Versorgung gesichert

Alle Praxen im Aichwalder Ärztehaus sind vermietet – Modellcharakter

Mit einem kommunalen Ärztehaus will Aichwald dem drohenden Ärztemangel vorbeugen. Die Gemeinde hat für knapp drei Millionen Euro einen Neubau im Schanbacher Zentrum erstellt, in dem sie mehrere Praxen kostengünstig an Mediziner vermietet. Das Konzept scheint aufzugehen, alle Flächen sind vermietet. „Wir freuen uns total, dass es so geklappt hat“, sagt Bürgermeister Nicolas Fink. „Damit erfüllt sich genau das, was wir erhofft hatten.“

Allgemeinärztin Edda Hoffmann und Zahnarzt Jörg Lachmann sind bereits ins Ärztehaus eingezogen. Beide hatten vorher andere Räume in Schanbach. Dritte im Bunde ist Christiane Lopes: Die Internistin, die bisher Oberärztin in einem Stuttgarter Krankenhaus war und in Baltmannsweiler wohnt, wird Anfang Januar die Praxis im ersten Geschoss beziehen. Zwei Räume auf dieser Etage sind momentan für die Diakonie- und Sozialstation reserviert, die während der Sanierung des Rathauses in Aichschieß ein Ausweichquartier braucht.

Hoffmann und Lopes wollen als Gemeinschaftspraxis zusammenarbeiten, sich also gegenseitig vertreten und aushelfen. Das ist Teil des Konzepts: Die Praxen im Haus seien alle groß genug, dass die Ärzte sie sich mit Kollegen teilen oder auch Fachärzte dazuholen können, sagt Fink. Damit wolle man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, sagt der Bürgermeister, sodass es attraktiv ist, in Aichwald Arzt zu sein. Ebenfalls Teil des Konzepts ist die Barrierefreiheit des Gebäudes, das eine Tiefgarage und einen Aufzug hat. Hinzu komme modernste Technik für die Mediziner. Beim Potenzial der Räume sei  „noch einiges denkbar“, meint Fink. Aber auch mit der jetzigen Situation – mit drei Ärzten Anfang 40 – muss sich die Gemeinde vorläufig keine Sorgen machen.

Momentan ist noch von „Probebetrieb“ die Rede, offizielle Eröffnung des Ärztehauses ist am 21. März. Eine ganze Reihe von Kommunen hat sich schon nach dem Modell erkundigt. Zwar gebe es noch keine konkreten Nachahmer, aber viele Gespräche, berichtet der Rathauschef. Auch in Aichwald hat der Prozess vom ersten runden Tisch mit den örtlichen Ärzten bis zur Fertigstellung mehr als sechs Jahre gebraucht. Dass die Gemeinde selbst investiert und vermietet, ist ungewöhnlich, sie ist als schuldenfreie Kommune mit stabilen Finanzen aber auch in einer komfortablen Lage. Fast drei Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Ein kleiner Zuschuss zur Tiefgarage kam aus dem Landessanierungsprogramm, weitere Förderung nicht, da Aichwald nicht zum ländlichen Raum zählt und auf den entsprechenden Töpfen folglich der Deckel drauf blieb.

Auch architektonisch setzt das von der Arbeitsgemeinschaft Esslinger Architekten geplante Gebäude an der Ortsdurchfahrt einen Akzent. Das Giebeldach und der ausgeprägte Flachdachvorbau sind durchaus typisch für das Quartier, mit seinen kräftigen Farben und den „rostigen“ Cortenstahl-Elementen an der Front zieht es die Blicke an.     aia / Foto: aia


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