Sperrige Botschaft

Ostern als höchster christlicher Feiertag – Herausforderung für Gläubige

Ostern ist zwar das höchste christliche Fest, doch die Kirchen sind an Weihnachten am vollsten. Die Botschaft des ewigen Lebens ist so einfach nicht zu begreifen und nicht leicht zu vermitteln. Für die Kirchen ist das eine Herausforderung.

Weihnachten zieht auch Menschen in die Kirchen, die übers Jahr keinen Gottesdienst besuchen. „Das sehen wir auch sehr deutlich“, sagt Pfarrer Stefan Möhler, Pfarrer der katholischen Gemeinde Sankt Paul in Esslingen. Den Grund sieht er im  Verständnis der jeweiligen Feiertage. „Weihnachten ist einfach zu begreifen“, sagt Möhler. „Die Geburt eines Kindes und die Freude darüber kennt jeder Mensch aus der eigenen Erfahrung.“ Aber der Sieg des Lebens über den Tod, das Auferstehen von den Toten? „Das ist Kern- und Höhepunkt der christlichen Botschaft“, sagt Möhler. Und gleichzeitig die größte Herausforderung für den Christen. „Diese Botschaft ist letztlich eine reine Glaubensentscheidung und die Auseinandersetzung damit ein lebenslanger Prozess.“ Das mache Ostern eher schwer zugänglich, zumal der freudige Tag des Ostersonntag am Ende einer düsteren Zeit mit Verrat, Tod und Trauer über Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag steht. Theologisch gesehen gibt die Passionszeit laut Möhler ebenfalls eine zentrale Botschaft wieder: „Gott erspart uns das Leid nicht, aber er lässt uns darin nicht allein.“

Traditionell hat die evangelische Kirche den Karfreitag als ihren höchsten Feiertag gesehen. „Weil nur durch den Tod Erlösung zu erfahren ist“, wie Michael Waldmann, der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen, erklärt. Der Fokus  habe sich gewandelt, der Blick der Gläubigen richte sich stärker auf das freudige Osterfest, eher wie bei den Katholiken. „Aber gerade in einer Zeit, in der Leid und Tod an den Rand gedrängt werden, ist es wichtig, das zu thematisieren und nicht wegzuschieben“, sagt Waldmann.

Wie aber bekommt man die Osterbotschaft an die Menschen? Immer häufiger gibt es Osternachtsfeiern. „Vor Sonnenaufgang in die Kirche gehen und das Hellwerden erleben, das spricht die Menschen an“, sagt Michael Waldmann, der am Ostersonntag und -montag traditionell Menschen tauft.

Der Termin für Ostern hängt nicht von religiösen Werten, sondern vom Mond ab. Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert, also zwischen dem 22. März und dem 25. April. Die Ostertage beeinflussen andere Feiertage. Sieben Tage später ist der Weiße Sonntag, der Tag der ersten Kommunion. 40 Tage zuvor beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. 50 Tage nach Ostern ist Pfingsten und davon abhängig sind die Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam.

In diesem Jahr feiern auch die orthodoxen Christen Ostern am 16. April. Meist aber sind sie später dran, da sie ihr Osterfest nach dem alten julianischen Kalender berechnen.

Der Ostermontag ist ein Relikt aus der Frühkirche, als sich das Osterfest als Zeit der Freude und der Taufe über eine ganze Woche bis zum Weißen Sonntag erstreckte.     bob

Foto: dpa


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