Platz für Entwicklung

Bissingen projektiert ein 4,8 Hektar großes Gewerbegebiet – Neues Gesicht für den Ortseingang

Der Ortseingang der Gemeinde Bissingen könnte in einigen Jahren sein Gesicht verändern. Der Gemeinderat hat kürzlich die ersten Schritte hin zu einem neuen Gewerbegebiet im Gewann Fürhaupten getan. Erstmals seit 26 Jahren könnten damit  auf dem 4,8 Hektar großen Areal westlich   der Kreisstraße 1251 nennenswerte Flächen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung ausgewiesen werden.

Die Zahl der Gewerbeflächen in der Gemeinde Bissingen hält sich in überschaubaren Grenzen. Seit der Ausweisung des Gewerbegebiets östlich der K 1251 im Jahr 1994 sind nur noch Flächen im Rahmen der Innenverdichtung hinzugekommen.  Im Zuge der Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzepts im Jahr 2013 wurde daher auch das Ziel formuliert, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen. Bei einer Umfrage unter den Bissinger Unternehmen wurde deren Flächenbedarf abgefragt und seitdem laufend aktualisiert. Die Ergebnisse zeigen einen großen Bedarf an neuen gewerblichen Bauflächen auf, Bauplätze für solche  Neuansiedlungen gibt es in der Gemeinde jedoch nicht mehr. Aufgrund der Nachfrage hatte die Gemeinde in den vergangenen Monaten  daher Voruntersuchungen zur Gebietsentwicklung durchgeführt. Dabei konzentrierten sich die Überlegungen auf das Gewann Fürhaupten westlich der K 1251. Dort könnte das bestehende Gewerbegebiet eine direkte Fortsetzung finden.

Derzeit wird das rund 4,8 Hektar große Areal als Ackerland genutzt und liegt somit im sogenannten ungeplanten Außenbereich. Um dort Gewerbebetriebe ansiedeln zu können, muss zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Damit  sollen die Voraussetzungen für eine geordnete städtebauliche Entwicklung von Gewerbebauplätzen geschaffen und die Bedingungen für die Verkehrsanbindung definiert werden.

Außerdem gibt der Bebauungsplan den Rahmen für die Gestaltung der künftigen Ortseinfahrt vor, da sich das Gesicht des Orts durch Gewerbebetriebe rechts und links der Straße  wandeln wird. Neben städtebaulichen Belangen muss der Bebauungsplan die Auswirkungen auf die Umwelt durch die Versiegelung von Ackerland berücksichtigen.

Bis ein Bebauungsplan und die  Bauvorschriften  als Satzungen beschlossen werden können, ist  allerdings noch ein weiter Weg zu gehen. Da das Gewann Fürhaupten aus einer ganzen Reihe einzelner Flurstücke mit etlichen Grundstückseigentümern besteht, muss zunächst der Zuschnitt der Grundstücke per freiwilliger Vereinbarungen neu geordnet werden. Das sogenannte  Umlegungsverfahren wird vom Gemeinderat beschlossen, der für den Prozess einen  nichtöffentlichen Umlegungsausschuss bildet. Schließlich muss auch die Öffentlichkeit einbezogen werden, von den Planungen betroffene Bürger erhalten die Möglichkeit, ihre Bedenken in den Entscheidungsprozess einzubringen.

Die Gemeinde will angesichts des Umfangs des Projekts  externe fachliche Unterstützung durch einen Erschließungsträger an Bord holen. Über die gesetzlichen Vorgaben  hinaus plant die Gemeindeverwaltung eine weitere Bürgerbeteiligung, etwa in Form einer Informationsveranstaltung. Wie und wann sie durchgeführt werden kann, steht allerdings aufgrund der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie derzeit noch in den Sternen.   pst / Foto: Jacques


Immer mehr Telefonbetrügereien

Kriminalitätsrate im Landkreis Esslingen liegt trotz Anstiegs unter dem Landesdurchschnitt – Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu – Weiterhin viele Wohnungseinbrüche

Die Entwicklung hat zwar  ihre negativen Seiten, und doch lebt es sich im Landkreis Esslingen nach wie vor relativ sicher. Das zumindest legen die Zahlen dar, die das Polizeipräsidium Reutlingen in seiner Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vor Kurzem präsentiert hat. Demnach liegt die Kriminalitätsrate unter dem Durchschnitt des Landes Baden-Württemberg, ist aber im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Auffallend: Betrügereien am Telefon, Wohnungseinbrüche und Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte haben zugenommen.

Die Polizei hat im Kreis Esslingen im vergangenen Jahr 25 743 Straftaten gezählt, das entspricht einer Häufigkeit von 4822 Straftaten je 100 000 Einwohnern (plus 4,9 Prozent). Zum Vergleich: Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen, zu dem neben Esslingen die Landkreise Reutlingen und Tübingen sowie seit Januar dieses Jahres der Zollernalbkreis gehören, wird die Quote mit 4471 Straftaten pro 100 000 Einwohner angegeben. Und dennoch liegt auch der Kreis Esslingen unter dem Landesdurchschnitt (5184 Straftaten je 100 000 Einwohner). Der Landeswert liegt auf dem niedrigsten Stand seit Mitte der 80er-Jahre. „Unsere Bürgerinnen und Bürger leben in einer sehr sicheren Region“, sagte Alexander Pick, Präsident des Polizeireviers Reutlingen. Allerdings sank die Aufklärungsquote laut Polizei „signifikant“ von 60,9 auf 56,8 Prozent.

Verantwortlich für den Anstieg der Straftaten ist insbesondere  der  sprunghafte Anstieg im Bereich Telefonbetrug. Dort hechelt die Polizei zudem den Tätern häufig vergeblich hinterher, was wiederum den Rückgang bei der Aufklärungsquote erklärt. Für  Pick ist dies ein statistischer Effekt und  kein Beinbruch: „Durch unsere intensiven Präventionskampagnen auf diesem Betrugssektor folgen immer mehr Menschen unserer Bitte, der Polizei auch kurze, erfolglose Kontaktversuche der Gauner zu melden. Und das ist gut so.“

Nachdem die Zahl der  Wohnungseinbrüche in den Jahren zuvor zurückgegangen war, ist diese 2019 im Kreis Esslingen um 20,5 Prozent auf 423 gestiegen. Ab Herbst haben Einbrecher wieder vermehrt zugeschlagen. Die Aufklärungsquote sank hier von 17,7 auf 6,4 Prozent. Und das, obwohl die Polizei ihre Kontrollen verstärkt hat. „Die Täter sind teilweise hochprofessionell und reisen zum Teil eigens ins Bundesgebiet ein“, machte Pick klar. Neben der Abschreckung setze man  auf Prävention. In knapp der Hälfte der Fälle seien die Täter beim Einbruchsversuch gescheitert. „Ein Beleg dafür, wie wichtig eine wachsame Nachbarschaft und technischer Einbruchsschutz sind“, sagte Pick. Die Polizei bietet hierzu regelmäßig kostenlose Beratungen an und appelliert an die Bürger, wachsam zu sein. Bei verdächtigen Wahrnehmungen gelte es schnell die 110 zu wählen.

Deutlich mehr Sexualdelikte

In einem anderen Bereich, der das Sicherheitsgefühl der Bürger auch in besonderem Maß beeinflusst, gab es im Kreis Esslingen ebenfalls einen markanten Anstieg: bei den Sexualdelikten. Diese nahmen um 27,3 Prozent auf 382 Fälle zu, was einem Höchststand in der Fünf-Jahres-Betrachtung entspricht. In der Stadt Esslingen stieg die Zahl der Sexualdelikte um 21 auf 79. Dass deren Zahl in Neckartenzlingen von sechs auf 60 stieg, lag vor allem an einem Beschuldigten, dem 44 Fälle  des sexuellen Missbrauchs von Kindern per Internetchat vorgeworfen werden.

Bei den ermittelten Tatverdächtigen fällt auf, dass die Zahl der Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 Jahren erneut deutlich abgenommen hat – um 8,7 Prozent auf 956. Bei Kindern und Jugendlichen gab es hingegen Zuwächse. Drei Viertel aller Tatverdächtigen waren Männer, 42,4 Prozent Wiederholungstäter. In 67 Fällen wurden Schusswaffen mitgeführt, zehn Mal wurde tatsächlich geschossen. 11,7 Prozent der Tatverdächtigen im Landkreis Esslingen standen unter Alkoholeinfluss, 4,4 Prozent hatten andere Drogen genommen. Der Anteil der von der Polizei als „nicht deutsch“ bezeichneten Tatverdächtigen liegt im Landkreis Esslingen bei 49,7   Prozent (plus 0,4 Prozent). Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass darunter auch die erhebliche Zahl der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz geführt wird, die letztlich nur von Ausländern begangen werden können.

Rechnet man die Verstöße gegen Asylgesetze  heraus, ist die Zahl der tatverdächtigen  Flüchtlinge im Bereich des Reutlinger Polizeipräsidiums rückläufig. Zu körperlichen Übergriffen kam es bei Flüchtlingen überwiegend innerhalb deren Gruppe, was die Polizei teilweise  mit den angespannten Verhältnissen in Sammelunterkünften in Verbindung bringt. Pick bereiten allerdings  Serientäter Sorge: „Der Anteil der ‚nicht deutschen’ Tatverdächtigen unter den sogenannten Mehrfach- und Intensivtätern ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.“ 

Diebstahlsdelikte bilden mit rund 6198 Fällen (2018: 6541) trotz des Rückgangs immer noch den Großteil aller registrierten Straftaten.

Bei den Betrugsdelikten bildete im vergangenen Jahr vor allem die Bekämpfung des sogenannten Callcenter- beziehungsweise Telefonbetrugs einen polizeilichen Schwerpunkt. Nicht zuletzt, weil die Täter insbesondere älteren Menschen immer häufiger zusetzen. Die Betrüger treten  als Polizeibeamte, verdeckte Ermittler oder  Staatsanwälte auf und versuchen mit Lügengeschichten, an Geld oder Wertsachen der Angerufenen zu gelangen. Daneben treten die meist aus dem Ausland agierenden Täter als angebliche Enkel oder nahe Verwandte auf, die sich in einer  Notlage befänden und dringend Geld  benötigten. Aber auch Gewinnversprechen, für deren Auszahlung zunächst eine hohe Bearbeitungsgebühr verlangt wird, sind eine gängige Masche.

1,6 Millionen Euro  Schaden

Im vergangenen Jahr sind im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen 3312  Telefonbetrug-Fälle (2018: 1451) registriert worden. Bei 92 vollendeten Taten entstand ein finanzieller Gesamtschaden von  1,6 Millionen Euro (2018:  700 000 Euro).  In über drei Viertel der Fälle gaben sich die Betrüger als Polizeibeamte aus. Für diesen Bereich wurde eine spezielle  Ermittlungsgruppe eingerichtet. Auch wurden gezielt Banken sensibilisiert, beim Abheben hoher Geldbeträge besonders auf ältere Menschen zu achten. Dies habe  in mehreren Fällen die Vollendung der Taten im letzten Moment verhindert. Selbst auf Bäckertüten und in Zusammenarbeit mit Taxizentralen, Busunternehmen, Kirchengemeinden und Pflegeeinrichtungen wurde vor den Betrügern gewarnt. Die Eindämmung dieser Straftaten sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagte Pick. „Daher nochmals mein Appell: Die Polizei wird nie bei Ihnen anrufen, um Sie über Ihr Vermögen auszufragen oder Sie zur Übergabe von Geld oder Vermögenswerten auffordern. Hier gilt: Sofort auflegen und den Polizeinotruf über 110 wählen.“

Im Bereich der Gewaltkriminalität, zu dem Mord, Totschlag, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung zählen, gibt es im gesamten Gebiet des Reutlinger Polizeipräsidiums einen  Rückgang um knapp sechs Prozent auf 1757  Fälle. 43 Tötungsdelikte gab es im vergangenen Jahr in den vier Landkreisen (davon im Kreis Esslingen 18), in 36 Fällen blieb es beim Versuch. Mit Ausnahme je eines versuchten Totschlags in Kirchheim,  Tübingen und Albstadt wurden alle Täter ermittelt.

Anhaltend hoch ist das Niveau bei den Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte. Im gesamten Präsidiumsbereich stieg deren Zahl um 42 auf 466, damit setzt sich der seit Jahren anhaltende Trend fort. Bei den Übergriffen wurden 207 Polizisten verletzt, in einem Fall schwer. 78 Prozent der Tatverdächtigen  standen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. „Tätliche Angriffe auf unsere Einsatzkräfte sind nicht akzeptabel“, verdeutlichte Pick. Aber auch Übergriffe auf Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Angehörige anderer Hilfsorganisationen würden konsequent verfolgt. „Diejenigen, die sich tagtäglich, rund um die Uhr für unsere Sicherheit und Gesundheit einsetzen, verdienen Respekt und Anerkennung“, sagte der Polizeipräsident.  Ch / Foto: dpa

Die Kriminalität im Landkreis Esslingen in Zahlen (Bilanz fürs Jahr 2019):

Straftaten gesamt: 25 743 (gegenüber 2018 plus 5,2 Prozent).

Aufklärungsquote: 56,8 Prozent (minus 4,1 Punkte).

Straftaten gegen das Leben: 18 (plus drei).

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 382 (plus 82).

Diebstahl: 9198 (minus 343).

Wohnungseinbrüche: 423 (plus 20,5 Prozent).

Betrug: 4613 (plus 36,3 Prozent).

Rauschgiftkriminalität: 1461 Straftaten (plus 1,4 Prozent).

Tatverdächtige gesamt: 11 378 (minus 2,5 Prozent); davon  unter 21 Jahren 2365 und von der Polizei als „nicht deutsch“ bezeichnete Tatverdächtige 5652 (plus 0,4 Prozent).

Gemessen am Verhältnis der Straftaten zur Einwohnerzahl lebt es sich landkreisweit in Neidlingen am sichersten, gefolgt von Lichtenwald und Altdorf.

Die höchste Kriminalitätsbelastung im Kreis weist erneut Leinfelden-Echterdingen auf, was aber daran liegt, dass darin Delikte am Flughafen und auf der Landesmesse mitgezählt werden. Rechnet man diese heraus, landet die Stadt im unteren Mittelfeld (hochgerechnet 3604 Straftaten je 100 000 Einwohner).


Holpriger Start

Seit 14. Juni bedient das Unternehmen Abellio die Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen – Unmut in Nürtingen

Am Sonntag, 14. Juni, hat das Verkehrsunternehmen Abellio den Betrieb auf der Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen von der Deutschen Bahn übernommen.  Doch der Start  gestaltet sich holprig. Zu wenig Fahrzeuge  und keine Tickets für den Fernverkehr in Nürtingen sorgen für Ärger. Dem gegenüber steht eine Taktverbesserung mit  modernen Fahrzeugen. Oberboihingen erhält zudem eine für Pendler akzeptable Anbindung.

Das Verkehrsunternehmen Abellio hatte  bei der Neuausschreibung der Netze in der Region Stuttgart durch das Land Baden-Württemberg den Zuschlag für die Strecke Stuttgart-Tübingen erhalten. Abellio hatte sich gegen den bisherigen Betreiber DB Regio  mit dem Versprechen durchgesetzt, neue Fahrzeuge einzusetzen und den Takt wesentlich zu verdichten. Die Verbesserung  beinhaltet unter anderem eine stündliche IRE-Verbindung zwischen Stuttgart und Tübingen, die die stark nachgefragte Strecke mit nur wenigen Zwischenhalten in 45 Minuten zurücklegt. Zudem wird der Regionalexpress, der bisher nur zur Hauptverkehrszeit halbstündlich verkehrt, nun an allen Werktagen durchgehend bis 20 Uhr  und an Samstagen bis 18 Uhr im 30-Minuten-Takt angeboten. Auch kleine Bahnstationen profitieren. So wird der bisherige Regionalbahn-Halt in Oberboihingen nun stündlich bedient. Pendler erhalten so eine gute Verbindung  nach Tübingen oder Stuttgart.

Die Freude im Landesverkehrsministerium  ist derzeit noch verhalten.  Der Hersteller  Bombardier, bei dem Abellio 45 Fahrzeuge für den Einsatz auf der Strecke bestellt hatte, hatte bis zum Start am vergangenen Sonntag nur die Hälfte der  Züge geliefert.

„Leider sind durch den Fahrzeughersteller Bombardier bisher nicht alle Fahrzeuge geliefert worden, um alle Linien von Abellio vollständig mit Neufahrzeugen bedienen zu können“, teilten Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Rolf Schafferath, Geschäftsführer von Abellio Baden-Württemberg,  mit. Bombardier hat demnach erst 27 Fahrzeuge an Abellio übergeben, davon waren 23 abgenommen und damit einsatzfähig.  Abellio muss daher zunächst mit Leihfahrzeugen fahren, einzelne Verbindungen sind sogar an Subunternehmen vergeben worden. Für die Gemeinde  Bempflingen bedeutet das in nächster Zeit eine erhebliche Einschränkung. Die Ersatzfahrzeuge können an den dortigen kurzen Bahnsteigen nicht halten, da sich bei ihnen das Öffnen der Türen nicht auf  einzelne Zugteile beschränken lässt. Bempflingen wird daher  außer bei einzelnen Fahrten morgens und abends   bis Herbst mit Bussen bedient.

Reichlich Unmut gibt es  in Nürtingen. Mit dem Start von Abellio hat das Reisezentrum im Bahnhof dicht gemacht. Während Nahverkehrstickets noch im Presseladen im Bahnhof gekauft werden können, sieht es für Fernverkehrstickets oder gar Beratung finster aus. Kunden werden  dafür auf das Internet verwiesen. „Unzumutbar“ findet das Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich und hat in einem offenen Brief an die Nürtinger Bundestagsabgeordneten um Hilfe gebeten. Nürtingen werde in den nächsten Jahren  an Bedeutung im ÖPNV-Netz gewinnen. „Wir wollen die Menschen dazu bewegen, häufiger auf das Auto zu verzichten und den ÖPNV zu nutzen. Dann müssen wir ihnen den Umstieg aber auch erleichtern und dürfen keine unnötigen Hürden aufbauen“, sagt er. pst / Foto: Abellio


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Bei Starkregen Klappen dicht

Damm im Reichenbachtal ist fertig – Die Regelungstechnik wartet auf den Probelauf

Einen kräftigen, lang anhaltenden Regen würde sich Matthias Häke vom Ortsbauamt in Reichenbach wünschen. Denn dann könnte man den Probelauf am neuen Rückhaltebecken im Reichenbachtal, genauer an dessen Steuer- und Regelungstechnik, durchführen. Was schwierig zu planen ist. „Da müssen wir kurzfristig agieren“, sagt Häke.

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der zehn Meter hohe Damm mit seinen technischen Anlagen und dem Betriebsgebäude fertig. Den Reichenbach, vor dessen Hochwassern der Damm den Ortskern schützen soll, muss man am Boden beinahe suchen. Er läuft als kleines Bächlein durch den großen Betondurchlass. Dieser ist zweigeteilt: Auf der einen Seite wurde ein naturnah gestaltetes Bachbett mit einer Sohle aus Substrat und Steinen angelegt, das sogenannte Öko-Gerinne. Bei Hochwasser und entsprechendem Druck wird diese Öffnung geschlossen, damit seine Struktur nicht zerstört wird. Dann öffnet sich der Durchlass daneben, der Betriebsauslass. Geregelt wird das alles automatisch über eine Pegelstrecke direkt nach dem Damm und weitere Messpunkte.

Die Regelungstechnik soll für einen konstanten Wasserstand nach dem Staudamm sorgen. Kommt dort zu viel Wasser an, werden die Klappen geschlossen und der Bach aufgestaut. Er füllt dabei kein Becken im engeren Sinn, sondern der Bereich oberhalb des Damms dient als Überschwemmungsfläche. Aus diesem Grund musste auch der Hundetrainingsplatz in diesem Bereich aufgegeben werden. Rund 95 000 Kubikmeter Wasser sollen bei Bedarf zurückgehalten werden. Die Fläche besteht größtenteils aus Wiesen und Grünland, auch einzelne Bäume wachsen auf ihr.

In der Vergangenheit hat der Reichenbach immer wieder die Ortsmitte unter Wasser gesetzt, zuletzt 2008. Das liegt daran, dass bei lokalem Starkregen viel Wasser in seinem Tal zusammenläuft und er in kürzester Zeit gewaltig anschwellen kann. Das Hochwasserbecken ist auf ein HQ100 ausgelegt, also ein Hochwasser, wie es statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vorkommt – allerdings geht man davon aus, dass wegen des Klimawandels zunehmend solche Extremwetterlagen eintreten werden.

Auch andere Gewässer bringen in Reichenbach immer wieder mehr Wasser als gewünscht und werden im Rahmen des Hochwasserkonzeptes entsprechend umgestaltet, so zum Beispiel der Probstbach im Osten der Gemeinde. Sein Einlaufbereich wurde kürzlich vergrößert, eine neue Rechenkonstruktion angebracht und auch das Gelände verändert. Fertiggestellt sind dieses Arbeiten seit Mitte März. Auch am Hannestobelbach im Westen von Reichenbach sind Maßnahmen zum Hochwasserschutz geplant.

Für Ersatzpflanzungen sorgen

Beim Damm im Reichenbachtal wird derzeit nur noch an der EMSR (Elektrische Mess-, Steuer- und Regelungstechnik) gearbeitet. Sie muss sich noch im „Realbetrieb“ im Zuge eines Probelaufs mit zumindest teilweise gefülltem Becken beweisen, und zwar innerhalb von fünf Jahren nach Fertigstellung des Bauwerks. Das schreiben die Förderrichtlinien Wasserwirtschaft vor, die der Gemeinde einen kräftigen Zuschuss beschert haben: Drei Millionen Euro bekam sie aus diesem Landesprogramm; die Gesamtkosten für den Dammbau samt Zufahrt und Betriebsgebäude liegen bei rund 4,5 Millionen Euro.

Restarbeiten stehen nun noch im Umfeld an: Weil für den Dammbau einige Bäume gefällt wurden, muss die Gemeinde für Ersatzpflanzungen sorgen. Unter anderem sollen im Herbst Erlen, Silber-Weiden, Hainbuchen und Berg-Ahorne gepflanzt werden.  aia / Foto: Karin Ait Atmane


Protest gegen Friedwald

Furcht vor Beeinträchtigung am Käppele in Dettingen – Verwaltung und Gemeinderat setzen auf Bürgerinformation

Die letzte Ruhe unter einem Baum im Wald, ohne Friedhof, Grabstein, Kränze oder Blumenschmuck – die Option einer Urnenbestattung in einem Bestattungswald wird immer öfter nachgefragt. Der Bestatter Johan Homburg, der die beiden Friedhöfe in Dettingen betreut, hat der Gemeinde daher im vergangenen Jahr vorgeschlagen, in einem Waldstück auf ihrem Gebiet eine solche Bestattungsform anzubieten. Während die Verwaltung und der Gemeinderat dies zunächst prüfen wollen, haben einige Bürger bereits ihre Ablehnung kundgetan.

Auf den Friedhöfen vieler Kommunen im Landkreis sind neben den traditionellen Erdbestattungen und Urnengräbern eine ganze Reihe an weiteren Bestattungsformen möglich, etwa Baumgräber, Urnenstelen oder anonyme Rasengräber. Einen ausgewiesenen Friedwald gibt es im Landkreis Esslingen allerdings nicht. Die nächstgelegenen finden sich in Wangen bei Göppingen und in Münsingen. Bei einer Bestattung im Wald wird die Asche Verstorbener  in einer biologisch abbaubaren Urne an einem Baum beigesetzt.  Grabpflege gibt es keine, dies übernimmt die Natur. Die Auswahl der Baumart und die Möglichkeit eines Familien-, Partner- oder Freundschaftsbaums  wird vorab gemeinsam mit dem örtlichen Förster festgelegt.

Aufgrund hoher  Nachfrage nach Bestattungen im Wald hat der Bestattungsunternehmer Johan Homburg, der neben den  Friedhöfen in Dettingen auch die in Kirchheim und Neuhausen betreut, der Gemeinde im vergangenen Jahr vorgeschlagen, auch in Dettingen einen Bestattungswald auszuweisen. Die Verwaltung legte diesen Vorschlag dem Gemeinderat vor und bewertete  in der  Beratungsvorlage „die Schaffung einer weiteren alternativen Bestattungsart in Form eines Bestattungswalds für Dettingen als sehr interessant“. Zwei prinzipiell mögliche Standorte im Dettinger Gemeindewald wurden identifiziert, einer davon schied nach Ansicht  der Verwaltung wegen schlechter Erreichbarkeit und  erwartbarer Probleme durch Autoverkehr im Wald aus. Das zweite Waldgebiet liegt nahe des Dettinger Käppele. Dieses beliebte Ausflugsziel ist gut über eine asphaltierte Straße erreichbar, ein Wanderparkplatz steht dort zur Verfügung.

Die Idee eines Bestattungswalds am Käppele stieß jedoch nicht auf ungeteilte Begeisterung. Einige Bürger haben auf einem Schild auf einer Wiese beim Käppele und in Briefen an Gemeinderatsmitglieder  ihren Protest  formuliert. Die   Friedhöfe im Ort seien „für Dettingen ausreichend“. Ein Friedwald würde wegen der hohen Nachfrage und weniger  Angebote überregional genutzt werden. Bei einer projektierten Größe von 19 000 Quadratmetern und  zehn möglichen Urnen pro Baum käme auf Dettingen ein Bestattungswald mit einem Angebot von 1200 Urnengräbern zu.

Anhand von Vergleichszahlen aus Wangen rechnen die Gegner dabei mit  bis zu 18 Bestattungen pro Woche und bis zu 100 Autos pro Bestattung. Dieses zusätzliche Verkehrsaufkommen in der Gemeinde und auf der  Zufahrt würde „das Naherholungsgebiet Käppele drastisch verändern“.

Der Gemeinderat und die Verwaltung wollen  die Idee zunächst weiter verfolgen und mit  Besichtigungsfahrten und Bürgerbeteiligung die Informationen vertiefen und Fakten bewerten. Dieser Prozess ist allerdings wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben.  pst / Foto: Jean-Luc Jacques


Langsamer und leiser

Lärmaktionsplan der Stadt Esslingen beinhaltet Tempo 30 und Tempo 20 auf verschiedenen Straßenabschnitten

Lärm macht krank, zumindest wenn er in entsprechender Dosis verabreicht wird. Auch in Esslingen sind etliche Bürger derart geplagt, insbesondere an viel befahrenen Straßen. Die Stadt hat sich vorgenommen, in bestimmten Bereichen für etwas mehr Ruhe zu sorgen, ein Lärmaktionsplan ist erarbeitet worden. Diesen hat nun vor Kurzem der gemeinderätliche  Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) beschlossen. Mit der Umsetzung soll der Verkehr beruhigt werden,  auf zahlreichen Esslinger Straßen gilt künftig Tempo 30. Denn: Mit reduzierten Geschwindigkeiten gehen reduzierte Lärmwerte einher.

 Anwohner viel befahrener Straßen  in Esslingen klagen schon lange über ihre Situation und fordern  Geschwindigkeitsbegrenzungen. Entlang mancher Abschnitte  werden Werte erreicht, die als gesundheitsgefährdend gelten. Mit Beschluss des   ATU wird nun auf zahlreichen  Esslinger Straßen  die zulässige Höchstgeschwindigkeit nach unten geschraubt. Auf besonders lärmbelasteten Abschnitten gilt zukünftig ganztags Tempo 30. Betroffen sind die Mettinger Straße, der nördliche und der östliche Altstadtring, die Schorndorfer Straße samt dem südlichen Teil der Hirschlandstraße sowie die östlichen Teile von Stuttgarter und  Wielandstraße. Für einen Abschnitt der Esslinger Straße westlich der Breitinger Straße ist Tempo 30 nachts zwischen 22 und 6 Uhr vorgesehen. Das  Stuttgarter Regierungspräsidium muss den Regelungen allerdings noch zustimmen.

Grundlage dieser Maßnahmen ist der 2017 vom Gemeinderat beschlossene Lärmaktionsplan. In der Folge wurden umfangreiche Untersuchungen angestellt, deren Ergebnisse die Verwaltung dem Gemeinderat im Dezember 2019 erstmals vorgestellt hatte. Vielerorts wurde die  Situation unter Lärmgesichtspunkten betrachtet, mögliche Verbesserungen durch eine Geschwindigkeitsreduzierung wurden hochgerechnet. Dabei wurde auch untersucht, ob  Nachteile durch  Tempo 30 entstehen könnten, wie beispielsweise  eine Zunahme von Feinstaub  oder das Provozieren von  Ausweichverkehr.  Vermeiden wollte  man auch Störungen im Verkehrsfluss, die sich nachteilig auf den Busverkehr auswirken. 

Darüber hinaus werden weitere Tempo-30-Strecken in  Mülberger-, Wäldenbronner  und Stettener Straße eingerichtet, die nicht Teil des Lärmaktionsplans sind. Außerdem werden zwei verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche geschaffen: Einer davon  mit Tempo 20 entsteht im Bereich der Esslinger Straße östlich der Breitinger Straße, ein weiterer mit Tempo 30 in der Wäldenbronner Straße zwischen dem Kreisverkehr Barbarossastraße/Kirchackerstraße und der Tobias-Mayer-Straße.

Für die Umsetzung aller vorgeschlagenen Maßnahmen rechnet die Stadt mit Kosten von rund 500 000 Euro. Das Geld wird für eine neue Beschilderung ausgegeben, an anderer Stelle  müssen Ampelschaltungen angepasst werden, der Busverkehr wird optimiert. Betroffen von der Temporeduzierung sind auch mehrere Buslinien – insbesondere die Linien 102 und 108, die in der Neben- beziehungsweise Hauptverkehrszeit den Fahrplan nicht hätten einhalten können. Daher werden  noch zwei Kleinbusse angeschafft und zwei zusätzliche Fahrer beschäftigt. 

Ab wann die Tempolimits greifen, ist noch nicht klar. „Wir werden noch in diesem Jahr mit der Umsetzung beginnen“, erklärt Niclas Schlecht, der stellvertretende Pressesprecher der Stadt. Begonnen werde vorrangig mit den Straßenabschnitten, die zum Lärmaktionsplan gehören. Auch sei  zu prüfen, ob ein Tempolimit auf Abschnitten lange Staus hervorrufen würde – zum Beispiel wegen einer Überlastung durch die noch ein Jahr lang  gesperrte Geiselbachstraße. bob / Foto: bul


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Foto: dpa

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Ein Halbschmarotzer auf dem Vormarsch

Nicht gepflegte Apfelbäume sind anfällig für Misteln – „Auf den Fildern ist es ganz schlimm“

Im Rückblick kann es Jens Häußler von der Obst- und Gartenbauberatung des Landratsamts Esslingen kaum glauben: In einem alten Gartenbuch aus den 1960er- oder 1970er-Jahren hat er eine Anleitung gefunden, wie man auf seinen Apfelbäumen Misteln wachsen lassen kann. Heute hingegen sei dieser Halbschmarotzer auf dem lästigen Vormarsch und werde bekämpft.

Halbschmarotzer deshalb, weil die Mistel auch eine eigene Photosynthese betreibt, im Wesentlichen aber den Apfelbaum aussaugt, ihm Wasser und Nährstoffe entzieht. Es muss zwingend ein Apfelbaum sein, denn ein Birnbaum kann sich wehren, schottet sich ab: Will sich beim Birnbaum eine Mistel ansiedeln, lässt dieser die befallenen Zellen absterben. Diesen Dreh hat der Apfelbaum nicht raus. „Früher waren Misteln nur auf alten Bäumen zu finden“, sagt Jens Häußler. Doch heute sei der „Befallsdruck“ so groß, dass Bäume jeden Alters betroffen sind.

Klebriger Schleim am Schnabel

Die zunehmende Ausbreitung sei auch eine Folge der nachlassenden Baumpflege. Ohne regelmäßigen Schnitt verliert der Baum an Vitalität, auf geschwächten Bäumen können sich Misteln besser ansiedeln. Sie werden bis zu 30 Jahre alt. Wird nicht rechtzeitig eingegriffen, stirbt der Baum.

Es gibt männliche und weibliche Misteln, die weiblichen haben weiße Beeren mit einem klebrigen Schleim. Putzt sich ein Vogel an einem Baum den klebrigen Schnabe, bleibt der Samen  hängen. Der Samen kann auch an einem befallenen Baum herunterfallen, trifft den nächsten Ast und befällt auch diesen.

Nicht unter Naturschutz

Stimmen, die fordern, Misteln als Winternahrung für Vögel zu belassen, widerspricht Häußler: Das sei nicht nötig, es sei sinnvoller, für Vögel andere Stauden stehenzulassen. Das Problem sei nicht nur, dass Misteln den Baum aussaugen, durch sie steige auch die Schnee- und Windlast.

Manche denken noch, die Misteln stehen unter Naturschutz. „Nein, sie sind nicht geschützt und können bedenkenlos entfernt werden“, sagt Häußler. Nur wer Misteln gewerblich vermarkten wolle, zum Beispiel mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt, der brauche eine Genehmigung. Auch Christel Schäfer, Vorsitzende des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Esslingen, beobachtet die Zunahme der Misteln. „Auf den Fildern ist es ganz schlimm.“

Nicht auf den Kompost

Wie wird eine Mistel nachhaltig entfernt? Das erläutert Schäfer immer wieder bei ihren Frauenschnittkursen. Die Mistel hat Ausläufer im Baum, deshalb muss der Ast mindestens 20 Zentimeter unterhalb abgesägt werden, sonst treibt die Mistel wieder aus. Was tun, wenn ein Leitast oder sogar der Stamm befallen sind? Dann sollte die Mistel ersatzweise regelmäßig ausgebrochen oder abgesägt werden.

Ganz wichtig: Die Misteln gehörten nicht auf den Kompost. Sonst könnten dort Vögel die Beeren fressen, durch direkten Kontakt mit Bäumen oder über den Kot der Vögel beginnt  das Ganze dann von vorne. Viel besser sei der Schnittgutsammelplatz. Schäfer ermuntert die Gütlesbesitzer, sich um das Problem zu kümmern und so den befallenen Baum zu retten: „Es wäre doch schade um so alte Bäume.“

Aus Rücksicht auf brütende Vögel sollten Misteln bis Ende März entfernt werden, derzeit ist also Pause. Frühestens  ab August ist die Schonzeit vorüber, dann darf wieder geschnitten werden.  pd / Foto: pd


Vorzeigeprojekt wächst heran

Das Steingau-Quartier in Kirchheim spiegelt die Vielfalt der Stadtgesellschaft – Etwa 450 neue Wohnungen

Das  Steingau-Quartier  am westlichen Rand der Kirchheimer Kernstadt wächst langsam aber stetig heran. Erste Gebäude sind bereits bezogen, über etlichen Rohbauten drehen sich die Baukräne. Noch in diesem Sommer gibt es auf einem weiteren Baufeld den  Spatenstich, im kommenden Jahr wird  die letzte noch verbliebene Fläche bebaut. Das Quartier soll von der Planung bis hin zur Nutzung die bunte Vielfalt der Stadtgesellschaft spiegeln und  wird bundesweit als städtebauliches Vorzeigeprojekt betrachtet.

Viele Baugemeinschaften

Nach den stadtplanerischen Vorgaben wurde die Entwicklung des Quartiers kleinräumig auf mehreren Baufeldern geplant. So kamen zwar Investoren durchaus zum Zug, aber auch private Bauherren und vor allem Baugemeinschaften. Jedes Gebäude sollte individuell geplant werden. Dazu soll das Quartier eine ausgewogene Mischung aus Wohnen, Dienstleistung, Arbeitsplätzen, sozialer Versorgung, Einzelhandel und Gastronomie anbieten. Die künftigen Bewohner sollen von   jungen Menschen über Familien bis zur Senioren-WG  den demografischen Querschnitt und die soziale und kulturelle Vielfalt einer Stadt abbilden.

Um den Zuschlag für ein Bauprojekt in einem der Baufelder zu erhalten, galt es für  Investoren und Baugemeinschaften, eine Reihe von Kriterien zu erfüllen. Baulich wird Wert auf eine besondere Gestaltung, auf eine ökologische Bauweise  und auf zukunftsgerechte  Energiekonzepte gelegt. Als  soziale Kriterien, nicht zuletzt für Investoren, muss die Möglichkeit zum Erwerb von Wohneigentum ebenso gegeben sein wie das Wohnen für Menschen, die es auf dem Wohnungsmarkt eher schwer haben. Auch Mietwohnungen mit Mietbindung und Raum für innovative Wohnformen  entstehen. Auf  einigen Grundstücken ist die Ansiedlung von Gewerbe vorgegeben. Dabei sollte eine Kombination von Arbeiten und Wohnen ermöglicht werden, die Erdgeschossnutzung sollte Wirkung in den öffentlichen Raum entfalten, etwa durch Einzelhandel, Handwerk, Kultur oder Gastronomie. Insgesamt  galt es, den Mehrwert des einzelnen Projekts für das neue Quartier, aber auch für die Stadtgesellschaft insgesamt darzustellen.

Das Quartier soll im Wesentlichen autofrei werden. Sogenannte Ankernutzer, die große und prägende Projekte realisieren, müssen   Tiefgaragen bauen, die Bauherren müssen für  jede Wohneinheit in ihrem Gebäude  einen  Tiefgaragenstellplatz erwerben. Oberirdische Parkplätze sollen nur für die Kunden der Gewerbebetriebe geschaffen werden.

Geförderter Wohnraum

150 der insgesamt 450 Wohnungen, die im Quartier entstehen werden, sind Mietwohnungen. 18 Prozent davon wiederum werden auch für Mieter mit schmalem Geldbeutel attraktiv sein, da sie als geförderter Wohnraum günstiger angeboten werden.

Die Gebäude auf einem ersten Baufeld sind bereits im vergangenen  November bezogen worden. Sie beziehen ihre Wärme aus  einer eigenen Heizungsanlage. Ansonsten soll das Steingau-Quartier mit Wärme aus einer Heizzentrale versorgt werden, die die Stadtwerke  einrichten. Sie  besteht aus zwei Blockheizkraftwerken und einem Gas-Spitzenlastkessel. Neben der Wärmeproduktion ist es  möglich, gleichzeitig Strom zu erzeugen. Eines der beiden Blockheizkraftwerke wird mit Agrarmethan betrieben, sodass ein günstiger Primärenergiefaktor erreicht wird und das Quartier auch in energetischer Hinsicht hohen Ansprüchen genügt.  pst / Foto: Jacques