Abgestimmt

Am Samstag lief „Wetten, dass …“?  und   wurde ein Quotenhit. Das ZDF denkt nun über eine Fortsetzung nach. Gut so? Stimmen Sie hier ab.

Foto: dpa

Mehr „Wetten, dass...“?

  • Nein! (54% )
  • Ja! (46% )
Loading ... Loading ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Durch die Altstadtgassen

Am 7. November finden der Eßlinger Zeitung Lauf und der verkaufsoffene Sonntag statt

Am 7. November gibt es gleich doppelten Anlass, Esslingen zu besuchen: Vormittags findet der Eßlinger Zeitung Lauf um den Sport-Flöss-Pokal statt, ab 13 Uhr laden dann die Geschäfte zum verkaufsoffenen Sonntag.

Die Corona-Pandemie hatte im vergangenen Jahr auch dem EZ-Lauf das Aus beschert. Nachdem im Sommer das Bürgerfest – in dessen Rahmen der Volkslauf sonst immer stattfindet – erneut abgesagt worden war, suchten die Veranstalter von der TSG Esslingen und der Eßlinger Zeitung nach einer Alternative. Das Ziel: Endlich wieder gemeinschaftliches Laufen zu ermöglichen und ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Und tatsächlich, der Lauf durch die Altstadtgassen wird gestartet. Auch wenn der Termin im Herbst ungewöhnlich ist und nicht nur dies den Unterschied zu den vorausgegangenen 20 Ausgaben macht.

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung wurde ein Hygienekonzept erarbeitet. Das beinhaltet etwa, dass bei der persönlichen Abholung der Startunterlagen ein G-Nachweis (Geimpft, Genesen oder Getestet) vorgelegt werden muss.  Auch werden die Teilnehmerzahlen beim Hauptlauf (auf 1000) und den vier Bambiniläufen (auf jeweils 50, bei den beiden Läufen der 14/15er-Jahrgänge ist die Kontingentgrenze bereits erreicht) begrenzt. Bis zum Ende der Online-Anmeldung wurden im Hauptlauf rund 860 Starterinnen und Starter registriert, 140 Plätze sind demnach noch frei. Nachmeldungen – auch für die beiden noch freien Bambiniläufe und die drei Schülerläufe – sind nur am Samstag, 6. November, zwischen 11 und 15 Uhr möglich.

Zudem wird rings um das Schelztor ein Zuschauerbereich abgesperrt, der ebenfalls nur mit einem Nachweis für Geimpft, Genesen oder Getestet  betreten werden darf. Das Masketragen und Abstandhalten sind geboten. Eine Siegerehrung wird es vor Ort ebenso wenig geben wie den Verkauf von Speisen und Getränken an der Schelztorhalle.

Die ersten Bambini werden um 9 Uhr auf die Strecke geschickt, der erste Schülerlauf wird um 9.45 Uhr, der Hauptlauf über vier Runden à zweieinhalb Kilometer um 11 Uhr gestartet. Der Streckenverlauf wurde gegenüber vorausgegangenen Ausgaben in manchen Passagen geändert, Runden- und Gesamtlänge bleiben aber gleich. Start und Ziel sind nach wie vor in Bahnhof- und Schelztorstraße.

Am 7. November findet zudem der „Esslinger Herbst“ statt. Zum verkaufsoffenen Sonntag haben die Geschäfte  von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Zudem lockt die Gastronomie mit allerlei Köstlichkeiten. Und beim Herbstmarkt – bereits ab 11 Uhr  auf Markt- und Rathausplatz – gibt es herbstliche Genüsse, Kunsthandwerk und Antiquitäten. Auf dem Blarerplatz und dem Hafenmarkt kann man beim Floh- und Trödelmarkt schlendern, schauen und Schnäppchen machen. Schlienz Tours veranstaltet am Sonntag „Den anderen Tag der Reise“. In der Ritterstraße werden Reisebusse und -ziele präsentiert.

Die Geschäfte  in der Innenstadt haben zum „Esslinger Herbst“ Aktionen und Angebote initiiert. So flanieren etwa verzaubernde „Walking Acts“ durch die Straßen und Gassen. Bücher werden signiert, es gibt Kinderschminken, Gewinnspiele, Handarbeit mit Stoffen und Tüchern, Kunstaktionen, etliches mehr und natürlich Informationen und Beratung. An einigen Stellen wird musiziert, und auf der Inneren Brücke wird gespielt. Mit Betten Mews und Polsterwelt Engelhardt haben auch zwei Fachgeschäfte jenseits der Innenstadtgrenzen geöffnet. 

hin / Foto: hr


Brandschutz wird nachgerüstet

Die Egelseehallen in Neuhausen werden für 1,47 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht

Die Mitglieder der Vereine in Neuhausen atmen auf. Obwohl das Landratsamt der Gemeinde bei der letzten Brandverhütungsschau strenge Auflagen gemacht hat, darf in den Egelseehallen weiter trainiert und gefeiert werden. Bis die Festhalle komplett saniert ist, dürfen sich dort 600 Zuschauer und Akteure  gleichzeitig aufhalten. Im Gemeinderat stellte der Architekt Jochen Wilfert vom Büro Knecht in Ludwigsburg die Pläne vor, wie das Brandschutzkonzept zügig umgesetzt werden kann. Die dringend erforderlichen Arbeiten kosten 1,47 Millionen Euro.

Nun drücken die Verwaltung und die Gemeinderäte bei der Umsetzung aufs Tempo. Es sei „nicht selbstverständlich“, dass das Büro Knecht sich so schnell um die Umsetzung kümmert, lobte Bürgermeister Ingo Hacker die Architekten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in der Egelseehalle.

Um wieder einen normalen Betrieb möglich zu machen, sind größere Arbeiten erforderlich. Zunächst muss nach Wilferts Worten die Brandmeldeanlage aufgerüstet und erneuert werden. Die Sicherheitsbeleuchtung inklusive der Stromversorgung muss erneuert werden, da sie den Anforderungen nicht mehr entspricht. Dazu müssen Decken in manchen Hallenteilen geöffnet und wieder geschlossen werden. Auch die Sicherung von Rettungswegen und Brandabschottungen stehen auf dem Plan.

Die Gesamtsanierung der Egelseehallen hat die Gemeinde ebenfalls prüfen lassen. Dieses Großprojekt liegt angesichts der angespannten Haushaltslage auf Eis. „Die Brandschutzsanierung lässt sich da gut abtrennen“, ist Däschler überzeugt. Die Kostenschätzung von 1,47 Millionen Euro schlüsselte der Experte Wilfert auf:  Die Arbeiten in der Festhalle kosten 899 000 Euro; die Technik im Untergeschoss zu erneuern, schlägt mit 125 750 Euro zu Buche.   Die Arbeiten in der Sporthalle 1 sollen 296 887 Euro kosten; die Sporthalle 2 wird für 77 812 Euro gerichtet. Die Arbeiten im Jugendhaus sollen 70 887 Euro kosten.

Bereits im Jahr 2019 hat das Büro Knecht für die Gemeinde ein Sanierungsgutachten erstellt. „Ich hatte 2019 nicht gedacht, dass man die ganze Brandmeldeanlage erneuern muss“, räumte Jochen Wilfert jetzt ein. Da hatte der Planer auf den Bestandsschutz gesetzt. Den Sanierungsbedarf haben nun aber die Brandschau des Landratsamts im Mai und die Expertise des Brandschutz-Sachverständigen Se­bastian Fischer ergeben. Dass weitere  Rettungswege ge­braucht würden, war Wilfert  schon 2019 klar.  Damals hatte er auch die Sanierung des Hallenfassade angeregt, und zwar „aus energetischen Gründen“. Für energetische Sanierungsprojekte gibt es nach seinen Worten auch Fördermittel. 

Bei den Kommunalpolitikern erntete der straffe Zeitplan Lob. In der Sitzung nutzten sie die Chance, Vorschläge zu machen.   Dominik Morar (CDU) hakte bezüglich der Technik im Untergeschoss nach. Dort brauchten die Vereine dringend Lagermöglichkeiten.   Marco Schulz (Initiative Grüne Liste) wollte wissen, ob die neue Mensa vor dem geplanten Start zum Schuljahr 2023/24 in Betrieb gehen kann: „Wir hatten gehofft, dass wir das Schuljahr 2022/23 mitnehmen können.“ Man brauche die Festhalle bis zum Sommer 2023.

Wie wichtig die Egelseehalle für das Gemeindeleben in Neuhausen ist, bekräftigte Jens Jenuwein (Freie Wähler). Die Vereine seien dankbar, dass es einen verlässlichen Zeithorizont für ihre Veranstaltungen gebe. Sorge bereitet ihm, welche Schäden noch auftauchen könnten, wenn die Decken geöffnet werden: „Kommt da doch noch Größeres auf uns zu?“ Jochen Wilfert ist „vorsichtig optimistisch“, dass dem nicht so ist. Für Roman Krieger (SPD) ist klar, „wir haben keine Wahl.“ Er fragte, ob im Zuge der Brandschutzarbeiten auch gleich Kabel für bessere WLAN-Anschlüsse eingebaut werden. Diese digitale Nachrüstung  ist laut Wilfert nicht im Sanierungspaket enthalten. 

eli / Foto: Ines Rudel


Blaues Auge für Kommunen

Mittlerweile herrscht mehr Klarheit zur Finanzlage – Vielerorts ist sie angespannt, aber nicht dramatisch

Landauf, landab hagelte es zu Beginn der Coronakrise düstere Prognosen: Riesige Einbußen, vor allem bei der Gewerbesteuer, brächten viele Kommunen finanziell ins Wanken. Mittlerweile sehen die Kämmerer klarer.  Wie ist die aktuelle Situation?  Städte und Gemeinden geben Auskunft.

Esslingen: Corona hat dem Stadtsäckel mächtig zugesetzt: Geringere Einnahmen und höhere Ausgaben machen sich nicht nur im städtischen Kernhaushalt bemerkbar, sondern zum Beispiel auch im Etat des städtischen Klinikums. Dabei musste Finanzbürgermeister Ingo Rust schon vor Corona mit spitzem Bleistift kalkulieren, weil die konjunkturelle Entwicklung und der Strukturwandel in der Wirtschaft Wirkung zeigten.  Die lange Jahre sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen gingen merklich zurück. Corona hat diesen Trend  verschärft: Die Gewerbesteuereinnahmen, die in den Rekordjahren 2017 und 2018 jeweils über 100 Millionen Euro lagen, erreichen 2021 nur noch etwa die Hälfte. Hinzu kommen stetig steigende Abschreibungen für Investitionen in Straßen, Brücken oder Gebäude. Dennoch will die Stadt bis 2026 fast 200 Millionen Euro in ihre Infrastruktur investieren. Dafür müssen nach zehn Jahren ohne neue Schulden und massiver Tilgungen nun wieder Kredite aufgenommen werden: Für die kommenden fünf Jahre droht eine Nettoneuverschuldung von 77 Millionen Euro.

Ostfildern: Viel besser als erwartet stellt sich die Finanzlage der Stadt Ostfildern dar. Statt eines Defizits in zweistelliger Millionenhöhe, das  zu befürchten war, dürfte am Ende des Jahres unterm Strich sogar ein Plus von einer halben Million Euro stehen. „Wir dürfen letztlich zufrieden sein“, sagt Oberbürgermeister Christof Bolay. Bei der Gewerbesteuer war man Ende 2020 noch von  13,5 Millionen Euro ausgegangen,  nun erwartet die Verwaltung Einnahmen von 17 Millionen Euro. Zudem profitiert Ostfildern vom kommunalen Hilfspaket des Landes. Hinzu kommt ein Einmalertrag von  4,5 Millionen Euro durch die Eingliederung des aufgelösten Eigenbetriebs Wohnungsverwaltung in den Kernhaushalt. 2022 erwartet die Stadt deutlich höhere Steuererträge. Dennoch rechnet Finanzbürgermeister Rainer Lechner mit einem Minus von 2,8 Millionen Euro im Ergebnishaushalt.

Plochingen:  Die Stadt ist   dieses Jahr „mit einem blauen Auge davongekommen“, berichtet der Beigeordnete und Kämmerer Michael Hanus. Zwar liegt der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer für 2021 eine Million Euro unter dem Planansatz von 9,7 Millionen Euro. Aber bei der  Gewerbesteuer greift ein Sondereffekt:  Dank  Nachzahlungen aus vergangenen Jahren wird der Planansatz für 2021 von 8,9 Millionen Euro um fast zwei Millionen übertroffen.  „Damit können wir den fehlenden Betrag bei der Einkommensteuer ausgleichen. Ohne diesen Einmaleffekt hätte uns Geld gefehlt.“   Auf der anderen Seite werden 150 000 bis 200 000 Euro für Desinfektionsmittel und Tests für  Verwaltung, Kitas und Schulen   an der Stadt hängen bleiben.  Dabei braucht die Stadt jeden Euro:  Im Doppelhaushalt 2022/23 muss sie alleine für die Sanierung des Gymnasiums mehr als  20 Millionen Euro aufbringen.

Nürtingen kommt finanziell betrachtet bisher einigermaßen gut durch die Coronakrise. Im ersten Pandemiejahr hat die Stadt mit 1,4 Millionen Euro Minus abgeschlossen. Ende dieses Jahres wird das Defizit wohl drei Millionen Euro betragen, doch es hätte deutlich schlimmer kommen können. Wie OB Johannes Fridrich in seiner Haushaltsrede sagte, hatte die Kämmerei mit einem zweistelligen Betrag gerechnet. Doch corona­bedingte Einsparungen und die gute Entwicklung der Gewerbesteuer lassen das Defizit  abschmelzen.  Nach einem  Einbruch 2020 haben sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer mit mehr als 20 Millionen Euro auf „einem ordent­lichen Niveau stabilisiert“. Ordentlich für Nürtinger Verhältnisse, wie Fridrich erinnerte, denn im Kreis sei die Kommune das Schlusslicht unter den Großen Kreisstädten. Grund dafür seien die überschaubaren Gewerbeflächen in der Stadt.

Aichwald  Ähnlich ergeht es der Gemeinde Aichwald, die für 2021 ein Defizit im laufenden Betrieb von mehr als 1,7 Millionen Euro befürchtet hatte. Da aber auch auf dem Schurwald die Gewerbesteuereinnahmen höher ausfallen als   erwartet, schmilzt das Defizit. Positiv ausgewirkt haben sich  höhere Schlüsselzuweisungen des Landes und verringerte Ausgaben. Der Aichwalder Kämmerer Andreas Jauß geht derzeit unterm Strich noch von einem Minusbetrag von 500 000 Euro im Ergebnishaushalt aus. Eventuell endet das Jahr sogar mit der Schwarzen Null. Doch das sind Sondereffekte. Mit Blick auf die Zukunft müssen und wollen Rathaus und Gemeinderat auf Kosten und Einnahmen schauen, um das strukturelle Defizit zu beheben. 

red / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Mit der Marke „The Länd“ setzt Baden-Württemberg eine neue Imagekampagne in Gang. Ist das eine gute Kampagne?

Foto: dpa

Eine gute Kampagne?

  • Nein! (98% )
  • Ja! (2% )
Loading ... Loading ...


Abgespeckter Budenzauber

Der Esslinger  Mittelalter- und Weihnachtsmarkt findet statt – Zentrale Kontrollen der Corona-Nachweise

Bis vor Kurzem war noch unklar, ob in diesem Jahr  überhaupt Weihnachtsmärkte im Land stattfinden dürfen – und wenn ja, in welcher Form.  Seit Ende September aus Stuttgart grünes Licht für einen Budenzauber unter Auflagen kam, wird in Esslingen auf Hochtouren an einem Konzept gefeilt. Inzwischen hat man sich auf die Eckpfeiler verständigt: Es wird einen offen zugänglichen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt geben, bei dem die Kontrolle der 3-G-Nachweise für die Gastrostände zentral geregelt wird.  Während einige Kreiskommunen eine ähnliche Regelung verfolgen, sagen andere ihren Budenzauber endgültig ab.

Das Esslinger Markttreiben soll in diesem Jahr vom 23. November bis zum 22. Dezember stattfinden und auf Marktplatz, Rathausplatz und Postmichelplatz beschränkt bleiben. Auf dem Marktplatz werden mit voraussichtlich etwa 65 Ständen fast so viele Beschicker vertreten sein wie sonst. Allerdings soll die Marktfläche bis zur Stadtkirche erweitert werden, um für mehr Luft zwischen den Ständen zu sorgen. Während die Weihnachtsinsel regulär auf dem Postmichelplatz über die Bühne geht, findet der Mittelaltermarkt dieses Jahr  ausschließlich auf dem Rathausplatz statt. Hier wird das Angebot mit nur rund  35 Ständen   halbiert. Laut Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft (EST), liegt das vor allem daran, dass interaktive Angebote wie das Zwergenland, der Badezuber oder das Mäuse-Roulette nicht coronakonform möglich sind. Auch die Kulturangebote auf der Bühne werden gestrichen. Sie wären zwar prinzipiell erlaubt – aber nur mit 3-G-Nachweis. Weil man dafür laut Metzler den Bereich vor der Bühne absperren müsste, verzichte man in diesem Jahr auf Bühnen. Stattdessen erörtere man gerade, ob mit sogenannten Walking Acts mobile Kulturangebote möglich sind. Da die gastronomischen Angebote ebenfalls nur mit 3-G-Nachweis genutzt werden dürfen, hat sich die Stadt ein spezielles  Kontrollsystem überlegt. So soll eigens engagiertes Personal an  sieben Prüfstellen in Zelten   rund um den Marktplatz  die Corona-Nachweise samt Ausweisen der Besucherinnen und Besucher kontrollieren. Unterstützt werden soll es von vier mobilen Zweierteams, die auf dem Markt unterwegs sein werden. Wer die Corona-Auflagen erfüllt, bekommt ein tagesaktuelles Armband, für das Erwachsene angesichts des Aufwands voraussichtlich eine Gebühr von einem Euro zahlen müssen.

Zudem soll gemäß der aktuellen Vorgaben eine Maskenpflicht auf dem Markt gelten – außer während des Verzehrs von Speisen und Getränken.  Metzler hofft allerdings, dass das Land diese Vorgabe noch einmal überdenkt: „Baden-Württemberg hat mit die strengsten Corona-Auflagen“, kritisiert er.  „In Bayern sind Weihnachtsmärkte ganz ohne 3G, 2G und Maskenpflicht erlaubt.“ Gleichwohl stelle man sich auf die Vorgaben ein und hoffe, dass  die Marktbeschicker,  die sich größtenteils bereits vor Monaten für die Veranstaltung beworben haben, angesichts der Umstände bei der Stange bleiben.  Man rechne in der kommenden Woche mit den  finalen Zusagen.

In Plochingen und Altbach plant man momentan noch den Weihnachtsmarkt. In Reichenbach, Wernau und Deizisau sind die Weihnachtsmärkte abgesagt worden. 

meb/gg / Foto: Roberto Bulgrin


Beide Gemeinden sind Gewinner

Statt einen Interimskindergarten mit Containern zu errichten, bringt Altbach  die Kleinen vorübergehend in Deizisau unter

Die Pläne waren bereits weit fortgeschritten: Auf dem Freigelände der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach sollte ein Interimskindergarten in Containerbauweise eingerichtet werden. Erst Anfang Juli hatte der Gemeinderat grünes Licht für das Projekt gegeben. Aus Sicht der Gemeinde wurde nun aber eine bessere Lösung gefunden: Im benachbarten Deizisau wird im Februar das neue Kinderhaus „Himmelblau“ eröffnet. Dort gibt es freie Plätze, die bis zu 35 Kinder aus Altbach nutzen können, die drei Jahre oder älter sind.

„Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Für seine Gemeinde besteht der Vorteil der Vereinbarung darin, dass das neue Kinderhaus neben der Gemeindehalle besser ausgelastet ist als es ohne die Kinder aus der Nachbargemeinde der Fall wäre. Deizisau habe das Kinderhaus mit Blick in die Zukunft gebaut. Es wird voraussichtlich erst in den kommenden Jahren vollständig mit Kindern aus Deizisau belegt werden. „Mittelfristig hätte auch ein zweizügiger Kindergarten gereicht“, meint Matrohs. Die Gemeinde rechne aber langfristig durch die  Ausweisung  neuer Baugebiete und innergemeindlicher Nachverdichtung peu à peu mit wachsenden Kindergartenanmeldungen. Zunächst wird das Kinderhaus mit drei Gruppen starten. Platz gibt es aber für bis zu vier Gruppen.

Der Vorteil für Altbach liegt darin, dass die Kinder in einem festen Gebäude statt in Containern betreut werden können. „Es ist eine gute Lösung“, meint der Altbacher Bürgermeister Martin Funk. Die Anbindung aus seiner Gemeinde sei kein großes Problem. „Es sind keine großen Entfernungen“, sagt Funk. Dass der Anfahrtsweg für manche Eltern ein Wermutstropfen sein könnte, ist dem Schultes aber bewusst. Deshalb bekommen Eltern auf Antrag 20 Prozent der Kindergartengebühren von der Gemeinde Altbach rückvergütet. Genauere Informationen sollen Eltern zeitnah mit einem Rundschreiben und bei zwei Informationsabenden erhalten.

Altbach hätte für die Aufstellung der Container voraussichtlich knapp eine Million Euro bezahlen müssen. Für die Belegung von 35 Betreuungsplätzen in Deizisau könnten dagegen „nur“ rund 650 000 Euro bis August 2025 fällig werden.

Ein weiterer Vorteil der  Vereinbarung könnte darin bestehen, dass das Gelände mit der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach früher verkauft werden könnte. Der Erlös des Grundstücksverkaufs soll in den Umbau der alten Schule fließen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von mehr als vier Millionen Euro.

Dass die Gemeinde Altbach nun Kinderbetreuungsplätze in Deizisau belegt, liegt an der langen Suche nach einem geeigneten Standort für einen neuen Kindergarten in Altbach. Inzwischen wurde zwar die alte Schule als neuer Kindergartenstandort bestimmt. Bis die  notwendigen Planungen und Umbauten erfolgt sind, wird es aber noch Jahre dauern. In dem neuen Kindergarten sollen einmal bis zu drei Gruppen betreut werden können. Die 35 Plätze in Deizisau hat sich Altbach bis zum Ende der Sommerferien 2025 gesichert. Weitere 35 Plätze wurden in Altbach unlängst im Kindergarten St. Franziskus sowie im Waldkindergarten geschaffen. Insgesamt gibt es damit 249 Plätze. Zuzüglich der Plätze in Deizisau hofft Altbach nun, allen Eltern einen Kindergartenplatz anbieten zu können.

Am Standort des neuen Kinderhauses in Deizisau stand früher ein Wohnhaus mit zwölf Sozialwohnungen. Alle Bewohner hätten eine andere Wohnung bekommen, betont Matrohs. Im dritten Stock des neuen Kinderhauses seien außerdem erneut fünf Wohnungen gebaut worden, die für Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein vorgesehen seien. 

Für die beiden Gemeinden ist diese Art der Zusammenarbeit beispielhaft. „So etwas gibt es in der näheren Umgebung nicht“, sagt  Matrohs. Für Altbach und Deizisau reihe sich dieses Projekt in viele andere gemeinsame Unternehmungen ein, etwa zwischen Vereinen, bei der neuen Krankenpflegestation oder im Bereich der Schulen. 

bra / Foto: Philipp Braitinger


Vom Kosovo nach Baltmannsweiler

Ausbildungsprojekt der Diakonie zur Gewinnung von Pflegefachkräften aus Drittstaaten  – Rafaella Markaj ist die 500. Azubi

Seit rund vier Wochen  ist  die bald 19-jährige Rafaella Markaj  in Deutschland. Sie  kommt aus dem Kosovo, hat dort schon drei Jahre in der Pflege in einem  Krankenhaus gearbeitet. Dass sie  im Seniorenzentrum der Zieglerschen in Baltmannsweiler jetzt eine dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin antreten  kann, war ihr großes Ziel. In ihrer Heimat musste sie sich vorher  einem Bewerbungsgespräch unterziehen.  Und sich ein Jahr lang auf ihre Ausbildung in Deutschland vorbereiten.    Dazu gehörte vor allem, noch in ihrem Herkunftsland    Deutsch zu lernen.  Von den Kosten für die Sprachkurse  hat sie  900 Euro selbst übernommen.  Rafaella Markaj ist die  500. Azubi, die an dem internationalen Ausbildungsprojekt der   Diakonie Württemberg teilnimmt. 

Das „bundesweite Leuchtturmprojekt“ für die Gewinnung von Pflegefachkräften hat   Oberkirchenrätin  Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg,  zusammen mit Vertretern der Träger, Einrichtungen und  jungen Projektteilnehmer  kürzlich im Diakonischen Institut für Soziale Berufe in Esslingen dem Migrationsstaatssekretär  Siegfried Lorek  vorgestellt.  Denn die dreijährige duale Ausbildung „führt zu einer  schnellen beruflichen und gesellschaftlichen Integration und ist ein  erfolgreiches Angebot der legalen und sicheren Migration für junge Menschen aus Drittstaaten“. Und eine von vielen notwendigen Antworten auf den Pflegenotstand.

Mit fünf Trägern und  27 Auszubildenden hat es   2015  begonnen.  Heute wird es von einem   Konsortium von 15 Trägern der Diakonie und drei Trägern der Caritas gelenkt. Angefangen hat es  mit  jungen Menschen  aus dem Kosovo, die man für die Pflegeausbildung in Deutschland gewinnen wollte.   Inzwischen reisen sie auch aus Bosnien und Herzegowina, Albanien und der Ukraine zur Ausbildung in Baden-Württemberg ein.  Seit  diesem Jahr können  auch Interessierte aus Armenien und Georgien zum Zug kommen. 

Zielgruppe sind arbeitssuchende Absolventen von Mittelschulen und Gymnasien im Alter zwischen 19 und 30 Jahren.  „Ich hatte in meiner Heimat keine Chance auf einen Studienplatz. Und meine Eltern konnten mich  finanziell auch nicht unterstützen“, erzählt  Deni Kadric aus Bosnien-Herzegowina, der mit  Markaj und rund 100 weiteren Neuankömmlingen  jetzt  seine Ausbildung begonnen hat. Das Projekt  ist dezentral mit über 120 Einrichtungen und 25 Fachschulen in Baden-Württemberg organisiert. Es finanziert sich ausschließlich über die teilnehmenden Träger und Einrichtungen sowie den einmaligen Eigenbetrag  der Teilnehmenden  für die Deutschkurse.

 Von den bisher 400 Auszubildenden der ersten sechs Jahrgänge haben inzwischen fast 200  die Prüfungen zur Fachkraft geschafft und arbeiten jetzt in der Alten- oder  Krankenpflege. Zuletzt war die Pflegeausbildung bundesweit  mit einer Abbrecherquote von 30 Prozent in die Schlagzeilen gekommen. Bei dem Projekt   liegt sie bei   lediglich plus/minus fünf Prozent.

Dazu trägt   auch ein hohes Engagement der Projektverantwortlichen und  Mitarbeitenden in den Einrichtungen bei: Die jungen Menschen werden  in ihrer neuen Heimat  mindestens vier Monate lang  intensiv begleitet.  „Ich konnte sogar bei meiner Chefin wohnen“, berichtet Vjosa Xhemajli (31) aus dem Kosovo, seit wenigen Tagen examinierte Fachkraft im Seniorenzentrum Baltmannsweiler.  Sie hat  ihre  Arbeitserlaubnis schon in der Tasche.  Florina Brahimi und Florjan Kuqi, die ihre Ausbildung im Palmschen Garten in Deizisau  abgeschlossen haben, hängen indessen noch in der Warteschleife – obwohl auch sie  sämtliche  Unterlagen eingereicht haben. „Kein Zeichen für Willkommen“, ärgert sich Noller. Überhaupt kämpfe das Projekt  immer wieder mit administrativen Hürden.  Und  die Politik  solle nicht nur die Anwerbung von  Fachkräften aus dem Ausland finanziell unterstützen, sondern auch die von Azubis.  Zumal die Projektidee  auch auf  andere Mangelberufe übertragen  werden könnte – etwa in den Erzieherinnen- und Erzieherbereich.

Lorek hat  die Wünsche  nach Stuttgart mitgenommen – auch wenn das Land   nicht immer der entscheidende Ansprechpartner dafür sei. Mit dem   noch jungen  Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei die Politik auf dem richtigen Weg –  „der  ist  aber  noch ausbaufähig“. 

biz / Foto: Horst Rudel


Abgestimmt

Am 31. Oktober ist Halloween, vielfach laufen verkleidete Kinder dann von Haus zu Haus. Halten Sie  Süßigkeiten bereit, um diese den Kleinen zu geben?

Foto: dpa

Süßes zu Halloween?

  • Nein! (63% )
  • Ja! (38% )
Loading ... Loading ...


Klassischer Most ist etwas für Liebhaber

In der Region gibt es nach wie vor etliche Mostereien – Das traditionsreiche Getränk ist (fast) in Vergessenheit geraten

Hans-Martin Grammlich bringt eine späte Fuhre, gerade war er noch auf dem Stückle. Kurz vor Sonnenuntergang fährt er mit dem Traktor vor und liefert eine Kiste Äpfel ab. Wie praktisch, dass seine Söhne Benjamin (23) und Silas Grammlich (25) die Moste in Denkendorf betreiben. 2015 ist das Duo in den fruchtigen Nebenerwerb eingestiegen. Eigentlich sind beide in der Industriemontage tätig. Obwohl die große Presse an diesem Abend stillsteht, duftet es in der Halle intensiv nach Äpfeln. Es ist Erntezeit. Etwa 100 000 Liter Saft werden pro Jahr hergestellt, erklärt Benjamin Grammlich. Eigene Produkte gehen in den Verkauf, zudem können sich Privatleute den Saft ihrer Äpfel abfüllen lassen. Nur Most, der ist in der Moste kaum nachgefragt.

„Wir haben letztes Jahr 1000 Liter gemacht – 900 sind noch da“, sagt Hans-Martin Grammlich. Er spricht von einem Versuch, auch aus Nostalgiegründen. „In der Familie hatten wir schon immer Most.“ Das Ergebnis lagere im Holzfass. „Der geht nicht kaputt“, betont der 51-Jährige.

„Der klassische Most ist out.“ Das sagt Hannes Bürckmann, der Leiter der Geschäftsstelle des Vereins Hochstamm Deutschland. Der Geschmack sei herb, das Image altbacken. Laut dem Verein gibt es etwa sieben Millionen Streuobstbäume im Land. Hauptsächlich Mostobst hänge daran. Einen Teil verarbeiteten Kleinbrennereien, das allermeiste Obst werde aber zu Saft. Most trinken demnach fast nur Liebhaber. Oliver Briem, der in Filderstadt-Sielmingen eine Saft- und Most-Manufaktur betreibt, bestätigt dies. Vor allem in den entbehrungsreichen Kriegsjahren habe man Most getrunken, „da gab es nichts anderes“, heute machten sich die Leute lieber ein Fläschchen Wein auf.   Auch Rüdiger Bayer, der Chef der Esslinger Mosterei Bayer, sagt, andere Produkte hätten den Most verdrängt. „Ehemals war das ein günstiges Getränk, heute ist der Kostenvorteil weg.“ 

Doch auch mit der Saftproduktion ist das so eine Sache. Grundsätzlich ist mit Streuobst kaum mehr etwas verdient. Zwar haben in diesem Jahr die Obstpreise wegen der schwächeren Ernte etwas angezogen, dennoch gibt es laut Hannes Bürckmann für 100 Kilogramm Nicht-Bio-Obst aktuell im Schnitt gerade mal sechs bis neun Euro. „Das Bücken lohnt sich definitiv nicht“, sagt er. Wiesen verkommen daher vielerorts, weil sich keiner kümmert. Hannes Bürckmann zitiert eine Studie der Uni Hohenheim, wonach die Streuobst-Flächen im Land seit 2009 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen sind.

Es gibt Versuche, den Trend umzukehren. Die Tradition des Streuobstanbaus wurde vor einigen Monaten ins Immaterielle Kulturerbe aufgenommen. Der Verein Hochstamm hatte sich dafür eingesetzt. Vom Land gibt es eine Baumschnittprämie für die, die Grundstücke pflegen.  Bei Briem in Sielmingen  gibt es einen finanziellen Zuschlag für unbehandeltes Obst, das nachweislich aus Filderstadt stammt. Das scheint zu funktionieren. „Letztes Jahr hatte ich über 400 Kunden“, sagt Oliver Briem. Eigener Saft sei in, vor allem junge Familien sammelten gern das Obst auf Wiesen von betagten Eigentümern. „Das macht Sinn und den Leuten Spaß“, sagt er. Allerdings: Die Most-Nachfrage profitiere von dem Trend nicht.

Ganz abgeschrieben ist der Trunk dennoch nicht. Als Mitglied der Interessengemeinschaft Streuobst Ostfildern stellt Steffen Kaiser aus Nellingen Edelmostsorten her – Kombinationen mit Holunder, mit Beeren oder oberösterreichischer Weinbirne.

Auch Bernhard Hahn besetzt die Nische. In Esslingen-Wäldenbronn betreibt er einen Most- und Weinbesen. „Zu mir kommen die Leute gezielt“, sagt er. Seinen Most baue er selbst aus, in den Versionen normal, säurereduziert, rot mit Sauerkirschen und braun mit Trollingertrauben. Beim Stammpublikum komme das an, der 80-Jährige – im Mai 2022 startet sein Besen wieder in die Saison – weiß aber auch: Grundsätzlich ist der Most in Vergessenheit geraten, „weil es niemand mehr macht“.

In Denkendorf wird jedenfalls bald wieder Most ausgeschenkt. Sofern Corona es zulässt, wird in der Moste am 13. November der Saisonabschluss mit einem Fest gefeiert. „Da gibt es auf jeden Fall Most“, verspricht Benjamin Grammlich. Liebhaber werden sich sicherlich finden, mindestens bei den älteren Gästen. Das weiß auch Benjamin Grammlich. „Von meinem Opa weiß ich, der hatte immer Sprudel und Most.“ 

car / Foto: Caroline  Holowiecki