Unter Zeitdruck

Bau der Kelchstützen für Tiefbahnhof Stuttgart begonnen – Stückpreis 1,85 Millionen

Sie sind weiß, von einer eleganten Form und Architekten und Ingenieure geraten ins Schwärmen: Der Bau der sogenannten Kelchstützen, die die Decke des Stuttgarter Tiefbahnhofs und die Lichtaugen tragen sollen, hat begonnen. 28 Kelche müssen bis 2021 fertig gebaut werden – ein ehrgeiziges Unterfangen.

Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH hat inzwischen die Kelchbewehrung fertiggestellt sowie den größten Teil der Schalung des sechs Meter hohen, ersten Stützenabschnitts, des sogenannten Kelchfußes, begonnen. Beton soll dort voraussichtlich im Juni fließen.

32 Meter beträgt der Durchmesser im oberen Bereich der ersten Kelchstütze. Dort sitzt auch das Lichtauge, das für Tageslicht im Tiefbahnhof sorgen soll. Verbaut werden rund 350 Tonnen Stahlstreben. Der Kelchfuß besteht aus 35 Kubikmetern, der darauf befindliche Kelch aus 650 Kubikmetern Beton. Insgesamt müssen pro Kelchstütze mehr als 1000 Quadratmeter Fläche geschalt werden. Für den Kelchfuß werden dabei vier vorgefertigte, dreidimensionale Schalblöcke verspannt. Für den eigentlichen Kelch werden 60, für die aufgesetzte Hutze noch einmal 24 Schalelemente benötigt.

Es sollen immer zwei Kelchstützen parallel gebaut werden – im Wesentlichen vor Ort. Die Planer rechnen mit einer Bauzeit von sechs Monaten pro Kelch.

Damit wären die Stützen erst 2021 fertig – in dem Jahr also, in dem der gesamte Tiefbahnhof schon fertig sein sollte.

Überhaupt stellen die Kelchstützen die Ingenieure vor besondere Aufgaben: „Eine solche Konstruktion hat es nie gegeben“, sagt Bernd Hillemeier. Es gebe also keine Referenzzahlen. Der Professor für Baustoffkunde berichtet von der Betonrezeptur und der Art der Schalung. „Beton ist Mathematik, ist Physik, ist Chemie, ist Kunst. Die weißen Kelchstützen sind ein Meisterwerk aus Technik, Wissenschaft und Management“, schwärmt Hillemeier, der auch Vorsitzender des Beirats der Projekt Stuttgart–Ulm GmbH ist.

Die Ingenieure mussten ein dauerhaft weißes Erscheinungsbild der Kelche schaffen. Dazu musste eine spezielle Betonrezeptur gefunden werden. Außerdem mussten die Techniker dafür sorgen, dass die Konstruktion brandsicher ist, sprich: Sie muss Temperaturen bis zu 1200 Grad überstehen, ohne zusammenzubrechen. Jeder Kelch wird je nach Standort eine etwas andere Form aufweisen als sein Nachbar. Die Kosten für einen Kelch beziffern die Planer mit 1,85 Millionen Euro. „Die Kelchstützen sind architektonisch einzigartig und gleichzeitig eine große bautechnische Herausforderung. Wir bauen einen Bahnhof, auf den Stuttgart stolz sein wird“, sagt Manfred Leger, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

Ottmar Bögel, Gesamtprojektleiter des ausführenden Bauunternehmens Ed. Züblin AG, erinnert an die Facharbeiterleistungen. „In jeder Kelchstütze stecken nicht nur unser Know-how und viele Tonnen Stahl und Beton, sondern auch das Herzblut der Eisenbieger, Betonbauer und Ingenieure“, sagt er.             bob / Foto: bob


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