Schwester Amalie würde staunen

Der Weg zur Hochdorfer Seniorenresidenz war lang – Jetzt steht der Rohbau

Amalie Hauser, die von 1960 bis 1985 Gemeindeschwester in Hochdorf war, kommt zu späten Ehren: Nach ihr wird die neue Seniorenresidenz bei der Breitwiesenhalle benannt. Das haben die Bürger entschieden. Gebaut wird das Haus mit dem Konzept „Wohnen Plus“ von der Evangelischen Heimstiftung, die dafür mehr als 13 Millionen Euro investiert.

Der Bedarf sei natürlich hoch, sagt Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler, denn bislang gibt es keine Einrichtung für Pflegebedürftige im Ort. Ein erster Anlauf für ein Pflegeheim mit Supermarkt am gleichen Standort war vor gut zehn Jahren per Bürgerentscheid gekippt worden. Mit der Evangelischen Heimstiftung fand die Gemeinde nun einen Wunschpartner und ein neues Konzept.

Als Pflegeheim könne man die Amalien-Residenz aber nicht bezeichnen, betont Kuttler: Eher schon als Alternative dazu, aber auch für noch eigenständige Menschen passend. Stationäre Pflege wird dort nicht stattfinden, stattdessen werden verschiedene Wohnformen angeboten – kombiniert mit der Möglichkeit, einen Pflegedienst im Haus zu nutzen, in dem Umfang, den man braucht oder wünscht.

Zum einen entstehen 40 Pflegewohnungen, zwischen 37 und 55 Quadratmeter groß, alle mit Balkon oder Terrasse sowie barrierefreiem Bad. Sie sind mit einem technischen Assistenzsystem ausgestattet, das unter anderem automatische Nachtlichter und eine auto­matische Herdabschaltung umfasst und im Notfall Alarm auslöst. Pflege- oder Hauswirtschaftsleistungen können zusätzlich gebucht werden. So sollen die Bewohner möglichst lange die Eigenständigkeit bewahren. Außerdem wird eine ambulant betreute Wohngemeinschaft mit zwölf Zimmern bestehen. Und schließlich wird es eine Tagespflege für 15 Gäste geben.

Im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes kommt zudem die Mensa für die benachbarte Breitwiesenschule unter. Bisher gibt es dort keinen separaten Raum fürs Mittagessen, es wird in den Räumen der Schulkindbetreuung ausgegeben. Das ist nicht ideal, zumal die Betreuung sehr gefragt sei, „Tendenz immer noch steigend“, berichtet Kuttler. Die neue Mensa ist für 180 Essen in zwei Schichten ausgelegt, die Kinder brauchen künftig nur einmal quer über den Hof zu gehen. Dieser Teil wird von der Gemeinde finanziert, die dafür einen Zuschuss aus der Schulförderung erwartet.

Die Evangelische Heimstiftung investiert dagegen in die eigentliche Residenz, bekommt aber auch Zuschüsse: Die Deutsche Fernsehlotterie fördert speziell den Bau der ambulanten Wohngemeinschaft mit 300 000 Euro. Weitere 251 000 Euro schießt das Land Baden-Württemberg für den Bau der Tagespflege zu. Im Oktober war Richtfest an dem Gebäude, dessen Fertigstellung für Ende des kommenden Jahres vorgesehen ist. Anfang 2021 könnten dann die ersten Bewohner einziehen. Bislang liege man bestens im Zeitplan, bestätigt Kuttler.

Das Ortsentwicklungskonzept umfasst noch weitere Pläne für das Breitwiesenareal. Als nächstes Projekt ist ein Wohn- und Geschäftshaus zwischen der Residenz und der Roßwälder Straße geplant, mit kleinen Läden im Erdgeschoss, medizinischen Dienstleistern, Büros und Wohnungen. Daran angrenzend soll ein kleiner Dorfplatz entstehen. Der bestehende Schotterparkplatz wird erneuert und vor allem strukturiert, wodurch man zusätzliche Plätze gewinnt. Er wird auch künftig als Festplatz nutzbar sein. Und schließlich soll der Talbach aufgewertet und besser zugänglich werden, mit teilweise abgeflachten Ufern und einem mäandernden Verlauf.  aia / Foto: aia


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