Ringen um den Radschnellweg

Plochingen will seinen Landschaftspark schonen – Esslingen diskutiert über Trasse am Nord- oder Südufer des Neckars

Eigentlich will das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) noch in diesem Jahr die Vorplanung für die rund 20 Kilometer lange Radschnellwegtrasse zwischen Esslingen und Reichenbach abschließen. Bislang strampeln sich die Planer aber noch an zwei Hürden ab: In Plochingen will der Gemeinderat auf keinen Fall eine Asphaltstrecke durch die Streuobstwiesen im Landschaftspark Bruckenwasen haben. Jetzt hat er einen Alternativvorschlag nach Stuttgart geschickt. Und die Stadt Esslingen hatte sich zuletzt zwar schon darauf festgelegt, dass die Trasse auf ihrer Markung ab dem Alicensteg auf der Südseite des Neckars Richtung Deizisau geführt werden soll. Auf welcher Flussseite sie zwischen der Markungsgrenze Stuttgart bis dahin aber verlaufen soll, wird noch einmal überprüft.
Für diesen ersten Esslinger Streckenabschnitt hatten die Planer bislang wegen der kreuzungsfreien Linienführung und dem höheren Nutzerpotenzial die Nordseite des Neckars favorisiert. Aus Sicht des Rathauses wäre der auch deshalb attraktiv, weil mit dem anschließenden Schwenk beim Landratsamt auf die andere Uferseite die Sanierung des maroden Alicenstegs mitfinanziert werden könnte. Es gibt jedoch auch Stimmen im Gemeinderat, die eine neue Neckarbrücke weiter flussabwärts für funktionaler und die Südroute über die Pliensauvorstadt für weniger konfliktbehaftet halten.
Auch die Plochinger Ratsrunde hat den Stuttgarter Planern für einen Teil der geplanten Trassenführung schon grünes Licht gegeben. Einig ist man sich mit dem RP, die neue Radlerstrecke von Deizisau kommend am südlichen Rand des Landschaftsparks Bruckenwasen entlang der Kreisstraße zu führen und über eine neue Brücke etwa unter dem Plochinger Dreieck aufs östliche Neckarufer zu leiten. Doch ab da scheiden sich bislang die Geister: Die Planer wollen die Radler am liebsten durch die Streuobstwiesen des östlichen Landschaftsparks und unter der bestehenden Bahnunterführung beim Fischerheim ins Filsgebiet leiten. Doch der Bruckenwasen ist für den Plochinger Gemeinderat tabu, zudem befürchtet die Stadt in der schmalen Bahnunterführung zu viel Gedrängel. Jetzt hat hat sich der zuständige Ausschuss einstimmig hinter eine Alternativroute gestellt, die das eigene Verbandsbauamt als Ausweg aus der Sackgasse entwickelt hatte.
Diese aktuelle Plochinger Wunschtrasse lehnt sich an eine schon länger bestehende Variante mit einer neuen Bahnunterführung nördlich der Wernauer Kläranlage an. Die war dem RP aber bislang zu teuer, zu zeitaufwendig und zu schwierig. Zumal sie dann weiter entlang der Bundesstraße hätte verlaufen sollen – inklusive massiver Höhenunterschiede und langer Rampen. Auch der neue Vorschlag aus Plochingen braucht die neue Unterführung, führt dann aber anschließend nicht bergaufwärts entlang der B 10, sondern schwenkt ins Filsgebiet ab, das die Stadt ohnehin komplett neu ordnen will. Dann soll es südlich entlang der Fils weiter in Richtung Reichenbach gehen – bislang hatte Plochingen das Nordufer der Fils bevorzugt.
Diese Streckenführung käme bei der neuen Bahnunterführung mit wesentlich kürzeren Rampen aus und könnte den bestehenden Zufahrtsweg südlich der Fils nutzen. Sie bräuchte im weiteren Verlauf Richtung Reichenbach zwar eine weitere Brücke. Dafür würde der Ersatz der alten Filsbrücke, die die Stadt im Zuge der Neuordnung ihres Gewerbegebiets plant, finanziell nicht zulasten des Radschnellwegs verbucht. Allerdings hat auch diese Trasse ihre Tücken: Sie braucht teils private Grundstücke, zudem müssen die Interessen eines landwirtschaftlichen Betriebs und der Kleintierzüchter berücksichtigt werden. Der Bürgermeister Frank Buß: „Wir sind überzeugt davon, dass das der bessere, schnellere und fahrradfreundlichere Weg ist.“
Diese Überlegungen waren bereits im März Thema eines Ortstermins mit Vertretern aus dem RP sowie Plochingen und Wernau. Verbandsbauamtsleiter Wolfgang Kissling zufolge hat es seitens der Nachbarstadt positive Signale gegeben. Und die RP-Vertreter hätten zugesagt, die Vorschläge in ihre Planungsüberlegungen einzubeziehen. Bereits die Machbarkeitsstudie des Landkreises von 2019 hatte für diesen Abschnitt eine neue Bahnquerung und eine ähnliche Streckenführung ausgewiesen.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


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