Phönix aus der Asche

100. Todestag von Graf Zeppelin – Gedenktafel in Filderstadt – 2017 ist Lutherjahr

Was bringt das Jahr 2017? Astrologen und Historiker beschäftigen sich mit dieser Frage. Auf alle Fälle verzeichnet der Kalender 2017 einen Feiertag mehr: Da sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal jährt, wird der 31. Oktober, der Reformationstag, Feiertag in ganz Deutschland. Nicht ganz so weit reicht der Blick auf das Todesjahr von Graf Zeppelin vor 100 Jahren, der im März 1917 starb. Der Luftfahrtpionier, der auf dem Stuttgarter Pragfriedhof beigesetzt ist, hat im Kreis Esslingen Spuren hinterlassen. Zu seinem Todestag wird in Filderstadt  eine Gedenktafel aufgestellt.

Das deutlichste Zeichen für den Erfinder steht in Leinfelden-Echterdingen im Gewann im Stützle im Stadtteil Echterdingen. Es erinnert an das Unglück 1908, bei dem Zeppelins Luftschiff zerstört wurde, und das gleichzeitig den Siegeszug der Luftfahrzeuge einleitete.

Zeppelin befand sich Anfang August 1908 auf einer Fahrt vom Bodensee über Basel nach Straßburg. Der Flug war für die Firma des Luftschiffbauers überlebensnotwendig: Die Reichswehr wollte einen Zeppelin kaufen, vorausgesetzt das Modell LZ4 meisterte einen 24-Stunden-Betrieb. Eine heikle Sache: Zeppelin hatte sein gesamtes Privatvermögen in den Bau des LZ4 gesteckt. Und die Motoren, erbaut bei Daimler,  machten Probleme. Bereits am 4. August musste Zeppelin bei Mainz landen. Tags drauf ging er in Echterdingen runter – er hatte den Ort wegen der räumlichen Nähe zu den Daimlerwerken gewählt. Das Luftschiff wurde vertäut und die Monteure schraubten. Ein Gewitter zog auf, der Wind riss das Schiff los, schleuderte es in eine Streuobstwiese auf Bernhausener Gemarkung, wo es explodierte und ausbrannte. Zeppelin war pleite.

Den Menschen auf den Fildern tat der Bruchpilot leid, und sie hielten offenbar viel von seiner Technik. Sie sammelten: Mehr als sechs Millionen Mark kamen zusammen. Zeppelin gründete damit die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und rief eine Zeppelin-Stiftung ins Leben. Sein Projekt stand von da an finanziell auf sicherem Boden. In den folgenden 30 Jahren dominierten die Zigarren den Himmel. Zwischen 1900 und 1938 wurden insgesamt 119 Zeppeline gebaut. Die Ära endete im Jahr 1937, als die Hindenburg bei Lakehurst nahe New York vermutlich nach einem Blitzschlag in Flammen aufging.

Zwei Monate nach dem Brand 1908 ließ Echterdingen einen Gedenkstein am Ortsrand aufstellen und reklamierte den Status als Zeppelin-Gemeinde für sich.

In Filderstadt hat dies schon länger Begehrlichkeiten geweckt. Schließlich lag der Ort der zerstörerischen Flammen auf Bernhausener Markung.  Zu Zeppelins 100. Todestag, am 8. März, will Filderstadt am „Tatort“ im Industriegebiet in der Felix-Wankel-Straße eine sechs mal acht Meter große Tafel mit Fotos und Texten aufstellen. Im Kreisverkehr, an dem Ort, wo im Jahr 1908 der gescheiterte Flugpionier wie Phönix aus der Asche zu seinen Höhenflügen abhob.   bob

Foto: EZ-Archiv


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