Punkthaus kann gebaut werden

Bebauungsplan für Plochinger Bruckenwasen ist rechtskräftig – Gegner haben viele Unterschriften gesammelt

Im Mai hat der Plochinger Gemeinderat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein sechsstöckiges „Punkthaus“ im  Bruckenwasen beschlossen. Das Projekt hatte zuvor für Verwerfungen in der Stadt gesorgt, die Väter der Gartenschau 1998  auf den Plan gerufen und für eine Unterschriftensammlung gesorgt.

Neuer Wohnraum wird gebraucht, aber zu hohe Verdichtung oder Vernichtung von Grünflächen tun weh. Auch bei dem geplanten Neubau im Bruckenwasen gingen die Meinungen weit auseinander, obwohl an dieser Stelle eigentlich schon immer ein Gebäude geplant war. Architekt Ivano Gianola und Landschaftsplaner Jörg Stötzer, die in den 90er-Jahren das Gelände als Wohngebiet und Landschaftspark entwickelt haben, sahen von Anfang an mehr Gebäude vor als heute stehen. Im ursprünglichen Bebauungsplan waren generell fünf Stockwerke möglich, errichtet hat man allerdings nur vier. Dafür sollte nun das Punkthaus – in der Art eines „kleinen Ausrufezeichens“, wie Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling es einmal formulierte – zunächst auf sieben Stockwerke gehen. Das sah die Planung des Plochinger Architekturbüros Geiselmann + Hauff für den Bauträger, die r:con GmbH, vor. Sie möchte das Grundstück bebauen, das die Stadt ebenso wie ein weiteres, zwischen den bestehenden Häusern im Bruckenwasen liegend, zum Verkauf angeboten hatte.

Doch sieben Stockwerke waren aus Sicht vieler Bürger  zu viel. Das Haus, das diametral zur Alten Spinnerei in der freigebliebenen Ecke entstehen soll, wäre damit rund zehn Meter höher als die Nachbargebäude, wobei der oberste Stock eine etwas zurückgesetzte Penthouse-Etage sein sollte. Die Verfasser der Unterschriftensammlung gegen das Projekt kritisierten diese Höhe, sie verstoße auch gegen den „Eckpfeiler“, dass die Alte Spinnerei das höchste Gebäude bleiben solle. 1400 Personen unterschrieben schließlich Anfang 2019 online oder auf Papier gegen das Projekt. Zu den Wortführern zählten Altbürgermeister Eugen Beck sowie zwei weitere Väter der Plochinger Gartenschau, Hartmut Strobel, damals Kämmerer, und Andreas Sättele, damals Verbandsbaumeister. Weitere Kritikpunkte der Gegner waren die Verschattung der Nachbarwohnungen oder negative Auswirkungen auf das Lokal „Steiner am Fluss“.

Wichtigste Argumente der Befürworter waren der Bau von dringend benötigtem Wohnraum ebenso wie die Tatsache, dass dort von jeher Wohnbebauung vorgesehen war. Verbandsbauamt und Stadtverwaltung beurteilten auch die Qualität des Projektes anders, Bürgermeister Frank Buß sprach von einer städtebaulich absolut vertretbaren Planung. Als Entgegenkommen hat der Bauträger nun das Gebäude um ein Stockwerk reduziert, eine weitergehende Verkleinerung sei aber im Hinblick auf den Grundstückspreis wirtschaftlich nicht tragbar, betont er. Somit bleiben sechs Geschosse, diese jedoch alle komplett – die Penthouse-Etage fällt weg. Damit werden 18 neue Eigentumswohnungen mit Tiefgarage entstehen. Der vorhandene oberirdische, derzeit provisorische Schotterparkplatz soll vergrößert und befestigt werden.

Diesen Plänen stimmte der Gemeinderat nun mehrheitlich mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung zu. Seit Ende vergangener Woche ist der Bebauungsplan rechtskräftig. Einen Bauantrag müssen die Architekten trotzdem noch einreichen, das dürfte aber, da der Bebauungsplan ja darauf abgestimmt ist, reine Formsache sein. Wie schnell gebaut wird, hängt auch davon ab, wie der Verkauf der Wohnungen jetzt anläuft. „Wir gehen zur Zeit davon aus, dass wir nächstes Frühjahr beginnen können“, sagen die Architekten.  aia / Foto: Architekturbüro Geiselmann + Hauf


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