden. Weniger Straße bedeutet auch weniger Folgekosten.“  Ein Tempolimit rund um die Maillekreuzung sei als Alternative „sicher vertretbar“.  jmf / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Foto: dpa

 

Mehr Schwäbisch?

Grün-Schwarz will die Dialekte im Land stärken, für die regionalen Sprachen werben. Was meinen Sie, soll hierzulande wieder mehr Schwäbisch gesprochen werden?

Mehr Schwäbisch?

  • Ja! (93% )
  • Nein! (7% )
Loading ... Loading ...


Neustart erfolgt im Herbst

Der Eßlinger Zeitung Lauf soll am  7. November stattfinden – In Teilen wird es einen neuen Streckenverlauf geben

Es sind Schritte auf einem nach wie vor unsicheren Terrain, doch die Veranstalter des Eßlinger Zeitung Laufs wagen einen neuen Versuch. Nachdem der Lauf im Zuge der Absage des für Anfang Juli vorgesehenen Bürgerfests gestrichen worden war, wurde nun ein neuer Termin fixiert: Am 7. November dieses Jahres soll wieder durch Esslingens Altstadtgassen gelaufen werden. Und zwar im gewohnten Programm, also mit Bambini- und Schüler-Läufen sowie dem Zehn-Kilometer-Hauptlauf. Von dieser Entscheidung soll auch ein Signal der Zuversicht ausgehen, dass in wenigen Monaten der Alltag wieder als „halbwegs normal“  bezeichnet werden kann.

Beim Neustart im Herbst ziehen nicht nur TSG Esslingen und EZ an einem Strang, ohne die Unterstützung der Stadt wäre dieser undenkbar. Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger verweist darauf, dass im Zuge der Pandemie seit mehr als einem Jahr keine größeren Veranstaltungen mehr möglich sind. Auch das Bürgerfest mit EZ-Lauf 2020 wurde abgesagt. Nun sagt Zieger: „Gemeinsam mit den Veranstaltern des EZ-Laufs teile ich die Überzeugung, dass wir im Herbst eine verbesserte Covid-19-Gesamtsituation vorfinden werden.“ Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet Herdenimmunität: Denn ohne eine weit fortgeschrittene Impfkampagne ist es auch im November kaum vorstellbar, einen Volkslauf zu organisieren.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Infektionslage macht die Durchführung eines solchen Events im Sommer keinen Sinn. Das ist zu riskant“, verdeutlicht Gerald Lietzenmayer. Der Vorsitzende der TSG Esslingen macht aber auch klar: „Wir sind heiß darauf, endlich wieder gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Gemeinsam Sport aktiv zu erleben. Wir hoffen, mit dem Eßlinger Zeitung Lauf zeigen zu können, dass der Breitensport noch immer lebt.“ Andreas Heinkel, der Geschäftsführer der Eßlinger Zeitung, pflichtet ihm bei: „Der EZ-Lauf im November könnte wieder eine der ersten Veranstaltungen mit Gemeinschaftscharakter sein. Alle freuen wir uns doch wieder auf sportliche Erlebnisse im Freien.“

Am 7. November lädt die Esslinger Händlergemeinschaft zudem zu einem verkaufsoffenen Sonntag – wenn es die Pandemieregeln denn zulassen. „Wir benötigen konkrete Öffnungsperspektiven für unsere Bürgerinnen und Bürger, aus sozialer und ökonomischer Sicht“, sagt Zieger. Die Verlegung des Laufs in die zweite Jahreshälfte sei die „rationale Antwort auf die schwierige Situation“, sie bringe mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit, auch für die Läuferinnen und Läufer. Geplant ist, wie in den Vorjahren vier Bambini- und drei Schülerläufe zu starten, gefolgt vom Hauptlauf.

Die bei Letzterem viermal zu absolvierende Runde wird dabei in der 21. Auflage des EZ-Laufs modifiziert. Die Ecke Landolinsplatz/Neckar Forum war in der Vergangenheit  für den einen Läufer oder die andere Läuferin in der Streckenführung schwer zu durchschauen, dort wurde zudem eine recht offene Flanke identifiziert, was aus Terrorschutzgründen verbesserungswürdig ist. Der genaue Streckenverlauf wird  in den kommenden Wochen in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Leichtathletikverband festgelegt.

Die Veranstalter wollen mit der Neuansetzung des Laufs nicht nur Hobbyläufern eine Perspektive bieten, sie wollen auch Kinder und Jugendliche wieder ins Laufen bringen. Schließlich haben diese mit dem Wegfall von Sportunterricht und Vereinssport ein akutes Bewegungsdefizit.  TSG und EZ hoffen zudem, mit dem neuen Termin den Schulen ein attraktives Angebot machen zu können, sodass diese in bewährter Form organisatorische Fäden bei der Anmeldung in die Hand nehmen.

Zieger betont, dass der Esslinger Sport sich während der Pandemie vorbildhaft verhalten habe. Und er würde sich freuen, wenn traditionsreiche Veranstaltungen wie der EZ-Lauf bald wieder ein Stück Normalität im Alltag bieten könnten. Dies wird wohl  jeder und jede unterstreichen.  ch / Foto: Archivbild Roberto Bulgrin


Alicensteg bleibt in der Schwebe

Über das Schicksal der Fußwegverbindung zum Zollberg wird erst in den Etatberatungen entschieden

Der Alicensteg bleibt vorerst unangetastet – der geplante Abriss der Fußgängerverbindung zwischen Maillepark und Zollberg wird auf Eis gelegt. Darauf hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Esslinger Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung geeinigt.

Während der  Beratungsrunde im März hatte die SPD beantragt, zunächst den Blick aufs ganze Stadtgebiet zu richten und  ein Brücken-, Stege- und Wegekonzept zu erarbeiten, das konkrete Angaben zu Bedeutung, Nutzung, Kosten und möglichen Alternativen  liefert. Erst dann soll sich entscheiden, wie es mit dem Alicensteg weitergeht. Im ATU fand dieses Vorgehen nun Zustimmung: Erst wenn das Gesamtkonzept vorliegt, soll der Gemeinderat in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2022/2023 über die Zukunft des Stegs entscheiden.

Seit Monaten wird intensiv über den Alicensteg diskutiert. Nachdem der Abriss beschlossene Sache war, mussten Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht und sein Dezernat zurückrudern, weil die Zweifel an ihrer Argumentation für den Abriss immer deutlicher zutage getreten waren. Mit Blick auf den Abrissbeschluss Ende Januar hatte Andreas Koch (SPD) im März resümiert, der ATU hätte im Januar „gar nicht entscheiden dürfen, weil die Entscheidungsgrundlagen  lückenhaft, falsch und insgesamt tendenziös waren“.  

Verschiedene Varianten liegen nun vor: Neben dem Abriss des Alicenstegs mit der Option auf einen späteren Neubau auf dem bestehenden Unterbau ist eine Instandsetzung der Fußgängerbrücke denkbar, die von Fachleuten auf 3,2 Millionen Euro taxiert wird. Eine Alternative hatte Andreas Fritz (Grüne) ins Gespräch gebracht: Ob nicht eine  „Schmalspursanierung“ anstelle einer „Sanierung deluxe“ möglich wäre? Diese Variante hat die Bauverwaltung geprüft. Das Ergebnis: Eine „Instandsetzung light“, die sich auf die unerlässlichen Reparaturen beschränkt, um den Alicensteg wieder begehbar zu machen, würde 900 000 Euro kosten. Dafür könnten die Geländer und der Brückenbelag erneuert, die Wendeltreppe und die Treppe zum Merkelpark saniert und teilweise Stahlbauinstandsetzungen am Deckblech finanziert werden. Im Gegensatz zur kompletten Instandsetzung würde sich die Stadt bei der „Instandsetzung light“ auf Arbeiten an der Brückenoberseite beschränken, da die Stahlkonstruktion noch relativ standsicher scheint. Auf die Erneuerung des Korrosionsschutzes an der Unterseite müsste verzichtet werden. „Dadurch verschlechtert sich der Zustand an der Brückenunterseite weiter. Es kann aber auf eine aufwendige und sehr teure wechselseitige Verkehrsführung auf der Bundesstraße 10 verzichtet werden“, gab die Bauverwaltung zu bedenken.

Zusätzlich müsste der Treppenweg bis zum Unteren Eisbergweg ertüchtigt werden. Kosten: etwa  250 000 Euro.  Die Fachleute gehen davon aus, dass der Alicensteg mit einer „Instandsetzung light“ maximal für zehn Jahre genutzt werden könnte. Anschließend sei ein Neubau erforderlich.

Baubürgermeister Wilfried  Wallbrecht: „Mehr als eine Million Euro für maximal zehn Jahre weitere Nutzung – das ist keine Perspektive.“ Dagegen fand er den Vorschlag der SPD, ein Gesamtkonzept für Brücken, Wege und Stege abzuwarten, sinnvoll: „Dann können wir klare Prioritäten festlegen.“ Jürgen Menzel (Grüne) möchte vor der Sommerpause über den Alicensteg beraten. Andreas Koch findet es sinnvoll, „erst das große Ganze in den Blick zu nehmen“. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) sieht das genauso, Karin Pflüger (CDU) fühlt sich wie Ulrich Fehrlen (FDP) bestätigt, „dass ein Ersatzneubau auf längere Sicht die günstigste Variante ist“. Für Johanna Renz (Linke) ist klar: „Der Alicensteg muss so rasch wie möglich wieder begehbar sein.“  adi / Foto: Roberto Bulgrin


Erst müssen die Eidechsen weg

Nach der Umsiedlung der Tiere entstehen in der „Parksiedlung Nord-Ost“ 130 neue Wohnungen

Geht’s bald los mit den Bauarbeiten? Eine Frage, die sich so mancher Vorbeifahrende schon gestellt haben mag. Das Hanggrundstück oberhalb des früheren Gartenbaubetriebs Raisch in Ostfildern, auf dem sich über Jahre Gestrüpp und Buschwerk ausgebreitet haben, wirkt wie leer geräumt. „Keine Rodung“, betont Achim Geisbauer, Geschäftsführer der Hofkammer Projektentwicklung GmbH (HKPE). „Wir haben  alles oberflächennah zurückschneiden lassen.“ So sei es mit der Naturschutzbehörde abgesprochen worden. Hintergrund: Bevor die Erschließungsarbeiten für  das neue Baugebiet „Parksiedlung Nord-Ost“ beginnen, müssen alle Eidechsen, die auf dem sonnenbestrahlten Areal gute Lebensbedingungen gefunden haben, umgesiedelt werden.

Streng nach Artenschutz

Laut Geisbauer werden den ganzen Sommer über immer wieder Fachleute unterwegs sein, die die Tierchen mit kleinen Schlingen einfangen und auf die andere Seite der Breslauer Straße bringen. Dort hat man sogenannte Ersatzhabitate geschaffen, in denen die Eidechsen eine neue Heimat finden sollen. „Alles streng nach den Vorgaben des Artenschutzes“, betont der HKPE-Geschäftsführer. „So lange dürfen wir auf dem Grundstück nichts machen.“

Auf diese  paar Monate komme es ihm aber auch nicht mehr an. Geisbauer ist froh, dass er das Projekt überhaupt realisieren kann. Elf Jahre ist es her, dass die HKPE das Siedlungsprojekt zusammen mit der Stadt Ostfildern angestoßen hat. Doch das neue „Tor zur Stadt“, wie es angepriesen  wurde, lässt seither auf sich warten. Denn was auf dem Hanggrund vorgesehen ist, weckte   den Widerstand der oberhalb der Danziger Straße lebenden Menschen. Aus mehreren Gründen: Durch die neuen Baukörper werde die Sicht ins Neckartal erheblich eingeschränkt, lautet ein Kritikpunkt. Auch sei ein Verkehrschaos zu befürchten, wenn dort Wohnraum für mehr als 200 Menschen entsteht.  Vor allem wehren sich viele Bewohner der Parksiedlung gegen das Projekt, weil zu viele öffentliche Parkplätze in der Danziger Straße wegfielen.

2017 errangen die Gegner einen Sieg: Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim stoppte die Pläne mit der Begründung, dass der Lärmschutz zu wenig berücksichtigt sei. Verwaltung und Gemeinderat ließen dennoch nicht von dem Siedlungsprojekt ab. Man änderte die Pläne in der Weise, dass statt einer vielgliedrigen Bebauung nun lediglich fünf bis zu 17 Meter hohe Baukörpern entstehen sollen, die Platz bieten für  130 Wohnungen. In einer Tiefgarage soll Platz für 150 Fahrzeuge geschaffen werden.

Auch an den überarbeiteten Plänen regte sich massive Kritik: wegen der Höhe der Objekte, wegen der nicht minder problematischen Verkehrssituation und des Wegfalls vieler Parkplätze. Trotz aller Versuche von Anwohnern, das Vorhaben erneut zu stoppen, bekannte sich der Gemeinderat im November 2020 zur überarbeiteten  Fassung des Bebauungsplans. Mit 19 zu sieben Stimmen gab das Gremium grünes Licht für die „Parksiedlung Nord-Ost“. Seither ist der Bebauungsplan rechtskräftig.

Weitere Klagen anhängig

Trotzdem hoffen die Anwohner nach    wie vor, dass sie das Siedlungsprojekt noch kippen können. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, gibt es erneut eine Normenkontrollklage. Auf diesem Wege soll gerichtlich geprüft werden, ob beim Genehmigungsverfahren formale Fehler gemacht wurden, die einer Bebauung  einen Riegel vorschieben könnten. OB  Christof Bolay ist überzeugt, dass daran nicht zu rütteln ist, weil man diesmal alle Verfahrensschritte penibel geprüft habe. Auch Geisbauer geht davon aus, dass 2022 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zwei Jahre dürften ins Land gehen, bis die Wohntürme fertig sind.  hf / Foto: Ines Rudel


Abgestimmt

Der Tübinger OB und Grüne  Boris Palmer fällt oft mit provokanten Aussagen auf. Jetzt wollen ihn die Grünen aus der Partei  ausschließen. Richtig so?

Foto: dpa

Palmer ausschließen?

  • Nein! (96% )
  • Ja! (4% )
Loading ... Loading ...