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Das Tabu brechen

Haecker-Preis geht an Rugiatu Neneh Turay aus Sierra Leone für ihren Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung

Als ein Merkmal der Friedensstadt Esslingen bezeichnet Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger die Tradition der Verleihung des  Theodor-Haecker-Preises. Der   Internationale Menschenrechtspreis für politischen Mut und Aufrichtigkeit​ wird trotz schwieriger Bedingungen auch dieses Jahr verliehen. Er geht  an Rugiatu Neneh Turay aus Sierra Leone, eine Aktivistin im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Der Ehrenpreis geht an das Jugendhaus Komma für die Durchführung der Anti-Rassismus-Wochen.

Die Preisverleihung findet am Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr, im Neckar Forum in  kleinem Rahmen statt.  Preisträgerin Turay  kann nicht persönlich dabei sein; ihre Ausreise aus Sierra Leone ist nicht möglich. Sie wird per Video zugeschaltet sein. Der Abend wird von Susanne  Babila vom SWR moderiert, Redebeiträge kommen von OB Zieger und Christa Stolle, der Geschäftsführerin von Terre des Femmes. Die Regisseurin Beryl Magoko hält die Laudatio auf Turay; zunächst war die Schauspielerin Gudrun Landgrebe davor vorgesehen, sie musste jedoch absagen. Der Abend wird per Live-Stream im Internet übertragen.

Rugiatu Turay wird für ihr Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung ausgezeichnet.  Das traditionelle Verfahren, das international  Female Genital Mutilation (FGM) heißt, ist zwar in vielen Ländern Afrikas  offiziell verboten, wird aber dennoch  praktiziert. In Sierra Leone ist FGM noch erlaubt. Das Abschneiden der Klitoris und der Schamlippen  und das Zunähen der Vagina  soll  weibliche Promiskuität  unterbinden.  Es herrscht die Vorstellung, dass nur beschnittene Mädchen „rein“ sind.

Junge Mädchen aus dem ländlichen Bereich sind vielfach Analphabeten, haben keine Ausbildung und erlangen nur durch eine Heirat wirtschaftliche Sicherheit und soziale Anerkennung. Mit dem grausamen Ritual, das lebenslange Schmerzen, schwere Infektionen bis hin zum Tod,   Lustverlust und traumatische Belastungen zur Folge hat, werden die Mädchen in eine Geheimgesellschaft namens Bondo aufgenommen. Dort werden sie auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet.

Über all dem liegt ein Schweigegelübde; dieses   Tabu macht die Auseinandersetzung mit der brutalen Praxis schwierig. Die Beschneiderinnen sind keine Ärzte oder medizinisch ausgebildete Personen, sondern  Frauen, die mit Rasiermessern oder Glasscherben hantieren.  Rugiatu Turay, die FGM selbst ausgesetzt war, hat erleben müssen, wie ihre Cousine an den Folgen der Prozedur  starb. Sie kämpft gegen FGM –  gegen erzwungene und freiwillige –, indem sie in den verschiedenen Communities  ihres Landes  und in   Schulen aufklärt. Sie bildet junge  Frauen wie Männer   zu Jugendbotschaftern aus. Sie baut  Schutzhäuser für Beschneidungsopfer und führt Aufklärungskampagnen über die Bondo-Kultur durch. Turay sagt: „Es geht nicht darum, die Tradition der  Bondo-Gesellschaft abzuschaffen, wir müssen die Kultur unserer Heimat respektieren, dazu gehört auch das Bondo-System, aber mit einem alternativen,  auch geheimen Übergangsritus ohne Beschneidung.“

     Turay schult auch Beschneiderinnen in Workshops und Landwirtschaftskursen, damit sie mit Alternativen ihren Lebensunterhalt verdienen können.   Von Befürwortern der rituellen Beschneidung wird Turay  immer wieder bedroht und angegriffen. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert; damit sollen weitere Schutzhäuser gebaut werden.

Die Esslinger Kulturmanagerin Dominique Caina wies darauf hin, dass FGM nicht nur ein Thema Afrikas oder Asiens sei, sondern auch viele Frauen in Europa betreffe. „Terre des Femmes schätzt, dass es in Deutschland rund 75 000 Frauen gibt, die beschnitten sind, und etwa 20 000, die von Beschneidung bedroht sind. Und unser Land ist darauf nicht vorbereitet.“

Der Haecker-Ehrenpreis geht an das Jugend- und Kulturhaus Komma für die Durchführung der  Internationalen Wochen gegen Rassismus. Damit will die Jury zeigen, dass „der Einsatz für Rechte, Demokratie und Respekt direkt vor der Haustür beginnt“. Der Haecker-Preis wird von einem Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Workshops und Diskussionen begleitet.  bob / Foto: dpa

Info: Über das Programm informiert das Kulturamt tagesaktuell auf www.esslingen.de/haecker-programm.


LesART light mit hohem Anspruch

Esslinger Literaturfestival trotzt Corona – 13  Autoren und Autorinnen für Erwachsene und Jugendliche

Das Programm  ist kleiner, die Säle sind größer, Vorverkauf und Signierungen laufen anders – dennoch findet  auch in diesem Jahr das Esslinger Literaturfestival LesART statt. Am 24. Oktober beginnt der Vorverkauf.

Renate Luxemburger, in der Esslinger Stadtbücherei für Veranstaltungen zuständig,  hat auch in diesem Jahr ein anspruchsvolles Literaturprogramm zusammengestellt. 19 Veranstaltungen mit 13 Autoren und Autorinnen sind für Erwachsene und Jugendliche  zustande gekommen. Esslingens Oberbürgermeister Zieger nannte die Literaturtage ein „Leuchtturmprojekt der Esslinger Kultur“, deshalb sei es eine gute Entscheidung, die LesART zu veranstalten, wenn auch kleiner und unter Beschränkungen: „Kultur ist systemrelevant.“

Eröffnet wird die LesART am 6. November, 19.30 Uhr,  im Neckar Forum, mit Monika Helfers  Familienroman „Die Bagage“. Helfer zeigt auf, wie Erfahrungen früherer Generationen auf Familien noch bis zur heutigen Zeit nachwirken.

Mit „Doppelte Spur“ von Ilija Trojanow geht es am 7. November, 18 und 20.30 Uhr,   im Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne (WLB)  weiter.  Trojanow widmet seinen Roman ganz aktuell dem Verhältnis von USA und Russland. Die Spaltung der Gesellschaft durch unterschiedliche Wahrnehmung von Fakten sind die  Themen.

Mit  Carmen Buttjer ist eine Esslingerin bei der LesART dabei. Die diesjährige Bahnwärter-Stipendiatin stellt ihren Debüt-Roman „Levi“ am 11. November, 19.30 Uhr,   im Saal des CVJM vor.  Die Kulturjournalistin und Moderatorin des Literaturclubs im Schweizer Fernsehen, Nicola Steiner, hält die  Laudatio  auf Buttjer. Auch Joachim Zelter war mal Esslinger Bahnwärter. Er  kommt am 13. November, 19.30 Uhr,   ins Neckar Forum, um seine  Groteske „Imperia“,  ein  Spiel um  Macht und Huldigung, vorzustellen.

Ein bekannter LesART-Gast ist Ingo Schulze, der am 15. November,   17 und 19.30 Uhr, zu  zwei Lesungen in die  WLB kommt. In  „Die rechtschaffenen Mörder“ begibt er sich auf die Spur  deutsch-deutscher  Befindlichkeit, hinterfragt Ossi-Wessi-Klischees und wirft einen kritischen Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte.

 Markus Orths, ebenfalls regelmäßiger Gast der LesART, bringt  am 18. November, 19.30 Uhr,   im Neckar Forum in  „Picknick im Dunkeln“ Stan Laurel und Thomas von Aquin zusammen. Diese wollen sich  über Fragen des Lebens unterhalten, für die Zuhörer soll so  eine philosophische Reise entstehen.

Zum Abschluss kommt mit Rüdiger Safranski am 23. November, 19.30 Uhr,  ein weiterer prominenter Gast zur LesART ins Neckar Forum. Seine Hölderlin-Biografie „Hölderlin. Komm! Ins Offene, Freund!“ erschien passend zu dessen 250. Geburtstag. Sie beleuchtet neben der Beschreibung der Lebensabschnitte des Dichters die philosophischen Fragen, die Hölderlin beschäftigten. 

Die  Stadtbücherei  bietet bei der 26. LesART zudem zehn  Schullesungen an. Es wurden sechs Autorinnen und Autoren eingeladen, die für Grundschulkinder sowie Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 lesen werden.

Vieles ist bei der LesART dieses Mal   ganz anders: Das Programm ist erheblich kleiner, die Zahl der Besucher ist beschränkt und kann noch weiter schrumpfen, es gibt  keine Eröffnungsfeier, kein   Literaturfest und keine Signierstunden. Wer ein signiertes Buch will, kann es in  der die Lesung betreuenden Buchhandlung bestellen.   bob / Foto: bul

Info: mehr zum LesART-Programm: www.stadtbuecherei. esslingen.de. Karten, die ab Samstag, 24. Oktober, 11 Uhr, im Vorverkauf sind, können nur über Reservix bestellt oder bei den Reservix-Shops in Esslingen gekauft werden. Die Preise bleiben mit acht bis zehn Euro gegenüber dem Vorjahr unverändert, Lesungen für Kinder und Jugendliche sind frei.


99 Grad Oechsle gemessen

Weinbauern im Landkreis sind mit dem Jahrgang sehr zufrieden – Wengerter spüren Probleme der Gastronomie

Für viele Branchen und in vielen Bereichen verläuft das Jahr 2020  alles andere als  gut. Die Wengerter im Land  blicken  jedoch auf ein erfreuliches  Ergebnis: Der Wein habe eine sehr gute Qualität, allein die Menge  lasse zu  wünschen übrig, so heißt es unisono bei den Weinbauern im Kreis Esslingen.

Auch der Verein der Weinbergbesitzer Weilheim hat die Lese beendet. Der Vereinsvorsitzende Werner Kauderer sieht einen Spitzenjahrgang bei einer geringeren Menge heranreifen. 99 Grad Oechsle habe die Messung beim Spätburgunder ergeben.

Die Genossenschaft Hohenneuffen-Teck arbeitet an  Neuerungen. So planen  Geschäftsführerin Christine Anhut und ihr Team die Weiterführung der „Täleswein to go“ genannten Probierstände im Freien –  im Winter vielleicht mit Glühwein. „Wir merken natürlich  die Probleme der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche, da ist der Absatz schon deutlich gesunken“, sagt Anhut. Die Winzer am Fuß der Alb wollen ihre Serie der fruchtigen Weine von zwei auf fünf Tropfen ausbauen. „Cool White und Easy Red kommen bisher  vor allem bei jungen Leuten gut an“, so Anhut. Diese  Weine bekommen  auch neue Etiketten.  Was den künftigen Inhalt der Flaschen betrifft, ist Anhut sehr zufrieden. „Wir können  einen sehr guten Jahrgang mit sehr aromatischen Weinen erwarten“, sagt sie, „vor allem beim Rotwein.“

Die Qualität vergleicht  Anhut mit dem Jahr 2018, die etwas geringere Menge mit der des Jahres 2017.  Für das Weniger im Bottich seien die kleinen, leichten und kompakten Trauben verantwortlich, hervorgerufen durch die trockene Wärme.

Auf Esslinger Gemarkung ist die Lese  abgeschlossen. „Das wird ein sehr guter Wein“, ist sich Ramona Fischer, die Geschäftsführerin  der Esslinger Weingärtnergenossenschaft,  sicher. „Wir haben aufgrund des warmen und trockenen Wetters  wunderschöne Trauben geerntet.“  Unwetter gab es keine,  ein Hagelstreifen im Mai habe allenfalls für einen geringen Ausfall gesorgt.  Nur die Menge lasse in diesem Jahr zu wünschen übrig. Alle Trauben sind jetzt runter vom Rebstock, bis auf den Spätburgunder, den die Esslinger Wengerter zu einer Trockenbeerenauslese ausbauen wollen. Sie werden bis Mitte November hängen. Aktuell bieten die Esslinger ein Traubensaft-Schorle an, das auch Saft aus unreifen Trauben enthält, was das Getränk frisch und spritzig mache, erklärt Fischer. In Planung ist ein Traubenpunsch, ebenfalls ohne Alkohol, mit dem man auch  auf coronabedingte Alkoholverbote reagieren könne.

Das spannendste Projekt der Esslinger Weinbauern ist die Probierstube, die in den Räumen des ehemaligen Cosmopolita, Am Marktplatz 25, eröffnet werden soll. „Mitte November öffnen  wir die Vinothek“, kündigt Fischer an. Sie soll  eine hochwertige Probierstube sein, ein In-Treff für Liebhaber des Esslinger Weins, für Touristen wie für Gäste aus der Region. Ausgeschenkt werde in 0,1- und 0,2-Liter-Gläsern, Essen gibt es dort nicht.  Die Vinothek  soll bis  Januar offen bleiben, dann folgen größere Umbauarbeiten, bis die  Vinothek im März dauerhaft geöffnet werden soll. Am  Namen werde noch getüftelt.

Auf der anderen Seite des Neckars gibt es eine Premiere: Wein aus Ostfildern wird es in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit geben.  Seit 1925 genau genommen.  Obst- und Weinbauer Christoph Clauss aus Esslingen hat auf der Domäne Weil, die zur Gemarkung Ostfildern gehört, auf rund drei Hektar Fläche Riesling und Spätburgunder angepflanzt und knüpft damit an  eine alte Tradition an. „Auch auf dieser Seite des Neckars wurde früher  Wein angebaut“, sagt Christoph Clauss. Das habe gedauert, bis die Reblaus kam und die Stöcke vernichtete.  bob / Foto: Brändli


Attraktion im Park

Disc-Golf-Parcours am Nürtinger Galgenbergpark in Betrieb – „Wenig Belastung für die Natur und hoher Mehrwert“

Der Nürtinger Galgenbergpark wartet mit einer weiteren Attraktion auf. Seit Kurzem  ist dort ein Disc-Golf-Parcours in Betrieb. Der in Deutschland noch recht junge Freizeitsport ähnelt dem klassischen Golfspiel, wird aber mit Wurfscheiben gespielt. In Nürtingen steht den Anhängern  ein  Rundkurs mit 14 Fangkörben zur Verfügung. Um den bereits rege genutzten Parcours zu komplettieren, strebt die Stadtverwaltung an, die ehemalige Trinkhalle der Heinrichsquelle in näherer Zukunft zu einem Kiosk umzurüsten.

Den Anstoß zur Einrichtung eines Disc-Golf-Parcours im Galgenbergpark gab der Nürtinger Markus Hybl. Er ist Mitglied im Disc-Golf-Club Achalm, der auf der Eninger Weide einen Parcours mit 18 Bahnen betreibt. Beim Disc Golf handelt es sich  um einen dem klassischen Golf nachempfundenen Freizeitsport unter freiem Himmel, bei dem man auf einem definierten Parcours von festgelegten Abwurfpunkten aus mit frisbeeähnlichen Wurfscheiben in Körbe treffen muss. Der Sport ist für die ganze Familie geeignet, kann jedoch je nach Schwierigkeitsgrad der einzelnen Spielbahnen durchaus anspruchsvoll sein.

Mit seiner Begeisterung für den Sport rannte Hybl bei Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich offene Türen ein. Schließlich wird die Belebung und Aufwertung des Parks bereits seit mehreren Jahren diskutiert. Da es sich jedoch um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, war eine formelle Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Esslingen erforderlich. Nach einem längeren Abstimmungsprozess genehmigte die Naturschutzbehörde schließlich einen Parcours mit 14 Bahnen. Ausschlaggebend dafür war, dass keine wesentlichen Eingriffe ins Gelände entstehen, da lediglich die Zielkörbe aufgestellt und die Abwurfstellen mit in den Boden eingelassenen Platten markiert werden mussten. Die Genehmigung des Landratsamts wurde allerdings nur auf Widerruf erteilt. Sollten die Disc-Golfer zu wenig Rücksicht auf die Natur nehmen, muss die Anlage wieder abgebaut werden.

Mittlerweile ist der Parcours in Betrieb, auch wenn noch nicht alles fertiggestellt ist. „Die Beschilderungen für die Spielbahnen fehlen noch, ebenso eine Tafel mit Hinweisen zur Sicherheit und gegenseitiger Rücksichtnahme. Aber man kann spielen, und das wird richtig gut angenommen“, erzählt Annelie Frantz, die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters. Die Besucherfrequenz im Park habe sich bereits deutlich erhöht und die Nachfrage nach der Anlage sei groß. Allerdings müssten Spieler ihre Wurfscheiben derzeit noch selbst mitbringen. Zunächst war geplant, beim benachbarten Hallenbad eine Ausleihstation einzurichten. Da das Bad jedoch aus Infektionsschutzgründen geschlossen wurde, entfalle diese Möglichkeit, sagt Frantz.

Um die Anlage zu komplettieren plant die Verwaltung, die  Trinkhalle der Heinrichsquelle  zu einem Kiosk mit Café,  Toiletten und einer Verleihstation für Wurfscheiben umzurüsten. „Der Entwurf für den Umbau liegt vor, aber auch das muss  mit dem Naturschutz abgestimmt werden“, sagt Frantz, die aber davon ausgeht, dass das Projekt im kommenden Jahr realisiert werden kann. Doch auch ohne Kiosk biete der Parcours bereits jetzt „eine Freizeitaktivität mit wenig Belastung für die Natur und hohem Mehrwert“.  pst / Foto: Jürgen Holzwarth


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Stadt hält an Großprojekten fest

Im Ostfilderner Haushalt 2021 tut sich ein Loch von 14 Millionen Euro auf – Massive Verschuldung unausweichlich

Die Zeiten von Überschüssen und Schuldenabbau sind in Ostfildern erst einmal vorbei. Wegen massiver Einnahmeverlusten, hervorgerufen durch die coronabedingte Wirtschaftskrise, muss die Stadt in den kommenden Jahren den Gürtel enger schnallen. Bis auf einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag von rund zwei Millionen Euro werden nach den Plänen der städtischen Kämmerei die Rücklagen, die Anfang dieses Jahres noch 33,3 Millionen Euro betragen haben, 2021 aufgebraucht sein. Gleichzeitig wird man an einer erheblichen Neuverschuldung nicht vorbeikommen. Finanzbürgermeister Rainer Lechner nannte die mächtige Zahl von 30 Millionen Euro, als er vor wenigen Tagen im Gemeinderat den Entwurf für den Haushalt 2021 vorstellte. Ob diese Summe tatsächlich gebraucht wird, steht auf einem anderen Blatt. Trotz dieser schweren Hypothek will die Verwaltung an den geplanten Investitionen für die beiden Großprojekte, den Ersatzbau für die Sporthalle 1 und die Modernisierung der beiden Gymnasien, festhalten.

Wie ist die aktuelle Finanzsituation?

Ganz so schlecht, wie noch im Sommer prognostiziert, ist die Finanzlage der Stadt nicht. Vor allem wegen des dramatischen Einbruchs bei der Gewerbesteuer war man bislang von einem Jahresdefizit von 6,7 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt spricht die Kämmerei von einem Minus von 4,2 Millionen Euro. 

Was sind die Eckpunkte des Etats 2021?

Ausgaben von 113,6 Millionen Euro stehen Erträge von lediglich 99,2 Millionen Euro gegenüber. Dieses Loch von 14,4 Millionen Euro will man durch Grundstücksverkäufe im Scharnhau­sener Baugebiet „Ob der Halde“ um 5,3 auf 9,1 Millionen Euro verringern. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2009/2010 hatte der Jahresverlust knapp zwölf Millionen Euro betragen. Das Investitionsvolumen liegt bei 16,6 Millionen Euro, dafür ist eine Kreditaufnahme von zehn Millionen Euro erforderlich.

Mit welchen Einnahmen ist im nächsten Jahr zu rechnen?

Mit 13,5 Millionen Euro sind die Gewerbesteuer-Einnahmen außerordentlich niedrig angesetzt. Dieser Wert liegt um satte 11,7 Millionen Euro unter dem bisherigen Spitzenwert von 25,2 Millionen Euro aus dem Jahr 2019. Während dieses Jahr der Pro-Kopf-Zuschuss des Landes bei 1450 Euro liegt, kalkuliert die Verwaltung für 2021 nur mit 1400 Euro. 2022 dürfte der Wert auf 1380 Euro zurückgehen.

Wie entwickeln sich die Ausgaben?

Den größten Posten bei den Ausgaben in Höhe von 113,6 Millionen Euro machen die Transferaufwendungen, Zahlungen, die die Kommune an andere zu leisten hat, mit 46,4 Millionen Euro aus. Gleich danach kommen mit 38,1 Millionen Euro die Personalkosten. Die Erhöhung um 2,4 Millionen Euro wird auch mit 16 neuen Stellen begründet, wovon zwölf für die Kinderbetreuung sind. Bei den Sachkosten erwägt die Verwaltung eine neuerliche Teilhaushaltssperre von 15 Prozent.

Was sind die größten Investitionen?

Im Bereich Bildung und Betreuung fallen diese Investitionen an: 3,95 Millionen Euro für die Sanierung der Gymnasien, 1,25 Millionen Euro für Sanierung und Brandschutz an der Wasen­äckerschule Scharnhausen, 500 000 Euro für Umbau und Brandschutz an der Schule im Park. Für den Ersatzbau für die Sporthalle 1 wird eine erste Rate von vier Millionen Euro fällig. Weitere größere Investitionen: 940 000 Euro Breitbandausbau, 620 000 Euro Sanierung der Hindenburgstraße in Nellingen, 564 000 Euro Ortskernsanierung Kemnat I, 530 000 Euro  Erneuerung der Senefelder- und der Max-Eyth-Straße, 500 000 Euro Erneuerung des Kunstrasenplatzes in Nellingen.

Wie entwickeln sich die Schulden?

Der Schuldenberg wird massiv wachsen. Für 2021 und 2022 ist ein Kreditrahmen von jeweils elf Millionen Euro geplant, für die beiden Folgejahre jeweils vier Millionen Euro.  hf / Foto: Ines Rudel


Breit gefächerte Kundschaft

Die Mobile Tafel in Wernau versorgt seit zehn Jahren  Menschen mit kleinem Einkommen mit Lebensmitteln

Seit zehn Jahren öffnet die Mobile Tafel in Wernau immer donnerstags ihre Tür für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Sie bekommen dort gute Lebensmittel zum günstigen Preis. Gleichzeitig finden Lebensmittel, die im Supermarkt aussortiert wurden, so noch eine Verwendung.

Im April 2010 öffnete die Mobile Tafel in Wernau zum ersten Mal. Treibende Kräfte waren der damalige katholische Pfarrer Wolfgang Schrenk und die Wern­auerinnen Ulrike Mack-Landhäußer und Gabriele Rauer. Sie fanden im Carisatt-Laden in Esslingen den idealen Partner. Dort werden die Lebensmittel bei verschiedenen Spendern eingesammelt, dann sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Immer donnerstags fährt ein Transporter nach Wernau und nach Wendlingen, um die dortigen Ausgabestellen zu bestücken. Einige Stunden später kommt er wieder vorbei und nimmt Übriggebliebenes wieder mit. Ergänzend nehmen die Ehrenamtlichen vor Ort aber auch weitere verpackte und haltbare Lebensmittel von Bürgern an, außerdem steuert die Bäckerei Hunn frische Backwaren bei.

Drei Freiwilligenteams, geleitet von Heike Benske, Helga Krause und Bernhard Boos, wechseln sich mit dem Betrieb der Mobilen Tafel in Wernau ab. Sie wissen nie genau, was der Transporter am jeweiligen Tag mitbringt. Aber kistenweise Gemüse und Obst sind immer dabei, auch Kartoffeln und Brotwaren sowie verpackte Sachen wie Milchprodukte, Reis, Zucker oder Konserven. Die Ware  kostet maximal ein Drittel des handelsüblichen Preises, oft  deutlich weniger. Gelegentlich kaufen die Ehrenamtlichen auch etwas dazu, was nur selten unter den gespendeten Waren ist – das ist dank der Geldspenden, die die Mobile Tafel bekommt, zum Glück möglich. Auch Dinge wie Schulranzen oder -mäppchen oder Schoko-Nikoläuse können die Helferinnen und Helfer immer mal wieder günstig auftreiben.

Ihre Kundschaft ist breit gefächert, Rentenbezieher, Alleinerziehende, Geflüchtete gehören dazu. Rund 60 Personen in der Stadt werden von der Mobilen Tafel versorgt, die Zahl der Bedürftigen und Berechtigten dürfte aber noch deutlich größer sein. Voraussetzung für den Einkauf ist ein Berechtigungsausweis, der gegen den Nachweis des geringen Einkommens direkt vor Ort in der Mobilen Tafel ausgestellt wird. Zur Zeit des großen Flüchtlingszuzugs war der Andrang weitaus größer als aktuell, damals haben die Teams ein System entwickelt, das einen geordneten Ablauf garantiert: Eine halbe Stunde vor Öffnung der Tafel ziehen die Anwesenden Nummern, die nach dem Zufallsprinzip die Einkaufsreihenfolge regeln. Das wird akzeptiert und ist auch jetzt in der Corona-Zeit hilfreich.

Während der Hochphase der Pandemie im Frühjahr musste die Mobile Tafel mehrere Wochen lang schließen. Denn damals wurden die Supermärkte und Discounter nahezu leergekauft, für die Tafeln blieb nicht genug übrig. Mitte Mai konnte dann die Ausgabestelle in Wernau wieder öffnen. Auf ihren 25 Quadratmetern Verkaufsfläche gelten strenge Corona-Regeln: Nur drei Freiwillige sind gleichzeitig im Laden und tragen Mund-Nasen-Schutz, ebenso wie die Kunden, die einzeln eingelassen werden. Das dient auch dem Schutz der Ehrenamtlichen, von denen die meisten zur älteren Generation gehören. Die eingespielten Teams, die den Verkauf vor- und nachbereiten, Berechtigungsausweise ausstellen und den Kontakt zur Kundschaft haben, sind die tragenden Säulen der Tafel – ohne sie gäbe es diese Einrichtung nicht.  aia / Foto: Stadt Wernau


„Kunstwerk in Sachen Bücher“

Stadtbücherei Esslingen: Planungen werden konkret – Bürgerbeteiligung angedacht – Interimslösung auf dem Weg

Weitere Schritte auf dem Weg zur erweiterten und modernisierten Stadtbücherei in Esslingen sind getan.  Der Gemeinderat hat die Beauftragung der Architektenleistungen beschlossen, die Architekten haben ihren Siegerentwurf der Öffentlichkeit vorgestellt und den Prozess der Feinabstimmung angestoßen, zudem ist  die Interimsunterbringung der Bücherei  auf den Weg gebracht.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir uns für den besten Entwurf entschieden haben“, sagte  Esslingens Baubürgermeister  Wilfried Wallbrecht. „Er besticht durch Ideenreichtum und Sensibilität.“ Die   Architekten Kai Bierich und Urs Klipfel vom Büro agn Niederberghaus und Partner GmbH aus Ibbenbüren waren in der vergangenen Woche eingeladen,  ihre Ideen der Öffentlichkeit vorzustellen und Bürgerfragen zu beantworten.

Der Entwurf des Büros aus Ibbenbüren, das auch eine Niederlassung in Ludwigsburg hat,  hatte zu Beginn des Jahres das 15-köpfige Preisgericht überzeugt, da der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelungen sei, dem Denkmalschutz Rechnung getragen werde und eine, wie es damals hieß, überraschend einfache Lösung angeboten werde. „Bei uns überwiegt die Lust am Denkmal“, stellte Klipfel klar. Das Büro hat sich auf die Sanierung und Gestaltung von  denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiert. Als ein  Beispiel verwies  Klipfel auf das Stuttgarter Stadtarchiv in Bad Cannstatt, das sein Büro ebenfalls saniert hat. Sein Kollege Kai Bierich sieht   Bibliotheken nicht als einen „reinen  Ort zur Aufbewahrung von Schriften“, sondern eher als ein „Gesamtkunstwerk in Sachen Bücher“.

Der  Entwurf  des Büros agn sieht zwei klar strukturierte Baukörper vor, die sich im engen Bereich zwischen Heugasse und  Webergasse entlangschmiegen und Raum für  den gestiegenen Flächenbedarf der neuen Stadtbücherei schaffen. Das Gebäude, in dem die Kinderbücherei untergebracht ist, die sogenannte Nanzhalle, wird  abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Dessen Dach soll aus Kupfer sein und damit die ursprüngliche Ziegelfarbe aufnehmen.

Der Innenhof der Stadtbücherei  soll frei von Bebauung und weiter der beliebte Aufenthaltsort bleiben.  

Im Innern besticht der Entwurf durch lichte, leichte und moderne Verbindungen mit Sichtbezügen von und zu den einzelnen Ebenen. Auf jeder Ebene sollen die Besucher barrierefrei rundherum laufen können. Foyer und Café bleiben die zentralen Anlaufstellen, um die Stadtbücherei zum „   Dritten Ort“ nach Wohnung und Arbeitsplatz  zu machen.

Spielzonen für Kinder sind geplant, ebenso wie Einzelplätze und Gruppenplätze – sie heißen Makerspace  – zum Lernen. Eine breite Treppe verbindet Ebenen und lädt zum Sitzen und Lesen ein. Ein Veranstaltungsraum ist im Dachgeschoss untergebracht,  er kann knapp unter 200 Personen beherbergen.

Spannend werden die Grabungen im Untergeschoss, wo Historiker die Reste einer Jesuitenkapelle verorten. Über die möglichen Funde wollen Bierich und Klipfel  eine gläserne Brücke spannen und so die Relikte der Vergangenheit in die Gegenwart transportieren.

Bürger regten bei der Vorstellung der Pläne im Neckar Forum an, Betonflächen zu vermeiden und auch die Verhältnisse vor der Bücherei barrierefrei zu gestalten. Weiter geht die Bürgerbeteiligung mit einem  Expertengremium aus mehreren Bereichen,  Lesern und Nutzern der Bibliothek. Ende 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen. Wallbrecht rechnet mit einer Bauzeit von rund vier Jahren, abhängig auch von den  Funden im Untergeschoss.

Die temporäre Unterbringung der Bücherei ist geregelt: Sie zieht ins Gebäude der Stadtwerke Esslingen in der Weststadt, sobald deren Neubau in der Fritz-Müller-Straße  fertig ist. Bürgermeister Wallbrecht stellte noch eine innerstädtische „Filiale“ der Bücherei mit einem kleinen Café in Aussicht. Man sei dabei, sich in der Altstadt nach geeigneten Räumen umzusehen.  bob / Foto: bul


Saison mit vielen Fragezeichen

Die Zweitliga-Basketballer der Kirchheim Knights stehen in Corona-Zeiten vor einer außergewöhnlichen Runde

Es sind herausfordernde Zeiten, auch oder gerade im Spitzensport. Dies lässt sich etwa im Basketball ablesen. Nach Auftreten der Corona-Pandemie wurde in Deutschland die Zweitliga-Saison abgebrochen. Nach einigen Turbulenzen schicken sich Liga und Vereine nun an, in eine neue Runde zu starten. Es ist  ein Experiment. Wie es ausgeht? Unsicher. Und doch sind sie auch bei den Kirchheim Knights wieder heiß auf Sport – unter ungewohnten Bedingungen, mit zusätzlichen finanziellen Risiken, aber mit Zuversicht und Ehrgeiz.

Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt macht sich nichts vor: „Wir müssen uns auf eine unruhige Saison einstellen.“ Dies bezieht er auf die Rahmenbedingungen in Corona-Zeiten, selbst ein Saisonabbruch sei nicht auszuschließen.  Zunächst darf aber wahrscheinlich mit Zuschauern gestartet werden. Für die Knights geht es am Samstag, 17. Oktober, mit einem Heimspiel gegen Science City Jena  los (19 Uhr). 300 bis 350 Zuschauer dürften mit gebührendem Abstand und bei Einhaltung des Hygienekonzepts in die Sporthalle Stadtmitte – etwa ein Fünftel der eigentlichen Kapazität. Angesichts der aktuellen Entwicklung könnte es sogar Spiele ohne Zuschauer geben. Da sich der Kirchheimer Zweitligist in wesentlichem Umfang über Ticketerlöse finanziert, wird die Krux klar. Auch die Einnahmen aus dem Catering werden fehlen. „Wir haben wirtschaftlich sehr konservativ agiert und gehen davon aus, einigermaßen durchzukommen“, sagt  Schmidt.

Nach dem Abbruch der vergangenen Saison war der Verein auf staatliche Corona-Soforthilfe angewiesen, Geschäftsstellen-Mitarbeiter und die Trainer  mussten in Kurzarbeit. Die hat zum Saisonstart nun ein Ende. Und auch die Mannschaft ist gleich voll gefordert, schließlich zählt Schmidt Jena neben Rostock und Bremerhaven zum Favoritenkreis. Wobei auch hier Unsicherheit mitschwingt. „Die Kräfteverhältnisse haben sich wegen Corona verschoben.“

Auf ein konkretes Saisonziel der Knights will sich der Geschäftsführer nicht festlegen, doch Zuversicht ist zu erkennen: „Wir haben ein richtig starkes Team auf die Beine gestellt.“ Wobei bei Redaktionsschluss noch eine Position vakant war. Nachdem Spielmacher Nico Brauner nach einem Mittelfußbruch wohl noch bis Anfang Dezember ausfallen wird, sind die Knights  auf der Suche nach einem Ersatz. Laut Schmidt wird es ein junger, talentierter, deutscher Spieler.

Nicht nur im Kader gab es viel Bewegung, auch an der Seitenlinie steht ein Neuer: Trainer Igor Perovic kam aus Elchingen und hat Bundesligaerfahrung. „Er hat einen exzellenten Ruf, Spieler individuell weiterzubringen“, sagt Schmidt. Perovic zur Seite steht Co-Trainer Brian Wenzel.

Mit Brauner, Tim Koch, An dreas Nicklaus, Till Pape, Mirsad Haziri, Kevin Wohlrath und Andreas Kronhardt stehen einige bekannte Gesichter im Kirchheimer Kader. Neu dabei sind Kyle    Leufroy, Karlo Miksic, Jalen Fouda und Tidjan Keita. Kurzfristig ist auch Max Mahoney zum Team gestoßen. Der Center ersetzt den eigentlich für diese Position vorgesehenen Ed Morrow, der nach diagnostizierter schwerer Knieverletzung wieder in die USA zurückgekehrt ist.

15 Mannschaften treten in der zweiten Basketball-Bundesliga an – eine unter der Sollstärke und zwei weniger als in der Vorsaison. Während Chemnitz aufgestiegen ist, gab es aus der Bundesliga keine Absteiger. Und Schalke 04 hat sein Team wegen finanzieller Probleme zurückgezogen. Nun rechnet Schmidt mit nur einem Zweitliga-Absteiger. Doch mit dem Abstieg wollen die Knights nichts zu tun haben. Trotz aller Zurückhaltung: Ein Play-off-Platz ist im Bereich des Möglichen. Doch im sportlichen Wettstreit galt schon immer: Ausgang ungewiss.  ch / Foto: Tanja Spindler