Keine Stromtankstellen in Altbach

Gemeinderat gibt erneut einem Energieanbieter einen Korb – Nachbargemeinden gehen einen anderen Weg

Es bleibt beim Nein: Auch das zweite Vertragsangebot eines Energieanbieters für zwei E-Ladesäulen wurde vom Altbacher Gemeinderat mit großer Mehrheit abgelehnt. „Das Ergebnis ist nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte der Bürgermeister Martin Funk über einen Vertragsentwurf der Esslinger Stadtwerke (SWE). Zuvor hatte der Gemeinderat bereits beschlossen, ein Vertragsmodell der EnBW nicht weiter zu verfolgen. Die Krux bei beiden Verträgen ist, dass die Gemeinde das Geschäftsmodell der Energieversorger finanziell hätte bezuschussen müssen. „Es geht ums Geld“, brachte es Funk auf den Punkt.
Der Vertragsentwurf der SWE sah vor, dass Altbach die Ladesäulen für insgesamt knapp 46 000 Euro kauft. Fördermittel in Höhe von 10 800 Euro je Ladestation waren schon zugesagt. Zusätzlich hätte sich die Gemeinde an den Wartungs- und Instandsetzungskosten beteiligen sollen. Eine Versicherung hätte knapp 178 Euro jährlich gekostet. Unter dem Strich rechnete die Kommune mit einem Zuschussbedarf von 4500 Euro pro Jahr.
Geld aus dem Stromverkauf an den E-Ladesäulen wäre laut Verwaltung im Gegenzug nicht in die Gemeindekasse geflossen. Angesichts dieser Bedingungen lehnte eine große Mehrheit des Gemeinderates das SWE-Angebot ab. „Im Moment bleibt zu viel bei uns als Gemeinde hängen“, meinte der CDU-Fraktionschef Michael Euchenhofer. Die CDU hatte im Jahr 2020 beantragt, das Aufstellen von E-Ladesäulen in Altbach prüfen zu lassen. Falls sich die Bedingungen änderten, könne das Thema in Zukunft erneut aufgegriffen werden, sagte Euchenhofer nun.
In den Nachbarorten Altbachs gibt es bereits öffentliche Ladesäulen. „Für mich sind öffentliche Ladesäulen ein wichtiger Standortfaktor, um durch E-Ladesäulen für die Kunden den Handel und die Gastronomie zu stärken“, sagt der Plochinger Bürgermeister Frank Buß. An sechs Standorten gibt es dort seit dem Jahr 2018 insgesamt zwölf Ladepunkte, deren Nutzung sich bis Oktober 2021 teils mehr als versiebenfacht hat. Die Stadt zahlt eine monatliche Gebühr von 69 Euro an die EnBW, die Einnahmen aus dem Stromverkauf werden geteilt.
In Deizisau erhält die Gemeinde eine Rückvergütung für die Ladevorgänge. Allerdings sei die Rückvergütung nicht kostendeckend, räumt der Bürgermeister Thomas Matrohs ein. Unter dem Strich kosteten die zwei Ladesäulen die Gemeinde in jedem Jahr einen mittleren vierstelligen Betrag für Unterhaltung, Abschreibung und Weiteres. „Dieser Betrag könnte noch minimiert werden, wenn noch mehr Ladevorgänge dazukommen“, sagt Matrohs. Trotz der Bezuschussung stehe das Rathaus hinter der Infrastruktur, die der Elektromobilität einen weiteren „Anschub“ geben solle.
In Esslingen gibt es 21 öffentliche Ladesäulen. „Hauptantrieb des Ausbaus im Jahre 2013 war der Carsharing-Anbieter Car2go. Damit wollte die Stadt Esslingen die Antriebs- und Verkehrswende unterstützen“, erinnert sich Jessica Waibel vom Stadtplanungsamt. Inzwischen bereitet die Stadt die Ausschreibung weiterer Standorte für Ladestationen vor. Nun soll sich der Kostenanteil der Stadt aber auf den Verzicht von Sondernutzungsgebühren beschränken. Alle weiteren Kosten sollen von den Betreibern getragen werden.
In Wernau werden derzeit zwei öffentliche Ladesäulen betrieben, zwei weitere sollen bald in einem Neubaugebiet hinzukommen. Für die vorhandenen Säulen bezahlt die Stadt laut Patrick Klein, Amtsleiter des Stadtbauamtes Fachbereich Tiefbau, 600 Euro jährlich als Betriebskostenpauschale an die Netze BW. Der Stromverkauf-Erlös geht an den Betreiber.
In Hochdorf wird die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut. Drei öffentliche Flächen stellt die Gemeinde dafür dem örtlichen Ingenieurbüro für Photovoltaik und Energieeffizienz von Bastian Zinßer als Betreiber der Stationen zur Verfügung. Seit dem Jahreswechsel 2020/2021 betreibt Zinßer bereits zwei öffentlich nutzbare Ladestationen. Dazu plant die Verwaltung zwei zusätzliche kommunale Ladestationen, Partner ist hier die Netze BW/EnBW.

bra/eis / Foto: Ines Rudel


Alte Gebäude müssen weichen

Auf dem Hirsch-Areal in Hochdorf entstehen 20 Wohneinheiten – Differenzen um Ausgestaltung der Mehrfamilienhäuser

Oft wurde debattiert, jetzt ist es beschlossene Sache: Das frühere „Hirsch-Ensemble“ in der Kirchheimer Straße 44 bis 48 in Hochdorf, vis-à-vis der alten Schmiede, des Rathauses und der Martinskirche samt Pfarrhaus und Pfarrscheuer gelegen, wird abgerissen. An seiner Stelle entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohneinheiten samt Tiefgarage mit 19 Stellplätzen und weiteren acht Außenstellplätzen an der Straße. Die zugehörigen Grundstücke sind verkauft.
Neuer Wohnraum wird benötigt. Ob man dafür aber immer neu bauen muss oder doch lieber den Bestand saniert, ist umstritten. Ende November vergangenen Jahres hatte sich ein Experte die Bestandsgebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Landesstraße eine Sanierung ausgeschlossen. Ebenso die Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG). Und doch herrscht im aktuellen Fall im Gemeinderat Uneinigkeit, vor allem bei der Frage, ob sich die beiden Neubauten ins historische Ortsbild einfügen.
Bereits 2016 wurde über eine Neubebauung des Areals diskutiert. 2021 legte der jetzige Bauherr, die Hartmut Fischer Planbau GmbH aus Deizisau, eine Bauvoranfrage vor, die sich an der 2016er-Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks orientierte. Der Gemeinderat erteilte mehrheitlich das Einvernehmen. Zugestimmt hatte auch die Baurechtsbehörde des Esslinger Landratsamts. Einige Anregungen hat der Bauherr in seinen aktuellen Bauantrag eingearbeitet. So entfallen laut Bürgermeister Gerhard Kuttler die vormals geplanten Gauben zur Straßenseite hin, was das Gebäude weniger wuchtig wirken lasse. An der Fassade wurde im Untergeschoss ein Klinkervorsatz eingeplant, „das lockert die Bebauung auf und sie passt sich dem Bestand an“. Die Ausfahrt aus der Tiefgarage und von den Außen-Stellplätzen auf die Landesstraße sei von der Straßenverkehrsbehörde aufgrund des geltenden Tempo 30 als unbedenklich eingestuft worden.
„Trotz aller Anpassungen und der Tatsache, dass so etwas immer Geschmackssache ist, finden wir als Fraktion nicht, dass die beiden neuen Gebäude in die Ortsmitte passen. Die Parkplätze in der Tiefgarage sind auch schwierig anzufahren“, sagte Beate Schmid (SPD). „Überhaupt nicht gut gelöst“ findet die Parksituation Birgit Wiesenhütter (Die.Mitte). Ihr Fraktionskollege Thomas Zinßer stimmte zu: „Statt der Stellplätze an der Straße sollte man eher den Gehweg aufweiten, begrünen und die ganze Anlage noch weiter nach hinten rücken, um den Blick auf die historische Umgebungsbebauung richtig freizugeben.“ Das sah Kai Liebermeister (Grüne) anders. Beim Thema „Ortsbildprägend“ gehe es nicht nur um die Gebäudeansicht. Statt an der Straße künftig alles mit Autos voll zu stellen, sollte man auch die Neubauten an die Straße anpassen. Karsten Rößler (SPD) erinnerte einmal mehr an die festgelegten Leitbilder im Ortsentwicklungskonzept, mit welchem das historische Ortsbild gesichert und weiterentwickelt werden soll: „Dieses alte Ensemble ist mit der Umgebungsbebauung ortsbildprägend. Wir müssen unsere gesetzten Ziele besser umsetzen.“
CDU, Freie Wähler und Verwaltung standen hingegen zu der geplanten Neubebauung. „Das ist alles schöner, als es aktuell aussieht, und die Stellplätze sind teils durch eine Hecke gar nicht sichtbar,“ bemerkte Markus Krämer (CDU). Als „folgerichtigen Schritt in die Zukunft“ bewertete Bürgermeister Gerhard Kuttler das Bauvorhaben. Mehrheitlich erteilte der Gemeinderat dem Bauantrag letztlich das kommunale Einvernehmen.

eis / Foto: Katja Eisenhardt


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Die Fußball-WM in Katar steht in der Kritik: Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe und Menschenrechtsverletzungen werden genannt. Schauen Sie trotzdem WM-Spiele?

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Esslinger Karstadt im Würgegriff

Situation für das Kaufhaus spitzt sich zu – Konzern kündigt Schließung von 40 Filialen an

Lange hieß es, die Esslinger Karstadt-Filiale zähle zu den umsatzstärksten der Region. An ihr und ihren Mitarbeitenden liegt es also mutmaßlich nicht, wenn der Konzern wieder einmal insolvent ist. Bisher hat Esslingens einziges Warenhaus alle Standortdiskussionen überlebt – ob es nun Hertie, Karstadt oder Galeria hieß. Doch jetzt scheint es so gut wie keine Hoffnung zu geben, dass das Kaufhaus in der Bahnhofstraße nicht zu den 40 Filialen gehört, von denen sich der Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof trennen will.
Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es freilich nicht. „Über einzelne Standorte, die jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung und Analyse sind, können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen“, blieb Konzernsprecherin Franziska Linnemann schmallippig. Es bräuchte ein Wunder, wenn der Esslinger Einzelhandel weiterhin auf seinen Kundenmagneten bauen könnte. Die Gefahr für die 80 Mitarbeitenden (Stand Mai 2022) kommt nicht nur aus Essen: Mitte Mai hatte der Eigentümer und Investor BPI Esslingen dem Kaufhaus gekündigt.
Er wolle bei der Weiterentwicklung von Parkhaus und Kaufhausgebäude nicht mehr auf Karstadt setzen, ließ BPI-Geschäftsführer Tom Walsh verlautbaren. Die Gespräche seien gescheitert, Karstadt blockiere die Entwicklung. Was die Esslinger Karstadt-Chefin Gabriele Post bestritt: Der Investor wolle sie aus ihrem Mietvertrag drängen, obwohl der bis Mitte 2026 mit Option bis 2036 laufe. „Wir möchten das Warenhaus nach unserer Strategie Galeria 2.0 ausbauen. Neben einer Verbesserung in der Warenpräsentation würde das Haus modernisiert“, so Post damals. Auch in der Konzernzentrale äußerte man sich „rundum zufrieden“ mit dem Standort. Bis vor wenigen Tagen sah es so aus, als ob die Zukunft des Hauses am 18. November vor Gericht geklärt werden würde, wo der Mietstreit verhandelt werden soll.
Beim jüngsten Versuch, den Karstadt-Parkplatz zu überbauen und das Kaufhausgebäude weiterzuentwickeln, handelt es sich um den dritten Anlauf, das innerstädtische Filetstück zwischen Bahnhof-, Martinstraße und Ehnisgasse weiterzuentwickeln. Lag der Fokus zu Beginn der Planungen vor zwölf Jahren auf dem Einzelhandel und einer Ladenpassage, hat die Investorenseite auf die Entwicklungen im Einzelhandel reagiert und den Schwerpunkt auf Wohnungen verlagert. 160 neue Wohnungen sollen auf dem Parkplatz und in den Obergeschossen des Kaufhauses entstehen, zudem gebe es auf 10 470 Quadratmetern „im Bestandsgebäude“ Platz für Läden und Büros sowie auf 1800 Quadratmetern in den Neubauten, schrieb BPI im Juli in einer Anzeige.
Von Karstadt war keine Rede mehr. Dabei war der Gemeinderat dem Investor beim Bebauungsplanverfahren weit entgegengekommen – obwohl es massive Kritik an der Höhe und Dichte der geplanten Bauten gegeben hatte. Dennoch musste BPI nur kleine Abstriche machen. Mit dem Ja des Gemeinderats hatten die Verwaltungsspitze um den damaligen OB Jürgen Zieger und der Gemeinderat die Erwartungen verbunden, Karstadt vor Ort halten zu können. Rechtlich festgeschrieben war das nicht.
Der Stadt sind die Hände gebunden. Aber es gibt noch keine Baugenehmigung. Das Baugesuch sei „unter anderem wegen Brandschutz und nachbarschaftlichen Einwendungen nicht genehmigungsfähig“, hieß es aus dem Rathaus.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Dicke Luft unter dem Rathausdach

In Lichtenwald streiten Gemeinderat und Bürgermeister – Räte wollen Rechte des Rathauschefs beschneiden

Im Lichtenwald herrscht erneut dicke Luft. Bereits seit einigen Monaten verlangt der Gemeinderat von Bürgermeister Ferdinand Rentschler, Beschlüsse zur Änderung der Hauptsatzung sowie zur Neugestaltung der Homepage umzusetzen. Doch der Verwaltungschef weigert sich – weil die Beschlüsse des Gremiums aus seiner Sicht nicht rechtmäßig sind. Bei dieser Einschätzung blieb Rentschler auch, nachdem die Kommunalaufsicht im Esslinger Landratsamt die Sichtweise der Gemeinderäte bestätigt hatte. Die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker blockieren nun im Gegenzug die Verabschiedung des Jahresabschlusses der Gemeinde. Der Streit ist festgefahren, neuerdings steht sogar eine Klage im Raum.
Im Kern geht es darum, dass der Gemeinderat die Handlungsspielräume des Bürgermeisters einschränken will. Auf Antrag zweier Fraktionen hatte das Gremium im Frühjahr beschlossen, dem Rathauschef nicht mehr zu erlauben, Vorkaufsrechte für Grundstücke in der Gemeinde bis zu einem Wert von 7500 Euro selbstständig auszuüben. Damit sollten derartige Geschäfte der Kontrolle durch den Rat unterworfen werden. Rentschler widersprach dem Beschluss formell mit dem Hinweis, dass es sich bei diesen Vorgängen um „Geschäfte der laufenden Verwaltung“ handle. Bis dato weigert er sich, den Beschluss umzusetzen.
Ein weiterer Streitpunkt hat weniger grundsätzlichen, dafür aber hohen symbolischen Charakter, weil er die Außendarstellung der Schurwaldgemeinde betrifft. Dabei geht es um den Internetauftritt der Kommune. Nach dem Willen der Räte sollte ein professionelles Büro mit der Entwicklung einer neuen Homepage beauftragt werden, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Dafür waren 40 000 Euro im Gemeindehaushalt reserviert. Auch gegen diesen Beschluss legte Rentsch­ler Widerspruch ein. Die Verwaltung übertrug auf Betreiben des Bürgermeisters stattdessen einem gemeinnützigen Verein die Aufgabe, die Internetseite kostenlos zu gestalten und einzurichten. Den Rat informierte er darüber zunächst nicht. Rentsch­lers Vorgehen löste Befremden und schwere Verstimmungen aus, Ratsmitglieder sprachen von einer als „unkooperativ und provokativ“ empfundenen Amtsführung. Der Bürgermeister missachte das Gremium und sabotiere die ehrenamtliche Arbeit der Kommunalpolitiker.
Schließlich schalteten die Lichtenwalder Bürger-Liste und die Freien Unabhängigen Wähler die Kommunalaufsicht ein. Das Landratsamt positionierte sich klar: Beide Beschlüsse des Gremiums seien rechtmäßig und von der Verwaltung umzusetzen, die Widersprüche Rentschlers seien ohne Belang. Weil weiterhin nichts geschah, beschloss das Gremium in der September-Sitzung, dem Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 2021 die Zustimmung so lange zu verweigern, bis die Beschlüsse umgesetzt sind. Rentschler erklärte daraufhin, die Kenntnisnahme des Jahresabschlusses mit anderen strittigen Punkten zu verknüpfen, sei „völlig sachfremd“. Da Verwaltung und Rechtsbeistand bezüglich der Beschlüsse „eine dezidiert gegenläufige Rechtsauffassung“ hätten, werde „das weitere rechtliche Vorgehen“ geprüft.
In der jüngsten Sitzung wurde die Kenntnisnahme des Haushaltsabschlusses erneut vertagt, denn Rentsch­ler wiederholte, er sei „nicht bereit, die beiden Beschlüsse umzusetzen“. Auf eine Nachfrage aus dem Gremium erklärte er, die Verwaltung wolle „den Rechtsweg beschreiten“, denkbar sei „eine Feststellungsklage gegen den Gemeinderat“. Im Nachgang relativierte Rentschler: „Ob und in welcher Weise wir den Rechtsweg beschreiten, stimmen wir noch mit unserem Rechtsbeistand ab.“ Die Verwaltung bleibe bei ihrer Überzeugung, „dass Grundstücksgeschäfte kleinerer Art Geschäfte der laufenden Verwaltung sind, abhängig von Größe und Wert im Verhältnis zur Größe und Finanzkraft der Gemeinde“. Dies sehe auch der einschlägige Kommentar zur Gemeindeordnung so. „Wir teilen die Rechtseinschätzung des Landratsamts in der Sache nicht – zumal von dort die Widersprüche im Wesentlichen aus formalen Gründen zurückgewiesen wurden.“

pst / Foto: Peter Stotz


Das Publikum bleibt aus

In der Kulturszene grassiert ein massiver Besucherschwund – Vor allem kleinere Einrichtungen sind in Not

Ein Gespenst geht um in der Kulturszene – und ist natürlich unsichtbar: Es sind die nicht mehr vorhandenen Besucher. Betroffen sind alle Sparten und Genres: große Oper und kleiner Club, Kabarett und Konzert, Theater mit Menschen und Marionetten. Nur geht es bei den Kleinen eher um die Existenz. Die möglichen Gründe für den Publikumsschwund sind vielfältig: Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus; Entwöhnung von Live-Kultur durch lockdown-bedingte Massenmutation zu streamenden Couch-Potatoes; kein „Endlich vorbei“ nach der Pandemie, nur ein „Weiter so“ mit Endemie. Dank Wladimir Putin verbunden mit dem Angsttransfer zu apokalyptischen Atomkriegsszenarien und realistischen Energiepreisexplosionen.
Viele Ursachen, aber immer nur eine Wirkung, die Andreas Weiner vom Esslinger Literarischen Marionettentheater (Lima) unumwunden auf den Punkt bringt: „Die Besucherzahlen sind miserabel.“ Johannes Single vom Nürtinger Kulturclub Kuckucksei spricht von „massiven Einbrüchen“. Maren Weber vom Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße rechnet im Vergleich mit der Zeit vor Corona mit 50 bis 70 Prozent weniger Publikum. Florian Pfirrmann von der Halle Reichenbach stellt fest: „Es kommen deutlich weniger Leute, und kaum jemand kauft noch im Vorverkauf.“ Aus Sorge, die Band spiele vor leerem Raum, wurden einzelne Konzerte sogar abgesagt. Ähnliches berichtet Maren Weber. Pfirrmann beschreibt die Situation als Teufelskreis: „Wir haben höhere Nebenkosten und teurere Gagen für die Künstler, weil die zwei Jahre lang nichts verdient haben. Also müssen wir die Eintrittspreise erhöhen. Aber auch die Leute müssen mehr aufs Geld schauen, also bleiben sie weg. Und wir nehmen nichts ein.“
In der vergleichsweise großen Esslinger Landesbühne (WLB) stellt sich das Phänomen als „verhaltener freier Kartenverkauf“ und trotz einiger Neuzugänge unterm Strich als Verlust von rund 20 Prozent der Abonnenten dar, sagt die Verwaltungsdirektorin Vera Antes. Wie bei allen Theatern überwiegen auch bei der WLB die reiferen Semester in der Abonnentenschaft. „Die Kündigungen wurden fast alle mit dem Alter begründet“, sagt Antes. Sie geht aber davon aus, dass auch die Coronapausen als Theaterentwöhnungseffekt der Auslöser waren. „Im April und Mai dieses Jahres hatten wir noch einige ausverkaufte Vorstellungen“, berichtet sie. Doch schon vor den Ferien bröckelte das scheinbar wiedererwachte Interesse. An der WLB deutet man das als Zeichen allgemeiner Verunsicherung.
Aus Sicht des Kuckucksei-Geschäftsführers Single haben die Corona-Lockdowns „die Leute konditioniert, sich daheim Netflix oder Youtube reinzuhauen; und das wirkt jetzt nach“. Nicht einmal eine prominente Band wie „Guru Guru“ ziehe noch: „Früher war da das Ei zweimal voll, jetzt im Mai kamen gerade noch 75 Leute.“ Etwas andere Erfahrungen machte Maren Weber: „Die großen Namen laufen noch gut, bei unbekannteren Künstlern läuft nur noch wenig.“ Doch auch die Dieselstraßen-Geschäftsführerin spricht von einem durch Corona antrainierten „Rückzug ins Private. Vorher ist man zu einem Konzert gegangen, jetzt ist man zufrieden mit dem Spieleabend zuhause.“
Jedenfalls ist die Situation vor und hinter der Bühne mindestens so dramatisch wie auf ihr – in der Realität, nicht als Schauspiel. „Das Finanzierungsgefüge gerät aus dem Lot. Wir werden nicht so weitermachen können wie bisher“, sagt Weber. Sie hofft auf finanzielle Unterstützung, sieht allerdings die Einrichtungen auch in der Pflicht, neue Publikumsgruppen zu erreichen. Andreas Weiner vom Lima kritisiert, dass die Rückzahlung von Coronahilfen die Lage zusätzlich erschwere. Wenig hilfreich sei auch die Umstellung der Landesförderung von Fest- auf Fehlbeträge gewesen: „Da während Corona nicht gespielt wurde, sind die Fehlbeträge natürlich niedriger.“ Derweil graust ihm vor der Gasrechnung. Pfirrmann hofft für die Halle auf das nächste Frühjahr („dann sieht man weiter“), Single ist diese Hoffnung fürs Kuckucksei fast schon abhandengekommen: „Wenn es so weitergeht, haben wir im nächsten Jahr ein gewaltiges Problem.“ Nur im oftmals totgesagten Kino herrscht offenbar wieder heile Welt: ein „zweiter Frühling“, sagt Tobias Mattl von Lochmann Filmtheaterbetriebe, Inhaberfirma der Traumpaläste in Esslingen und Nürtingen. „Wir haben das Gefühl, unsere Gäste wollen im Kino in eine andere Welt abtauchen. Das geht zu Hause nicht.“

mez / Foto: Max Kovalenko


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Michael Wimmer ist seit wenigen Wochen Trainer des VfB Stuttgart, die erste Bilanz kann sich sehen lassen. Soll Interimstrainer Wimmer auch im neuen Jahr VfB-Coach bleiben?

Foto: dpa

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Entdeckungen des Bücherherbsts

Bei den Esslinger Literaturtagen Lesart stellen sich vom 6. November bis 3. Dezember 25 Autorinnen und Autoren vor

Ein Maßband ziert diesmal das Programmheft der Esslinger Literaturtage Lesart, und diese Titelillustration hat symbolischen Charakter: Zum 28. Mal geht das Festival über die Bühne, und was Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung vom 6. November bis zum 3. Dezember bieten, darf sich getrost messen lassen an der hohen Qualität, für die die Lesart steht. Dominique Caina sowie Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs und Kinderbücherei-Leiterin Bettina Lan­genheim zeichnen für das Programm verantwortlich, bei dem Jung wie Alt auf ihre Kosten kommen. 25 Autorinnen und Autoren stellen diesmal sich und ihre jüngsten Bücher in 33 Lesungen vor. Und sie laden ein zu einem ebenso unterhaltsamen wie erkenntnisreichen Spaziergang durch den aktuellen Bücherherbst.
Esslingens OB Matthias Klopfer verweist darauf, dass sich „die Lesart über fast drei Jahrzehnte einen herausragenden Ruf in der Literaturszene erarbeitet hat“. EZ-Chefredakteur Johannes M. Fischer sagt: „Nachdenken, kommunizieren und durchaus auch träumen – das ist das, was eine Gesellschaft zusammenhält und helfen könnte, Konflikte zu lösen.“ Unterstützt werden die Literaturtage von der Stiftung der Kreissparkasse und dem örtlichen Buchhandel.
Zum Lesart-Auftakt am 6. November rückt der Philosoph und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski nicht nur seine Biografie des Romantikers E. T. A. Hoffmann in den Fokus, Safranskis Gesamtwerk bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für einen spannenden Abend. Mit Rafik Schami stellt sich am folgenden Tag ein Autor vor, der sich einen Ruf als vorzüglicher Geschichtenerzähler erworben hat. Auch in den folgenden Wochen zieren große Namen das Programm: Katerina Poladjan (8. November), Heinrich Steinfest (16. November), Alex Capus (21. November) und Robert Menasse (2. Dezember) zählen zum Besten, was die deutschsprachige Literatur zu bieten hat.
Mit Yade Yasemin Önder (19. November) kommt eine der spannendsten Stimmen der aktuellen Literatur zu Wort, mit Volker Kutscher, der mit seinen Gereon-Rath-Krimis die Vorlage zur Fernsehserie „Babylon Berlin“ lieferte, wird am 23. November ein weiterer Hochkaräter erwartet. Mit Marie Gamillscheg (18. November), Fatma Aydemir (22. November) und Theresia Enzensberger (29. November) stellen sich weitere Autorinnen vor, die auch bei der Vergabe von Literaturpreisen oben auf der Rechnung waren. Mit Stefan Hornbach ist der aktuelle Bahnwärter-Stipendiat mit von der Partie (10. November), mit Krisha Kops am folgenden Tag ein vielversprechender Romandebütant. Die Sachbuchautoren Nora Bossong (15. November) und Nick Reimer (30. November) greifen aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf. Und wie immer beschließt das Literaturfest im Jazzkeller (3. Dezember) das Festival.
Für Kinder und Jugendliche hat Bettina Langenheim ein profiliertes Programm zusammengestellt, das öffentlich und auch in Kindergarten- und Schullesungen präsentiert wird: Markus Orths beweist am 9. November seine Qualitäten als Kinderbuchautor. Julya Rabinowich erzählt am 10. November von einer jungen Frau, die vor dem Krieg geflohen ist und sich nun in einer neuen Heimat zurechtfinden muss. Benjamin und Christine Knödler stellen am 13. November Jugendliche vor, die die Welt veränderten. Nils Mohl erzählt am 15. November von einem Roadtrip voller Liebe und Bücher, Lisa Rammensee lädt Bilderbuchfans am 22. November ins Kommunale Kino ein, und am 29. November entführt Lena Hach ihr junges Publikum in zauberhafte Welten.

Info: Eintrittskarten für das Abendprogramm können bei der Stadtinformation am Marktplatz sowie bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen und unter reservix.de erworben werden. Karten für das Literaturfest sind erst ab dem 21. November, 11 Uhr, erhältlich. Kinder- und Jugendveranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist unter lesart.esslingen.de erforderlich. Auch für Kulturpassinhaber ist der Eintritt kostenlos (Anmeldung unter Telefon 07 11 / 35 12 -23 37).

adi / Foto: Ines Rudel


Auf dem Campus wird gegraben

Baubeginn für Sporthalle mit Mensa ­in Reichenbach – Im Herbst 2024 soll das 17-Millionen-Euro-Projekt fertig sein

Schon seit Mitte August wurden neben der Brühlhalle in Reichenbach Leitungen verlegt, seit Freitag vergangener Woche buddeln die Bagger nun auch auf der Fläche beim Schulsportplatz, und die Baustelle ist abgesperrt. Die Reichenbacher hätten also auch ohne Spatenstich mitbekommen, dass es losgeht, aber die Gemeinde hat den symbolischen Baustart für eine kleine Feier genutzt. Schließlich handle es sich „um das größte Projekt, was das Volumen anbelangt, das wir jemals gebaut haben“, sagte Bürgermeister Bernhard Richter. Derzeit geht man von 17 Millionen Euro Kosten aus, was einem Jahresbudget der Gemeinde entspreche.
Bislang läuft alles nach Plan; das ist im Bausektor derzeit alles andere als selbstverständlich. 55 Prozent des Bauvolumens sind bereits vergeben, unterm Strich liege man damit „auf dem Preisniveau von 2020“, sagte der Rathauschef. In rund zwei Jahren soll der Neubau fertig sein. Die Gemeinde hat in jahrelanger Vorarbeit zusammen mit verschiedenen Fachbüros das jetzige Konzept entwickelt.
Ausgangspunkt war die Sportentwicklungsplanung im Jahr 2017, die bestätigte, dass eine zusätzliche Sporthalle gebraucht wird. Es folgte die Schulentwicklungsplanung, in der es neben Fachräumen auch um die Mensa ging: Hier zeichnete sich ebenso ab, dass man eine größere Lösung brauchen wird. In Schritt drei wurde eine städtebauliche Studie ausgeschrieben, wie all das auf dem Schul- und Sportcampus unterzubringen wäre. Dass die Sieger des Wettbewerbs, Zoll Architekten, auch beim Planerauswahlverfahren den Zuschlag erhielten, sei ein Glück, so Richter.
Gebaut wird eine zweiteilbare Sporthalle, die die alte Schulturnhalle auf dem Gelände ersetzen wird. Die Mensa, die anfangs als separater Bau vorgesehen war, ist in das Gebäude integriert. Das sei eine „perfekte Abrundung“, meinte Architekt Tom-Philipp Zoll, der den Bau als kompakt und schlicht, aber offen und einladend beschrieb. Sowohl im Inneren als auch mit der Umgebung ergäben sich zahlreiche Blickbeziehungen. Zur Brühlhalle hin entstehe ein Freiraumkorridor als neue Hauptachse, die vorgelagerte Parkplatzfläche sei mit Fahrradstellplätzen, Photovoltaik und E-Ladesäulen multifunktional.
Neben dem Gemeinderat und der Verwaltung waren auch die Schulen und die beteiligten Vereine in die Planung einbezogen; sie kamen in einem extra gegründeten Bauausschuss zusammen. Die reibungslose Zusammenarbeit habe dazu beigetragen, dass man schnell vorankam und Baugenehmigung wie auch Fördermittel beantragen konnte. Auch das Zusammenspiel zwischen der Kommune, den Architekten und den Projektsteuerern von Drees & Sommer lobten die Redner, man habe einen „durchweg respektvollen Umgang miteinander“. Alle miteinander einschließlich der schon aktiven Baufirmen griffen dann auch einträchtig zum Spaten.

aia / Foto: Karin Ait Atmane


Neuer Vorschlag für Brückenschlag

Die Esslinger Adenauerbrücke ist marode – Generalüberholung ist unausweichlich – Auch Neubau in der Diskussion

Günstig wird es nicht – so viel ist klar. Mit der Instandsetzung der maroden Adenauerbrücke wartet das nächste Mammutprojekt auf die Stadt Esslingen, die bereits Unsummen in die Erneuerung der anderen Neckarquerungen investiert hat. Und die Adenauerbrücke wird wohl alles toppen: Von einem dreistelligen Millionenbetrag geht man im Rathaus aus, um die Querung zwischen Oberesslingen und Berkheim fit für die Zukunft zu machen. Und zwar unabhängig davon, ob man sich für eine Sanierung im Bestand, einen Abriss und Neubau an gleicher Stelle oder aber für eine ganz neue Variante entscheidet, die die Stadt jetzt ins Spiel gebracht hat: einen Neubau unmittelbar neben der bestehenden Brücke.
Letztere hätte den unbestreitbaren Vorteil, dass der Verkehr während des voraussichtlich etwa fünf Jahre dauernden Neubaus weiter fließen könnte wie gewohnt. Zudem böte sich damit die Chance, die Verkehrsentwicklung der kommenden Jahrzehnte zu berücksichtigen, die Radverkehrsführung neu auszurichten und den Bahnhof Oberesslingen städtebaulich besser zu integrieren. So ist laut Uwe Heinemann, dem Leiter des Tiefbauamtes, angedacht, die neue Brücke östlich der bestehenden zu errichten und nicht über die Bahngleise in Oberesslingen hinwegzuführen, sondern durch einen Tunnel darunter.
Ob diese Überlegungen realisierbar sind – und wenn ja, in welcher Form –, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie zeigen. Das hat der Mobilitätsausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Bis 2024 soll die Studie fertig sein, dann will man die drei Optionen vergleichen. Neben einem Neubau seitlich der bestehenden Brücke stehen noch eine Generalsanierung wie bei der Vogelsangbrücke sowie ein Abriss und Neubau an gleicher Stelle wie bei der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zur Diskussion.
Allerdings würde eine Generalsanierung laut der Stadtverwaltung voraussichtlich drei bis vier Jahre dauern, teils starke Verkehrsbehinderungen mit sich bringen, bis zu 45 Millionen Euro kosten und die extrem marode Brücke maximal für weitere 25 Jahre nutzbar machen. Bei einem Ersatzneubau in gleicher Lage würde, wie bei der Schleyerbrücke, voraussichtlich nur der Überbau erneuert. Doch dieser hat eine Fläche von rund 15 500 Quadratmetern – die Schleyerbrücke nur 2500 Quadratmeter. Angesichts dessen sei mit mindestens fünf Jahren Bauzeit und Kosten von weit mehr als 100 Millionen Euro zu rechnen – inklusive mehrjähriger Vollsperrung. Gleichzeitig wären wesentliche Abweichungen von der bestehenden Brückengeometrie, etwa im Hinblick auf die angestrebte Verkehrswende, nicht möglich.
Nun muss die Adenauerbrücke aber erst einmal die Zeit bis zur Erneuerung überstehen. Einige Vorhaben sind laut der Verwaltung unausweichlich, damit sie die rund zehn Jahre bis zum anvisierten Start der Erneuerungsarbeiten standsicher bleibt. Immerhin rollen dort täglich rund 35 000 Fahrzeuge über den Neckar. So soll etwa im Frühjahr eine Stahlkonstruktion unter dem „Gerbergelenk“ errichtet werden, das zwei Brückenteile verbindet. Damit will man verhindern, dass die Brücke absackt, sollte das Gelenk versagen. Auch die Erneuerung des Brückengeländers, der Beleuchtung und des Fahrbahnbelags sei in den nächsten Jahren notwendig.
Der Mobilitätsausschuss zeigte sich offen für die Idee eines Brückenneubaus neben dem bestehenden Bauwerk, mahnte aber Einsparungen an. Zudem kam die Forderung, die Schurwaldgemeinden für eine Mitfinanzierung zu gewinnen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin