Viel Verbesserungspotenzial

Die Diskussionen zur Entwicklung des Plochinger Bahnhofs drehen sich um Vorplatz, Busbahnhof und Verkehrsführung

Der  Plochinger Bahnhof soll zur Mobilitätsdrehscheibe werden, die öffentliche und private Verkehrsmittel miteinander verknüpft. Er soll attraktiver und barriereärmer werden, ebenso wie sein Vorplatz und der Busbahnhof. Und dann ist noch die entscheidende Frage zu klären, die Plochingens Bürgermeister Frank Buß so formuliert: „Welcher Verkehr soll künftig in diesem Bereich fließen?“ In ihrer Entscheidungsfindung wurde die Stadt gerade zum zweiten Mal durch Corona ausgebremst.

Derzeit wird die Fassade des Bahnhofs renoviert. Im Rahmen des Bahnhofsmodernisierungsprogramms II geht es aber auch um Wegebeziehungen, Barrierefreiheit und eine generelle Modernisierung. Ein weiterer Baustein betrifft die Übergänge zu anderen Verkehrsmitteln, also beispielsweise Park- und Halteplätze, Elektroladesäulen oder Fahrradstellflächen. Die Stadt müsste sich bei diesem Programm finanziell beteiligen, bekäme aber auch Fördermittel in erheblichem Umfang. Weil diese bis Ende Oktober 2021 beantragt sein müssen, muss sie sich sputen.

Weiterentwickelt werden soll aber auch das Bahnhofsumfeld, wobei die Verkehrsführung die zentrale Frage ist. Schon vor Jahren hat der Gemeinderat die Idee diskutiert, die Verkehrsachse aus der Esslinger Straße hierher zu verschieben, und zwar ab der ehemaligen Gaststätte Lamm. Vom Bahnhofsparkhaus bis zur Robert-Bosch-Straße ist die Eisenbahnstraße bereits entsprechend ausgebaut, und auch der aktuelle Umbau der Kreuzung zur Wilhelmstraße geht von einem Hauptverkehrsstrom in dieser Richtung aus. Zudem wird eine Abbiegespur eingerichtet, die Parkhauszufahrt ist bereits verlegt – beides soll einem reibungslosen Busverkehr dienen.

In ihrem westlichsten Teil müsste die Eisenbahnstraße noch ausgebaut werden, vor allem aber im östlichen Teil, der jetzt eine Einbahnstraße ist. Dort hat die Stadt nach langwierigen Verhandlungen die Grundstücke zwischen Fahrbahn und Gleis eins von der Bahn erworben  und im Sommer die nicht mehr genutzten Gebäude abgebrochen. Lediglich ein Haus ist noch im Privatbesitz. Dieses wäre einem zweispurigen Ausbau im Weg, aktuell steht aber ohnehin nur eine Interimsnutzung der freigeräumten Flächen an: Sie sollen für Pkw- und Bus-Stellplätze und für ein Fahrradparkhaus hergerichtet werden.

Die Verlagerung des Verkehrs in die Eisenbahnstraße würde die dort wohnenden Menschen stärker belasten. Es sind aber weitaus weniger als in der Esslinger Straße entlastet würden. Das Zentrum hätte weniger Verkehr, die Esslinger Straße könnte zur attraktiven Fahrradroute werden. Aber zu einem Bahnhofsvorplatz mit Aufenthaltsqualität passt diese Verkehrsführung wiederum nicht. Die Offene Grüne Liste hat deshalb eine andere Idee ins Gespräch gebracht: die Esslinger Straße als Einbahnstraße in Richtung Altbach auszuweisen, die Eisenbahnstraße als Einbahn in der Gegenrichtung. Damit habe man lediglich eine Fahrspur vor dem Bahnhof und mehr Gestaltungsspielraum.

Um das abwägen zu können, hätten Verwaltung und Gemeinderäte gerne Zahlen, die sie sich vom bereits begonnenen Verkehrskonzept MOVE erhoffen. Dieses soll unter anderem ein Rechenmodell liefern, mit dem verschiedene Szenarien durchgespielt werden können. Bürgermeister Frank Buß bedauert deshalb sehr, „dass wir die Bürgerbeteiligung für MOVE zweimal verschieben mussten“. Zwingend ist sie zwar nicht, aber bei „so einer wichtigen Zukunftsfrage“ einfach angemessen, meint er. Jetzt ist die Stadtverwaltung gerade dabei, eine alternative Form der Bürgerbefragung, online oder auf Papier, vorzubereiten.  aia / Foto: aia


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