Veto des Verkehrsministeriums

Der Wunsch aus Plochingen, Reichenbach und Ebersbach nach Tempo 80 auf ihren B-10-Abschnitten wird nicht erfüllt

Weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit, einen besseren Verkehrsfluss und weniger Schleichverkehr: Das haben sich die Bürgermeister Frank Buß aus Plochingen, Bernhard Richter aus Reichenbach und Eberhard Keller aus Ebersbach im Nachbarkreis Göppingen erhofft, als sie im Januar beim Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) auf ihren Abschnitten der B 10 gemeinsam ein Tempolimit von maximal 80 Kilometern je Stunde für Autos und 60 für Lastwagen beantragt hatten. Die Antwort kam jetzt nicht aus dem RP, sondern aus dem Verkehrsministerium – „da diesem Anliegen grundsätzliche Bedeutung beigemessen wurde“ , wie es in dem von Ministerialdirektor Berthold Frieß unterzeichneten Brief heißt, der an alle drei Bürgermeister ging. Nichtsdestotrotz ist die Antwort „für uns alle drei enttäuschend“, so Frank Buß. Denn das Ministerium hat den Wunsch der Bürgermeister ausgebremst.
Dabei haben sich die maximal 80 Kilometer je Stunde, die seit langem auf dem Abschnitt der Bundesstraße zwischen Stuttgart und Plochinger Dreieck und auf der abzweigenden B 313 bis zur A8 gelten, nach Ansicht des Trios bewährt. Doch schon auf der Plochinger Hochbrücke geht es in Richtung Göppingen bis zur Uhinger Galerie mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde weiter. Vor allem die Reduzierung des Krachs für die Anwohner in einer hochverdichteten Region ist den Rathauschefs ein Anliegen. Zudem staue es sich regelmäßig auf der Bundesstraße – mit dem Resultat, dass viele Autofahrer auf die Ortsdurchfahrten ausweichen würden. Und im Fall Reichenbach kommt laut Bürgermeister Richter auch noch ein Unfallschwerpunkt an der Querspange dazu.
Das Ministerium verweist in seinem Antwortschreiben indessen darauf, dass „in den vergangenen Jahren an der B 10 hier bereits umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt“ worden seien. „Im Rahmen der Lärmvorsorge wurden Lärmschutzwände am Plochinger Dreieck und in Reichenbach errichtet.“ Zudem sei im Jahr 2021 wieder ein lärmtechnisch optimierter Belag auf einer Länge von zehn Kilometern in beiden Fahrtrichtungen eingebaut worden. Insgesamt sei den Kommunen „ein über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehender Lärmschutz zuteil geworden“, so eine Sprecherin des Ministeriums. Man habe deshalb die Forderung nach einem Tempolimit abgelehnt und die Kommunen darauf hingewiesen, dass sich die gewünschte Geschwindigkeitsreduzierung allenfalls aus den Lärmaktionsplänen ergeben könnte.
„Zufriedenstellend ist diese Antwort nicht“, betont Frank Buß. Die drei Bürgermeister hätten sich jedoch darauf verständigt, nicht noch einmal eine große gemeinsame Aktion daraus zu machen. Schließlich komme die Antwort ja vom zweiten Mann aus dem Verkehrsministerium, hat auch sein Reichenbacher Kollege Richter keine große Hoffnung, dass sich an der Abfuhr noch etwas ändern könnte. Das ändert jedoch nichts an der Enttäuschung und dem Unverständnis in den Kommunen. In Plochingen will man noch einmal nachprüfen, was es mit dem Verweis auf die Lärmschutzwände am Plochinger Dreieck auf sich hat. Der Erinnerung des Bürgermeisters zufolge datieren sie in die Zeit, als auf dem Bruckenwasen ein Wohnviertel gebaut worden ist – und das war zur Landesgartenschau 1998. Und Richter erinnert daran, dass der lärmmindernde Asphalt seinen Vorgängerbelag nur ersetzt habe – und damit nichts Neues zur Lärmreduktion beigetragen habe.
Was den Verweis auf die Lärmaktionspläne anbelangt, sind Plochingen und Reichenbach gebrannte Kinder, denn sie erreichen die erforderlichen Schwellenwerte nicht. Der Ebersbacher Gemeinderat hat im April seinen Lärmaktionsplan verabschiedet. Der sieht unter anderem ein Tempolimit auf der B 10 vor. Das Ministerium verweist hier aber unter anderem auf den „Verhältnismäßigkeitsgrundsatz“. Und wenn das Tempolimit in der Nachbarstadt im Filstal durchginge, „wäre das ja ein Witz“, so Richter. „Dann habe ich in Ebersbach 80, bei uns wieder 100 oder 120 und auf der Brücke nachher wieder 80. Wie soll man das einem Autofahrer erklären?“

biz / Foto: Klaus Franke


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