Abgestimmt

Nach Aufhebung der Reisewarnung boomt der Mallorca-Urlaub. Rückkehrer müsste man testen, fordern viele. Sie auch?

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Rückkehrer testen?

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Es droht der Schritt zurück

Liegen die Inzidenzzahlen im Landkreis über 100, werden die Lockerungen wieder aufgehoben

Am Sonntagabend  überschritt  der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Landkreis Esslingen erstmalig wieder   den Wegmarker 100. Er lag bei 108. Ein Schritt zurück statt  der weiteren  Öffnungen, auf die so viele gewartet haben? Bleibt er  jedenfalls drei Tage lang hintereinander über dieser Grenze, müsste  der Handel ab Donnerstag  wieder auf   Kundentermine im Laden verzichten.    Zudem dürften sich dann wieder nur noch Angehörige eines Haushalts mit höchstens einer Person aus einem  weiteren Haushalt privat treffen.  Museen und  Galerien wären fürs Publikum schon nach nur wenigen Tagen  der Lockerung wieder ganz tabu. Gruppentraining im Sport für Kinder unter 14 Jahren wäre dann auch nicht mehr möglich. Und Kosmetik-, Nagel-, Massage-, Tattoo-, Sonnen- und Piercingstudios  müssten  wieder dicht machen.

Damit hätten die  behutsamen Öffnungen der vergangenen Tage   nicht allzu lange Bestand gehabt. Im  Landratsamt ist man bereits dabei, die entsprechende Allgemeinverordnung vorzubereiten. Zumal die steigenden Zahlen nicht auf individuelle, größere Ausbrüche an einzelnen Einrichtungen zurückzuführen sind. „Wir verzeichnen  derzeit zum Beispiel viele familiäre Cluster, auch mit Virusvarianten“, beschreibt Landratsamtssprecherin Andrea Wangner das aktuelle Infektionsgeschehen. Seit dem 20. Januar habe man im Kreis rund 600 Fälle der britischen Corona-Variante gelistet.  Die Pflegeheime seien mittlerweile alle durchgeimpft. „Es trifft jetzt nicht mehr die älteren Menschen, sondern vor allem die 20- bis 59-Jährigen.“

Aus den Schulen seien dem Gesundheitsamt in der vergangenen Woche  32 Corona-Fälle gemeldet worden, aus den Kitas 42. Dass seit Montag  nach den Abschlussklassen auch wieder  alle Grundschüler und die Fünfer und Sechser  im Präsenzunterricht sitzen, ist heftig umstritten. Gereon Basler, Schulleiter des Esslinger Georgii-Gymnasiums, das vor wenigen Tagen wegen drei Corona-Mutationsfällen noch annähernd die  gesamte Kursstufe in Quarantäne schicken musste, spricht  von einem Spagat, den Lehrer, Schüler und  Eltern leisten müssten.

Schnelltests  ausgeweitet

„Man hätte sich schon gewünscht, dass mit der Schulöffnung auch eine entsprechende Teststrategie verbunden ist“, sagt  Esslingens Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar. Die Stadt versucht trotz aller Unklarheiten derzeit alles,  dass ihre Bürgerinnen und Bürger so schnell wie möglich an Schnelltests herankommen  – mit Testzentren, mobilen Testteams oder  privaten Initiativen.

Im Einzelhandel sitzt der Frust ganz tief. Wider Erwarten sei das Einkaufen nach Terminvergabe „sehr gut“  angenommen worden, sagt Alexander Kögel, Chef des gleichnamigen Modehauses und Sprecher der City-Initiative Esslingen.  „Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll, wenn wir  wieder schließen müssten. Ich habe mein ganzes Frühjahrssortiment da und mache womöglich wieder keine Umsätze.“ Kögel verweist auf Fachleute, die im Einzelhandel keinen Treiber des Infektionsgeschehens ausmachen.

Im Einzelhandel hatte sich vergangene Woche zumindest ein Hoffnungsschimmer abgezeichnet  – trotz  aller Unsicherheit angesichts der Pandemieentwicklung. Blumenläden, Gartenmärkte, Buchhandlungen  und Baumärkte haben mit Quadratmeter-Vorgaben je Kunde wieder regulär geöffnet – und die Kundschaft machte von den Möglichkeiten rege Gebrauch. Friseure durften schon eine Woche zuvor wieder zur Schere greifen, Termine waren in aller Regel für die ersten Tage und Wochen schnell ausgebucht. Es blieben jedoch die Händler, denen lediglich eine Teilöffnung zugestanden wurde. 

Für den Kauf von Anzug, Schuhen,  Sportklamotten oder auch Geschirr wurde „Click & Meet“ installiert, wenn sich die Inzidenzzahlen denn zwischen 50 und 100 einpendelten. Die Variante „Click & Collect“ gilt nach wie vor. Esslingens Citymanager  Thomas Müller hat bis Ende voriger Woche erkannt, dass mit den neuen Möglichkeiten „jeden Tag wieder etwas mehr Bewegung in der Stadt“ gekommen sei. Auch wenn die Erfahrungen in den Geschäften ganz unterschiedlich sind. Mal werde  das Kundeninteresse als sehr zurückhaltend beschrieben, mal als überaus positiv. 

Verunsicherung ist groß

Annemarie Kolbe betreibt in Plochingen mit „Bodywear“ einen Laden für Dessous, Wäsche und Bademode. „Die Leute rufen sehr verhalten an“, gab sie ihre „Click & Meet“-Erfahrung wieder. Die Verunsicherung sei eben nach wie vor groß, zumal niemand wisse, in welche Richtung es weitergeht. Mit Sorge beobachtet Kolbe die steigenden Inzidenzzahlen und mögliche  neuerliche Lockdown-Regeln. Sie hofft, dass möglichst rasch Impfungen beim Hausarzt möglich sind.

Holger Heldmaier, Inhaber von Blumen Sonn in Nellingen, hat vergangene Woche nicht nur erkannt, dass wieder Leben eingekehrt war in die Einkaufsmeile Hindenburgstraße, sondern dass „die Leute Bedarf an etwas Schönem haben“. Sein Geschäft lief – nicht von den „Click & Meet“-Grenzen eingeschränkt – wie in Vor-Lockdown-Zeiten. 

Unsicherheit besteht auch, weil in den Landkreisen Unterschiedliches gilt. Denn unter einer Inzidenz von 50 dürfen die Läden sogar ohne Terminvergabe öffnen. Davon kann auch Thomas Flöss vom gleichnamigen Sportgeschäft in Esslingen  ein Lied singen. In seiner Filiale in Waiblingen darf er öffnen, weil der Rems-Murr-Kreis unter dem 50er-Wert lag (zumindest Stand  Ende vergangener Woche).

Aber auch in seinem Geschäft in Göppingen durften Kunden trotz einer Inzidenz über 50 ohne Termin einkaufen – allerdings nur wenige Tage, dann wurde die Regelung wieder einkassiert. Thomas Flöss kann  aber mit der Terminvergabe leben.  „Das läuft ganz unproblematisch ab. In jedem Fall ist es besser, als geschlossen zu haben“, sagte er nach den ersten Tagen.    biz/ch/pep / Foto: Roberto Bulgrin


Grün dominiert auch im Landkreis

Kretschmann, Lindlohr und Schwarz holen die Direktmandate – CDU sackt auf Tiefststand – Zwei Koalitionsoptionen

Die Grünen um Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind die strahlenden Sieger der Landtagswahl vom vergangenen Sonntag. Gegenüber dem Urnengang vor fünf Jahren bauten sie ihren Stimmenanteil auf 32,6 Prozent aus (plus 2,3 Punkte). Die CDU mit Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann fuhr hingegen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein (24,1 Prozent/minus 2,9). Die Verhältnisse spiegeln sich auch im Landkreis Esslingen wider. Erneut holten die Grünen in den Wahlkreisen Nürtingen, Kirchheim und Esslingen mit Winfried Kretschmann, Andreas Schwarz und Andrea Lindlohr die Direktmandate. Insgesamt wird der Landkreis Esslingen im neuen Landtag von acht Parlamentariern vertreten.

In diesen Tagen werden die Sondierungsgespräche beginnen. Unter Führung von Kretschmann besteht nicht nur die Option der Fortführung der grün-schwarzen Koalition, auch eine „Ampel“ aus Grünen, SPD und FDP ist möglich. Für eine  grün-rote Koalition reichte es knapp nicht. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,8 Prozent – deutlich niedriger als die 70,4 Prozent im Jahr 2016. Die Zahl der Briefwähler war coronabedingt weit höher als in den Jahren zuvor.

Bei der Wahl 2016  hatten die Grünen die CDU als stärkste Kraft im Landkreis Esslingen abgelöst. Nun haben dieselben drei Kandidaten dieselben Wahlkreise erneut gewonnen. Und diese haben in Stuttgart Gewicht; Kretschmann,  Schwarz und  Lindlohr  gehören zu den stärksten politischen Akteuren in  der Landespolitik. Dabei fuhren der Ministerpräsident  im Wahlkreis Nürtingen und die stellvertretende Fraktionschefin im Landtag, Lindlohr (Wahlkreis Esslingen),  Ergebnisse deutlich über dem Landesdurchschnitt ein. Fraktionschef Schwarz  betonte in einer ersten Stellungnahme, er wolle sich „mit voller Kraft für eine neue S-Bahn-Verbindung von den Fildern in den Raum Wendlingen/Kirchheim“ einsetzen. Lindlohr erklärte, sie wolle für eine verantwortliche Politik stehen,  „gerade jetzt in  den Coronazeiten“. Als Schwerpunktthemen nannte sie Klimaschutz und die Umgestaltung des Wirtschaftsstandortes. Für den 72 Jahre alten Kretschmann ist es die dritte Wahlperiode an der Macht. Er nehme den Auftrag zur Bildung einer Regierung mit „Dankbarkeit und Demut“ an, sagte er.

Zweitstärkste Partei im Kreis bleibt die CDU, die zumindest in den Wahlkreisen Esslingen und Kirchheim über den Partei-Durchschnitt kam. Am stärksten schnitt bei den Christdemokraten die Newcomerin  Natalie Pfau-Weller ab (Kirchheim). Aber auch Andreas Deuschle im Wahlkreis Esslingen schaffte es über das Zweitmandat in den Landtag.

Die AfD, bislang drittstärkste Fraktion im Landtag, sackte landesweit auf 9,7 Prozent ab (minus 5,4 Punkte). In den drei Wahlkreisen im Landkreis Esslingen schnitt sie  schlechter ab als im Landesdurchschnitt. 

Wie die CDU sackte die SPD auf ein historisch schlechtes Ergebnis ab (11,0 Prozent/minus 1,7 Punkte). Immerhin: Die Sozialdemokraten sind damit drittstärkste Kraft. Und  sie können sich im Landkreis Esslingen besser fühlen als anderswo: Nicolas Fink lag im Wahlkreis Esslingen deutlich, das Kirchheimer Urgestein Andreas Kenner etwas über dem Landesdurchschnitt. Beide zogen über das Zweitmandat ins Parlament. Allein in Nürtingen war, wie schon  2016, für den CDU-Kandidaten Thaddäus Kunzmann und auch für die SPD-Kandidatin Regina Birner kaum etwas zu holen.

Die FDP hat landesweit ordentlich dazugewonnen (plus 2,2 Punkte  auf 10,5 Prozent). Im Landkreis Esslingen  haben die Freidemokraten allerdings einen eher schweren Stand. Allerdings: In Nürtingen holte der Newcomer Dennis Birnstock  das Zweitmandat.

Die Linke wird auch im kommenden Landtag nicht  vertreten sein.   ch/jmf / Foto: dpa/Uli Deck


Abgestimmt

Nach zuletzt miserablen Ergebnissen hat Fußball-Bundestrainer Jogi Löw an Rückhalt verloren. Kommt sein Rückzug zu spät?

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Löws Rückzug zu spät?

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Die Briefwahl boomt

Am 14. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt – Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme

Seit fünf Jahren wird Baden-Württemberg von einer grün-schwarzen Koalition regiert, nun sind die beiden Partner die Konkurrenten, wenn es um die Führung der neuen Landesregierung geht: Am Sonntag, 14. März, wird der neue Landtag gewählt, und die Wahl verspricht spannend zu werden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) trifft dabei auf Kultusministerin und CDU-Herausforderin Susanne Eisenmann. Gibt es am Ende eine Neuauflage von Grün-Schwarz? Oder reicht es doch für eine andere Farbenlehre in der Regierungsverantwortung – Grün-Rot-Gelb etwa? Neben Grünen und CDU sitzen derzeit SPD, AfD und FDP im Stuttgarter Landtag.

Im Landkreis Esslingen sind rund 357 000 Bürgerinnen und Bürger zur Wahl aufgerufen. 38 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich dort um einen Sitz im 17. baden-württembergischen Landtag, aufgeteilt auf die Wahlkreise Esslingen, Kirchheim und Nürtingen. Wobei sogar noch ein vierter Wahlkreis eine Spitze in den Landkreis Esslingen setzt: Reichenbach ist im Jahr 2006 Göppingen zugeschlagen worden. Die Wahlbeteiligung lag im Jahr 2016 landesweit bei 70,4 Prozent.

Anders als bei der Bundestagswahl hat jeder Wahlberechtigte bei der Landtagswahl nur eine Stimme, es gibt keine Landeslisten. Die Stimmzettel sehen in den 70 Wahlkreisen unterschiedlich aus, denn nicht alle zugelassenen Parteien treten überall an. Mit seiner Stimme votiert ein Wähler für den Direktkandidaten seines Wahlkreises. Gleichzeitig wird die Stimme für eine proportionale Sitzzuteilung der Parteien im Landtag herangezogen. Deshalb kommen zu den direkt gewählten Abgeordneten noch 50 weitere hinzu, die keinen Wahlkreis gewonnen haben. Darüber hinaus gibt es Überhang- und Ausgleichsmandate.

Um die Stimmen im Landkreis Esslingen buhlen 13 Parteien und Gruppierungen. Die Grünen, die CDU, die AfD, die SPD, die FDP, die Linke, die ÖDP, die PARTEI, die Freien Wähler (die sich von den auf Kommunalebene bekannten Freien Wählern abgrenzen), die Basis, die Klimaliste Baden-Württemberg und die Partei WIR 2020 treten in allen drei Wahlkreisen an. Im Wahlkreis Nürtingen hat zusätzlich die Partei Demokratie in Bewegung (DiB) den Hut in den Ring geworfen. Im Wahlkreis Kirchheim ist am 14. März ein Einzelbewerber  am Start.

In der jetzt endenden Legislaturperiode ist der Landkreis Esslingen mit sieben Abgeordneten im Landtag vertreten – sechs von ihnen bewerben sich  erneut. Für die Grünen wollen Andrea Lindlohr (Esslingen), Andreas Schwarz (Kirchheim) und Winfried Kretschmann (Nürtingen) erneut die Direktmandate erobern. Hinzu kommen Andreas Deuschle (Esslingen) für die CDU und die SPD-Kandidaten Nicolas Fink (Esslingen) und Andreas  Kenner (Kirchheim).

Der Kirchheimer CDU-Abgeordnete Karl Zimmermann tritt nach 20 Jahren im Landtag nicht mehr an, für ihn geht Natalie Pfau-Weller ins Rennen. Wolfgang Drexler, der vor fünf Jahren für die SPD im Wahlkreis Esslingen in den Landtag eingezogen war, hatte schon zur Halbzeit aus Altersgründen den Platz für seinen Nachrücker, Nicolas Fink, freigemacht.

Die Corona-Pandemie beeinflusst nicht nur den Wahlkampf – dieser entfaltet sich angesichts ausbleibender Präsenzveranstaltungen in neuer, ungewohnter Form –, sondern auch das Wahlverhalten. Die Briefwahl erlebt einen Boom, so vermeldete etwa Wernau bereits Anfang März einen Briefwahlrekord.  ch / Foto: dpa


Eiserne Regeln in der Ritterstraße

Nach der Umwandlung  in eine Fußgängerzone haben Anwohner und Autofahrer in der Esslinger Innenstadt viele Fragen

Was darf ich? Und was darf ich nicht? Anwohner, Anlieger und Verkehrsteilnehmer  sind verunsichert. Seit der Umwandlung der Ritterstraße  in Esslingen in eine Fußgängerzone wissen viele nicht, was Autofahrern noch erlaubt ist. Roland Karpentier, der städtische Pressesprecher, teilt nach Rücksprache mit den  in den technischen Ämtern und dem Ordnungsamt zuständigen Mitarbeitern ganz klar mit: „Das Befahren ist nur mit einer gültigen Ausnahmegenehmigung möglich.

Die Genehmigung: Sehr ritterlich ging es in der und um die Ritterstraße in den vergangenen Monaten nicht zu: Ihre Umwandlung in eine Fußgängerzone rief Proteste bei Einzelhändlern, Geschäftsleuten, Anwohnern und Anliegern hervor. Doch die Stadt möchte  den Parksuchverkehr einschränken, das motorisierte Verkehrsaufkommen verringern, die Aufenthaltsqualität steigern und ein attraktives Quartier in der Innenstadt schaffen. Darum ist die Straße seit Anfang Februar zunächst für eine Probezeit von sechs Monaten bis Herbst zur Fußgängerzone geworden. Noch sind die geplanten Poller, die auch dem Terrorschutz dienen sollen, nicht hochgefahren und in Betrieb. Dennoch, so das Pressereferat, ist das Ein- und Befahren nur eingeschränkt möglich. Ausnahmegenehmigungen würden derzeit an die „Besitzer von privaten Parkmöglichkeiten, an Fahrzeuge des Amtsgerichts, die für den Dienstbetrieb wichtig sind, und an die Württembergische Landesbühne (WLB) erteilt“.

Ausnahmen mit Erlaubnis: Ausnahmegenehmigungen für Personen, die einen Stellplatz auf Privatgrund oder eine Garage in der Ritterstraße haben, können laut Roland Karpentier formlos über verkehr@esslingen.de beantragt werden. In der Mail sollten auch Name, Adresse, Kennzeichen und Örtlichkeit des Stellplatzes angegeben werden. Derzeit sei das Einfahren über die Ritterstraße noch möglich, doch sobald die Poller hochgefahren werden, „sind die Parkmöglichkeiten über andere Straßen erschlossen“. Wer ohne Berechtigung durchfährt, werde kostenpflichtig verwarnt. Zu Beginn der neuen Verkehrsregelungen werde noch ein Auge zugedrückt: „Der kommunale Ordnungsdienst wird unberechtigt Durchfahrende über die neue Situation informieren.“

Die Anlieferzeiten: Während der Anliefer- und Dienstleistungszeiten  von 6 bis 11 Uhr sowie von 19 bis 22 Uhr ist die Ritterstraße ebenfalls nur eingeschränkt befahrbar. In dieser Zeit werden die Poller nach ihrer Inbetriebnahme zwar heruntergefahren, aber eine Durchfahrt ist auch dann nur Berechtigten gestattet. „Das sind alle Fahrzeuge, die für Dienstleistungen und zum Liefern einfahren. Dazu gehören natürlich auch Bewohner, wenn sie ihre Einkäufe nach Hause bringen, sowie mobilitätseingeschränkte Menschen mit der blauen Sichtkarte“, klärt das städtische Pressereferat auf. Sollte es in Einzelfällen nicht möglich sein, sich an die Zeiten zu halten, müsse ein Antrag gestellt werden. Dessen Berechtigung werde dann von der  Verkehrsbehörde im Ordnungs- und Standesamt geprüft: „In begründeten Fällen kann eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Grundsätzlich ist der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung 14 Tage vor dem Termin zu stellen.“

Hemmschwelle Poller: Die Poller an den Zufahrtsstellen zur Ritterstraße sollen laut bisherigem Zeitplan zwischen Ende März und Anfang April hochgefahren werden. Gemessen am aktuellen Baufortschritt könne der Termin aller Voraussicht nach eingehalten werden, sagt das städtische Pressereferat. An der Rechtslage ändere sich dadurch aber nichts: „Für die Zufahrtsrechte sind nicht die Poller maßgeblich, sondern die Beschilderung.“ Ein Absenken der Poller für Privatpersonen sei nicht vorgesehen. Sie müssten für die Zufahrt zu ihrem Stellplatz die umliegenden Straßen benutzen. Freie Fahrt in die Ritterstraße haben nach Inbetriebnahme der Poller nur Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei sowie Mitarbeiter des  Amtsgerichts, und die WLB könne mit ihren großen Lastwagen passieren. Möglich wird dies über eine automatische Kennzeichenerkennung. Daten über die genaue Anzahl zur Durchfahrt Berechtigter liegen der Stadt aber noch nicht vor. Wenn die Poller so stark beschädigt sein sollten, dass sie nicht mehr versenkt werden können, so teilt das Pressereferat mit, werden  die  fest installierten Poller neben den versenkbaren Pollern herausgenommen, um die Zufahrt zu gewährleisten.

Ersatz für Parkplätze: Durch die Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone fallen Anwohnerparkplätze weg. Nach Angaben der Stadt Esslingen soll aber für Ersatz in der Obertorstraße zwischen Altstadtring und Katharinenstraße gesorgt werden: „Aktuell werden vom Kommunalen Ordnungsamt Informationsflyer verteilt.“  sw / Foto: Roberto Bulgrin


„Karriere 2021“ findet virtuell statt

30 Unternehmen stellen sich und ihr Ausbildungsangebot bei der Messe vor – Kommunikation über Chats möglich

Die Messe „Karriere“ ist die Aus- und Weiterbildungsmesse für die Berufswahl in der Region. In Pandemie-Zeiten kann sie nicht wie gewohnt als Präsenzmesse angeboten werden. Deshalb veranstaltet die Eßlinger Zeitung vom 11. bis 14. März erstmals eine rein virtuelle Messe. „Damit wollen wir den Unternehmen die Möglichkeit geben, digital Nachwuchskräfte zu generieren, und den Schülern ein Angebot offerieren“, sagt der  Geschäftsführer der Eßlinger Zeitung, Andreas Heinkel. So kann man sich bequem von zuhause aus informieren – und das vier Tage lang.

Mit der Berufswahl sind viele Überlegungen verbunden: Soll es nach der Schule mit einer Ausbildung oder mit einem Studium weitergehen? Welche Berufsrichtung passt zu mir? Und welcher Betrieb ist dafür geeignet? Wird in meinem Traumberuf  in der Region überhaupt ausgebildet? Solche Fragen klärt die „Karriere 2021“.

Unternehmen verschiedener Branchen und Bildungseinrichtungen machen während der Messe auf sich und ihre Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam.   Schüler der Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen sowie Eltern und Lehrkräfte erhalten einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Ausbildungsberufe.

Starten wird die digitale Karrieremesse am Donnerstag, 11. März,  9 Uhr.  Nach erfolgter Registrierung können  sich Schüler, Lehrer und Eltern  ins Messegeschehen begeben. Die Registrierung erfolgt mit Vor- und Nachnamen sowie E-Mail-Adresse auf der Internetseite der Messe. Mit einem Link  öffnen sich  die virtuellen Messetore. Durch den Eingang des Neckar Forums gelangt man ins Foyer, wo die potenziellen Bewerber aus  Berufsfeldern wählen können: Handwerkliche, kaufmännische, kreative, soziale, öffentlich-rechtliche oder IT-Berufe stehen zur Auswahl.

Hinter diesen Kategorien finden sich  die teilnehmenden Unternehmen. An ihren virtuellen Messeständen präsentieren sich die Firmen mitsamt ihren Ausbildungsangeboten, auch Firmenvideos werden eingebunden. Und ein Chat mit Ausbildern, Auszubildenden oder Personalverantwortlichen ermöglicht die direkte Kommunikation mit den Firmen. Sollte ein Chat gerade nicht besetzt sein, kann man seine Fragen über ein Kontaktformular stellen.

„Weil die virtuelle Messe bereits ab Donnerstag geöffnet hat, haben Lehrer mit ihren Schulklassen die Möglichkeit, die Messe zu besuchen“, macht Heike Poliak-Klein auf einen weiteren Vorteil der digitalen Messe aufmerksam. Deshalb werden die Chats am Freitag von 9 bis 12 Uhr besetzt sein, sagt die Projektverantwortliche der Eßlinger Zeitung. Darüber hinaus werden an den Messe-Tagen weitere Chat-Zeiten angeboten.

Bereits im 13. Jahr veranstaltet die EZ die Aus- und Weiterbildungsmesse. Gemeinsam mit den langjährigen Kooperationspartnern – der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen, der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, dem Landkreis Esslingen sowie Südwestmetall Neckar-Fils – bietet die „Karriere“ einen großen Informationspool.  Ein Rahmenprogramm mit einem Orientierungstest, informativen Videos und Vorträgen lockert die Suche nach Beruf und Ausbildungsbetrieb auf. 

Wer dennoch  den persönlichen Kontakt schätzt, hat bei der diesjährigen Präsenzmesse am Samstag, 10. Juli, im Neckar Forum in Esslingen die Möglichkeit dazu – wenn es die Pandemielage zulässt und unter Einhaltung der dann geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Auch die  Präsenzmesse im Sommer soll virtuell begleitet werden – vom 8. bis 11. Juli.  dan / Foto: Screenshot Bechtle Digital


Abgestimmt

Politiker und Fachleute sind sich uneins darüber, ob ein normaler Osterurlaub möglich sein wird. Und Sie? Planen Sie Ostern zu verreisen?

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An Ostern verreisen?

  • Ja! (67% )
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Am „Böblinger Modell“ orientiert

Auch in Esslingen ist im Kampf gegen Corona ein Schnelltestzentrum eröffnet worden –  Teststrategie greift weiter

Jeder Coronatest könnte  potenziell eine Infektionskette unterbrechen.  Zu viel testen könne man deshalb gar nicht, sagte der Erfinder des „Böblinger Modells“, Björn Schittenhelm, vergangene Woche bei der Eröffnung des Schnelltestzentrums  in der Plochinger Straße 91 in Esslingen. Eine ausgedehnte Teststrategie ist neuer Bestandteil des Kampfes gegen das Corona-Virus, auch wenn um deren genaue Ausgestaltung noch  gerungen wird. Neben dem Testenlassen stehen wohl auch bald Möglichkeiten zur Verfügung, damit sich ein jeder selbst testen kann. Derlei soll bald in den Supermarktregalen zu finden sein. Derweil werden schon Schnelltestzentren eingerichtet, neben Esslingen etwa auch in Nürtingen und Kirchheim – und es wird auch andernorts getestet.

Betrieben wird das  Esslinger Testzentrum in der Plochinger Straße von der  Rosenau-Apotheke und dem DRK-Ortsverein. Ebenfalls beteiligt sind daran die Apotheke im Lammgarten, die Apotheke am Theater, die Schelztor-Apotheke sowie die Bären-Apotheke. Auch andere Apotheken und Hausärzte in der Stadt und im Landkreis Esslingen bieten mittlerweile Corona-Schnelltests an. In manchen Schulen und Kitas wird auch direkt vor Ort getestet, hierfür sind mobile Testteams unterwegs.

In der Plochinger Straße allerdings soll im  großen Stil  jeder getestet werden, der keine Krankheitssymptome hat. „Wenn es richtig rund geht, zielen wir auf 120 Tests in der Stunde ab“, sagte Christof Mühlschlegel, der Geschäftsführer der Rosenau-Apotheke. Der Start Anfang vergangener Woche sei noch „verhalten“ gewesen –  was man aber begrüßt habe. So habe man gewisse „Kinderkrankheiten“ im System erkennen und ausbügeln können,  so Mühlschlegel.

Kostenlos sind die Tests für Lehrkräfte und Angestellte in Kindertageseinrichtungen. Bis zum Beginn der Osterferien haben diese Gruppen Anspruch auf zwei Schnelltests pro Woche. „Wir hoffen, dass die Tests gut angenommen werden“, sagt Esslingens Schulamtsleiter Bernd Berroth. Die in Esslingen verwendeten Schnelltests seien nicht mehr so unangenehm wie bisherige Tests. „Wir haben die neue Generation von Tests mit nach Esslingen gebracht, bei der das Stäbchen nicht mehr so tief in den Nasen-Rachen-Raum geschoben werden muss“, sagt Schittenhelm. Die Genauigkeit sei von den herkömmlichen Schnelltests nicht zu unterscheiden.

Termine im Zwei-Minuten-Takt

Auch Menschen, die in Heilberufen oder direkt am Menschen arbeiten, haben Anspruch auf Schnelltests. Sie können  über die Krankenversicherung abgerechnet werden. Darüber hinaus werden auch „anlassbezogene Tests“ – beispielsweise bei berufsbedingten Reisen oder bei einem Coronafall in der Umgebung – durchgeführt. Hierfür werden die Kosten – derzeit 29 Euro –  aber noch nicht übernommen.

Im  Zentrum in der Plochinger Straße soll der Kontakt mit den Besuchern auf das Nötigste beschränkt werden.   So werden Termine im Zwei-Minuten-Takt über  die Webseite www.corona-schnelltest-esslingen.de vergeben. Die Testwilligen bekommen einen Code, mit dem sie das Zentrum aufsuchen und sich  ausweisen können. Dann geht es in eine von drei Kabinen, von wo aus der Test in einem separaten Raum durchgeführt  wird. Das Ergebnis erfährt man  nach 15 Minuten mit einem Klick auf eine   App. Im Notfall kann man aber auch persönlich  in der Bären-Apotheke einen Termin ausmachen.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger begrüßt das Angebot des Zentrums, auch weil es  mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei. Nachdem beschlossen worden war, dass es für Lehr- und Erziehungspersonal kostenlose Tests geben soll, „habe ich alle Apotheker in der Stadt angeschrieben, die Idee aufzunehmen“, so Zieger. Große Resonanz habe es nicht gegeben, aber langsam zeigten mehr Apotheken Interesse.

Beschränkte Öffnungszeiten

Zieger nutzte die Gelegenheit, um die Informationspolitik von Bund und Land zu kritisieren: „Als Oberbürgermeister erfahre ich abends aus der Tagesschau, welche neuen von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse zur Covid-19-Pandemie bereits am nächsten Tag gelten sollen. Und dies, ohne dass dazu die materiellen Inhalte und die Voraussetzungen zur konkreten Umsetzung der Beschlüsse geklärt und erläutert sind.“ Als Stadtoberhaupt müsse er dennoch den Kopf hinhalten, wenn nicht alles sofort umsetzbar sei.

Das Esslinger Schnelltestzentrum wird mit ehrenamtlichen Sanitätern des DRK Esslingen betrieben. Um die Anmeldung kümmern sich Apotheken-Mitarbeiter. Da die DRK-Mitglieder in ihrer Freizeit testen, sind die Öffnungszeiten entsprechend beschränkt. Geöffnet ist montags bis freitags zwischen 17 und 19 Uhr sowie samstags zwischen 10 und 12 Uhr.

In Nürtingen ist in einem leer stehenden Ladenlokal am Obertor ein Schnelltestzentrum eingerichtet worden. Dort werden  dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie  samstags von 10 bis 12 Uhr ohne Voranmeldung Schnelltests angeboten. Ostfildern testet im kleinen Saal im Kubino in Nellingen. Auch in Kirchheim wird die Strategie „Testen, testen, testen“ verfolgt. Dort ist das Schnelltestzentrum auf dem Güterbahnhofsareal mittwochs von 17 bis 20 Uhr geöffnet (Anmeldung: www.kirchheim-teck.de/online-terminvereinbarung).  the/ch / Foto: Robin Rudel


Standort für die Zukunft

Geplantes Gewerbegebiet am Hungerberg zwischen Kirchheim und Dettingen für Technologie von morgen

Das Gebiet Hungerberg südlich der A 8 zwischen Kirchheim und Dettingen könnte bereits in wenigen Jahren Standort für Zukunftstechnologien werden. Die Verwaltungsgemeinschaft der Kommunen Dettingen, Kirchheim und Notzingen möchte  mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Region zunächst die Hälfte des 42 Hektar großen Gebiets erschließen, 21 Hektar sollen als Vorhaltestandort ausgewiesen werden. Damit verbunden wäre die Chance für die Region, im wirtschaftlichen Strukturwandel nicht abgehängt zu werden.

„Wir stehen vor einem umfassenden Transformationsprozess der Wirtschaft, sowohl global als auch bei uns in Baden-Württemberg“, erklärt Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader  zu den Beweggründen der Kommunen, das Gebiet Hungerberg als Technologiestandort ins Visier zu nehmen. Das Know-how und das wissenschaftliche Potenzial, um diesen tief greifenden Strukturwandel zu meistern, sei in der Region vorhanden. „Wir können von der alten in die neue Welt kommen und auch bei neuen Technologien eine Vorreiterrolle spielen“, sagt Bader. Allerdings benötige es dafür ausreichend dimensionierte Flächen für Entwicklung und Produktion, die als Brachen in bestehenden Gewerbegebieten nicht zur Verfügung stehen.

Das zur Debatte stehende Gebiet Hungerberg südlich der Autobahn umfasst 42 Hektar Fläche, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Zur Umwandlung in ein Gewerbegebiet müssen  der  Regionalplan und der Flächennutzungsplan geändert werden. 21 Hektar sollen zunächst entwickelt werden, 6,5 Hektar davon werden derzeit als Baustellenfläche der Schnellbahnstrecke genutzt.

Wie Bader erklärt auch Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann, dass es bei den Planungen nicht um Wachstum und Flächenversiegelung um jeden Preis gehe.   Vielmehr sei neben der ökologischen auch die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit das Gebot der Entwicklung. Auch deshalb kämen bei den Flächen nur Unternehmen  zum Zug, die sich in Forschung, Entwicklung und Produktion von Zukunftstechnologien engagieren und dort Arbeits- und Ausbildungsplätze anbieten, somit den Strukturwandel in der Region aktiv gestalten. Bader ergänzt, dass damit großflächige Logistik ausgeschlossen sei. „Wir geben das Gebiet nicht für Unternehmen her, die viel Fläche verbrauchen, aber kaum oder gar keine Steuern bezahlen“, sagt Bader.

Da in Dettingen und Kirchheim Befürchtungen laut geworden waren, die Natur könnte bei den Planungen unter die Räder kommen, hatten die Kommunen  Fachgutachter ins Boot genommen. Ihre Expertise helfe auch,   transparent zu informieren, sagt Bader.  So wäre etwa die Störung von Kaltluftströmen ein K.o.-Kriterium für das Gebiet. Dies schließt der Klimaexperte Christian Geißler aus. Nach seinen Untersuchungen fließt Kaltluft von Süden her in den Senken des Jauchert- und des Gießnaubachs am Hungerberg vorbei nach Kirchheim. Auch der Sachverständige für Naturschutz Christian Küpfer  entkräftet  Ängste. An geschützten Arten seien im Gebiet zwölf Lerchen-Brutpaare ausgemacht worden, die umgesiedelt werden müssten. Eidechsen, Fledermäuse und Amphibien kämen nennenswert am Jauchertbach vor, würden aber durch das Gebiet Hungerberg nicht beeinträchtigt. Boden- und Grundwasserschutz, aber auch der Schutz von Insekten  würden im Zuge des Bebauungsplanverfahrens festgeschrieben werden. Wenn dieses Verfahren planmäßig verläuft, könnten in zwei Jahren die ersten Baumaschinen anrollen.   pst / Foto: Jean-Luc Jacques