Überwiegend optimistisch

Neujahrsempfang der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen – Festvortrag zum Thema Religion – Wechsel in der Geschäftsführung

Trotz aktueller „potenzieller Risiken“ wie dem Brexit oder dem Richtungswechsel in der amerikanischen Handelspolitik zeigt sich Heinrich Baumann,  der Präsident der Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen der Industrie- und Handelskammer (IHK), im Hinblick auf die lokale Wirtschaft überwiegend optimistisch. Das sei auch bei einem Großteil der Unternehmen im Landkreis Esslingen nicht anders, verwies er beim IHK-Neujahrsempfang im Esslinger Neckar Forum auf eine erste Tendenz der noch im Detail auszuwertenden IHK-Umfrage. Dennoch: Natürlich hätten „die beiden politischen Erdbeben“, die Großbritannien und die USA im vergangenen Jahr erschütterten, für eine gewisse Ratlosigkeit gesorgt, seien doch gerade die USA für die baden-württembergische Wirtschaft das Exportland Nummer eins. Für Verunsicherung sorgen laut Baumann zudem die Terroranschläge in Europa, die Entwicklung in der Türkei und die vielen Krisen der Europäischen Union: „Bislang als unumstößlich geltende Wahrheiten scheinen mit einem Mal über Bord gekippt und nicht mehr zu gelten. Als sicher geltende Prognosen werden von der Realität eines Besseren belehrt.“

Der Optimismus hiesiger Unternehmer lasse sich vor diesem Hintergrund wohl dadurch erklären, dass sie auch in Zeiten der Veränderung ihre Chancen suchen. „Wir sollten daher nicht den Teufel an die Wand malen und uns verrückt machen lassen. Konzentrieren wir uns auf die Stärken, die unsere Wirtschaft hat“, so der klare Appell. Schließlich sei das wirtschaftliche Umfeld bereits seit der Finanzkrise 2008 schwieriger geworden. Baumann mahnte eine verlässliche Wirtschaftspolitik und gute Standortbedingungen an: Themen seien dabei etwa der flächendeckende Breitbandausbau, die Verkehrsin­frastruktur und der Fachkräftebedarf. Eine enorme Herausforderung sei auch die Integration der Flüchtlinge, die bleiben dürfen.

„Wirtschaft lebt auch von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen kann. Dazu gehören Recht und Moral, vielleicht auch Religion“, spannte Baumann den Bogen zum Festvortrag des Tübinger Theologieprofessors Karl-Josef Kuschel mit dem Titel „Volle Moscheen – leere Kirchen? Zur Zukunft des Christentums in Deutschland“. Aktuell löse die hierzulande starke Präsenz des Islam mit seinen radikalisierten Minderheiten einerseits Ängste und Abwehr aus, andererseits aber auch eine nie dagewesene Bereitschaft zur Integration, zum Dialog und zur Zusammenarbeit. Gleichzeitig erkennt Kuschel Gleichgültigkeit und Desinteresse gegenüber dem Christentum in Deutschland. Statistiken sprächen von rund 3,5 Millionen Muslimen in Deutschland, die Flüchtlinge seit 2015 nicht eingerechnet. Die Zahl der Moscheen werde aktuell auf 2750 geschätzt, christliche Gotteshäuser gebe es etwa 45 000 in Deutschland.

Große Teile der mit uns lebenden Muslime seien angesichts der kriegerischen Selbstzerfleischung der islamischen Welt genauso beunruhigt, betonte Kuschel. Spätestens seit den Terroranschlägen in Europa 2015 und 2016 müsse genauer hingeschaut werden, müsse nach den Ursachen gefragt werden. Was die Wirtschaft angehe, so habe man „bis in die Führungsetagen weltweit operierender Firmen begriffen, dass in einer ökonomisch global vernetzten Welt Geschäfte mit Vertrauensbildung zwischen den Partnern zu tun haben, und dass diese Vertrauensbildung auch abhängt von der Sensibilität für Geschichte, Kultur und Religion des jeweils Anderen“. Die ökonomische und politische Abhängigkeit von Ländern mit islamischer Prägung sei gerade in den Bereichen der Sicherheits-, Energie- und Wirtschaftspolitik bedeutend. Ein freier Welthandel, gepaart mit kulturellem Protektionismus und weltreligiöser Ignoranz, funktioniert laut Kuschel nicht. Vielmehr gelte es, sich auf die Grundwerte zu besinnen, die zehn Gebote des Christentums seien dabei die Kernbotschaft.

Die goldene Regel Jesu vertiefe diese Werte: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun.“ Respekt, Verständnis und Solidarität bildeten einen unlösbaren Zusammenhang zwischen dem eigenen Wohlergehen und dem anderer. „Und der Andere ist immer auch der Andersglaubende, Andersdenkende und Anderslebende“, machte Kuschel klar.

 

„Für mich ist dieser Abschied ein großer Schritt. Obwohl ich ihn mir gewünscht habe, fällt er mir schwer. Ich bin sehr gerne hier gewesen.“ Nach acht Jahren hat Hilde Cost den Posten der leitenden Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen abgegeben, Nachfolger ist Christoph Nold. In den vergangenen Jahren habe sie den Landkreis Esslingen als sehr wirtschaftsstark kennengelernt: „Ich habe die Menschen hinter den Zahlen kennengelernt und bin schwer beeindruckt. In dieser Landschaft zwischen Neckar, Filder und Albtrauf gibt es ein unglaubliches Potenzial an innovativen Unternehmen.“ Sie sehe zwar die Herausforderungen, vor denen diese stünden, „aber ich bin überzeugt, dass sie sie meistern können“.

IHK-Präsident Heinrich Baumann lobte die scheidende Geschäftsführerin: Nach insgesamt 30 Jahren bei der IHK kenne sie das Kammergeschäft in- und auswendig. Sie habe nie aufgehört, ihren Horizont zu erweitern und habe so zu jedem neuen Thema eine fundierte Meinung. Cost sei „uneitel, unbedingt verlässlich, zielorientiert, stilsicher, empfindsam, ausgleichend, humorvoll und immer freundlich“. Ihrem Nachfolger Christoph Nold hinterlasse sie eine bestens organisierte Bezirkskammer und ein motiviertes, schlagkräftiges Team.

Der neue Geschäftsführer dankte seiner Vorgängerin für die gute Einarbeitung der vergangenen Wochen: „Sie haben ein hervorragend bestelltes Feld und große Fußstapfen hinterlassen. Das ist Herausforderung und Anspruch zugleich“, sagte  Nold. Schritt für Schritt wolle er nun den Landkreis, seine Unternehmen und Unternehmer kennenlernen.        eis / Foto: bul


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