„Qualität statt Quantität“

Unterkunft für 60 bis 70 Flüchtlinge in Lenningen – Professionelle Betreuung und großer Helferkreis

Der Landkreis Esslingen hat in der vergangenen Woche in der Gemeinde Lenningen eine neue Flüchtlingsunterkunft eröffnet. Voraussichtlich am Donnerstag, 26. Januar, werden dort zwischen 60 und 70 Flüchtlinge einziehen, die bislang in einer Notunterkunft, der Zelthalle in Dettingen, untergebracht waren.

Noch wirken die Räume und Flure im ersten und zweiten Stockwerk des früheren Firmengebäudes am südwestlichen Ortsrand des Lenninger Teilorts Oberlenningen recht karg. An manchen Stellen schauen noch Kabel aus den hell gestrichenen Wänden, einige Abdeckungen für Heizungsrohre fehlen noch, ein Absperrband hängt im Treppenhaus, es riecht noch nach Baustelle. Doch schon bald wird dort Leben einziehen. Der Landkreis Esslingen hat die beiden, zuvor vom Eigentümer umgebauten Etagen als Unterkunft für Flüchtlinge gemietet. Sobald die letzten Arbeiten erledigt sind, werden dort 60 bis 70 Männer einziehen, die bislang notdürftig in der Zelthalle in Dettingen untergebracht waren.

Wie Peter Keck, der Sprecher des Landkreises Esslingen, sagt, war ursprünglich eine Belegung des Gebäudes mit bis zu 149 Menschen geplant, für die pro Person rechnerisch 4,5 Quadratmeter Wohn- und Schlaffläche zur Verfügung gestanden hätten. „Allerdings sind auch bei uns im Kreis die Flüchtlingszahlen stark gesunken. Im Januar 2016 waren es noch etwa 820, im Dezember sind gerade mal 81 Menschen angekommen“, berichtet er. Das erlaube es dem Landkreis, ab sofort eine Regelung anzuwenden, die ab 1. Januar 2018 verbindlich sein wird. Danach stehen jedem Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft sieben Quadratmeter Wohnfläche zu.

Die künftigen Bewohner werden in Zwei- oder Dreibettzimmern leben, die mit Schränken, einem Kühlschrank, einem Tisch und Stühlen ausgestattet sind. Die Sanitärräume und eine große Küche mit mehreren Herden, die auch als Aufenthaltsraum genutzt werden kann, finden sich auf jeder Etage. „Die künftigen Bewohner leben teilweise schon den zweiten Winter in der Zelthalle. Nun bekommen sie zum ersten Mal feste vier Wände und etwas Privatsphäre“, beschreibt Keck.

Die sinkenden Flüchtlingszahlen bieten laut Peter Keck dem Kreis nun auch die Möglichkeit, „den Menschen eine ordentliche Unterkunft zu geben. Es bleibt eine große Herausforderung, aber wir müssen weg von der Quantität hin zur Qualität, von den Zelten und Baucontainern zu festen Unterkünften“, sagt er. Denn noch leben derzeit in sechs Kreiskommunen insgesamt mehr als 500 Menschen notdürftig in Zelthallen.

Weniger Flüchtlinge bedeutet auch, dass die Menschen besser betreut werden können, beschreibt der Kreissprecher. In Lenningen stehen dafür professionelle Helfer der Arbeiterwohlfahrt und der Bruderhaus-Diakonie bereit. Außerdem hat sich auch dort ein großer und rühriger Helferkreis von Ehrenamtlichen gebildet, der die Flüchtlinge im Alltag unterstützen wird. „Die Ehrenamtlichen leisten eine wertvolle, unverzichtbare Arbeit“, betont Keck.     pst / Foto: pst

 

Info: Kontakt zum Lenninger Helferkreis über Madeline Lesourd, t 01 76/ 43 63 13 78 oder E-Mail madeline.lesourd@bruderhausdiakonie.de.

 

Nachdem die Flüchtlingswelle im Herbst 2015 ihren Höhepunkt erreicht hatte, begannen die Flüchtlingszahlen ab Januar 2016 langsam abzunehmen. Nach Mitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart wurden im Jahr 2016 in Baden-Württemberg insgesamt rund 32 900 Flüchtlinge registriert, 2015 waren es noch rund 98 000. Im Regierungsbezirk Stuttgart gibt es zwei große Erstaufnahmeeinrichtungen in Ellwangen und Wertheim, die nach starker Überbelegung im Jahr 2015 in den Regelbetrieb zurückkehren. Die Notunterkünfte im Regierungsbezirk wurden nicht mehr benötigt, so wurden auch die Turnhallen der Universität Stuttgart-Vaihingen und der Hochschule Esslingen wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben. Auch wurde das Zeltlager im Reitstadion in Bad Cannstatt aufgelöst.

Allerdings konnten auch im Südwesten viele der 2015 angekommenen Flüchtlinge erst im Folgejahr einen Asylantrag stellen, da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) überlastet war. Mittlerweile seien alle Rückstände aus dem Jahr 2015 abgearbeitet. In Baden-Württemberg wurden daher im vergangenen Jahr 84 610 Erstanträge auf Asyl gestellt. Das waren laut Bamf 11,7 Prozent aller Erstanträge in ganz Deutschland. Baden-Württemberg liegt damit auf dem zweiten Platz nach Nordrhein-Westfalen (27,2 Prozent) und vor Niedersachsen (11,5 Prozent). Die Asylbewerber werden nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt.    red/dpa


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