Vier Sterne für den Neckartal-Radweg

Der ADFC zeichnet die Route aus – Trotz aller Anstrengungen zur Aufwertung gilt es noch, Problemstellen zu beseitigen


Fast ohne Steigungen führt der Neckartal-Radweg vom Neckarursprung im Schwenninger Moos bis zur Rheinmündung in Mannheim. Nun ist dieser Radweg in die Liga der 51 Qualitätsradfernwege in Deutschland und Europa aufgestiegen: Er hat vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Auszeichnung als Vier-Sterne-Radweg erhalten. Sie gilt bis Ende 2017, dann wird eine erneute Zertifizierung fällig.

Die höchste Kategorie, die der ADFC vergibt, sind fünf Sterne. Diese hohe Messlatte haben bisher nur zwei Fernradwege geschafft: das „Liebliche Taubertal“ als einziger in Deutschland und der „Neusiedler See Radweg“ in Österreich. In Baden-Württemberg haben zudem der Südschwarzwald- und der Kocher-Jagst-Radweg die Vier-Sterne-Auszeichnung.

Bei der ersten Bewertung des Neckartal-Radwegs vor einem knappen Jahr wurden die vier Sterne noch knapp verfehlt. Also haben die 17 Partner der Marketingkooperation Neckartal-Radweg kurzfristig an Schwachstellen nachgebessert und so die Gesamtbewertung verbessert. Die Kooperation wurde im November 2013 gegründet, ihr gehören Landkreise, Städte und Tourismusgemeinschaften an, darunter auch der Landkreis Esslingen.

Der ADFC hat den Neckartal-Radweg in 50 Kilometer langen Tagesetappen bewertet, dabei zählte allein die Sicht des Radtouristen. Mit 15 Prozent floss die Befahrbarkeit ein: Kilometergenau wurde die Breite des Weges erfasst, bei Straßenabschnitten die Verkehrsfrequenz. Engstellen, Barrieren und Poller gaben Abzug.

Bei diesem Kriterium erreichte der Radweg drei Sterne. Bei der Oberfläche, ebenfalls mit 15 Prozent bewertet, waren es hingegen vier: Die Maximalbewertung gab es für glatten Asphalt, schlechter waren die Werte für Kopfsteinpflaster, schlecht verlegte Platten oder Sand. Auch ungesicherte Querrillen, große Löcher und Treppen wurden genau erhoben. Für die gute Wegweisung gab es volle fünf Sterne.

Bei der Routenführung überprüft der ADFC Lärm, Geruch und Staub, Umwege, Höhenmeter oder eine monotone Führung. Drei Sterne zogen die Wertung ebenso etwas nach unten wie die Drei-Sterne-Verkehrsbelastung. Dafür gab es für die touristische Infrastruktur die Maximalsterne: Bei Gastronomie und Unterkunft, Infotafeln, Abstellanlagen, Spiel- und Rastplätzen ist alles im grünen Bereich. Auch die Anbindung mit Bahn und Bus ist hervorragend. Für das Marketing, also Kartenmaterial, Internetpräsenz, Events und Pauschalen vergab der ADFC drei Sterne. Dabei wird ständig weiterentwickelt, kürzlich ist eine nagelneue Übersichtskarte erschienen in einer Auflage von 200 000 Stück.

Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, war bei der Übergabe der Auszeichnung vor einigen Wochen zugegen. Gemeinsam mit Verkehrsminister Winfried Hermann freue er sich über den verkehrspolitisch und touristisch großen Schritt, sagte er. Er hoffe, dass der Neckartal-Radweg zum Vorreiter werde. Die Geschäftsstelle des Neckartal-Radwegs ist beim ADFC in Stuttgart angesiedelt. Geleitet wird sie von Kathleen Lumma. Nach der Befahrung, sagte sie, habe der ADFC eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen erstellt. „Die Anlieger haben etliche Problemstellen beseitigt“, sagte sie. Doch noch immer gebe es solche auf die ganze Route verteilt. „Wir arbeiten daran.“ Ein Problem ist etwa, dass von Horb nach Rottenburg auf einer stark befahrenen Landesstraße gefahren werden muss. Manches braucht auch seine Zeit: In Heilbronn wird der Neckartal-Radweg durch das Gelände der Bundesgartenschau 2019 geführt. Zwischen Lauffen und Heilbronn wird ab 2017 eine neue Brücke gebaut.

Die Stadt Esslingen bereitet die Weiterführung des Radwegs vor, der bisher über die neue Brücke bis zum Hengstenbergareal führt. Er wird unter der Bahnlinie hindurch zurück zum Neckar fortgesetzt. Ist diese Verbindung gebaut, wird der Neckartal-Radweg über den Bahnhofsvorplatz geführt. Damit ist die Engstelle auf der Neckarseite des Bahnhofs beseitigt. Außerdem hofft die Stadt, so mehr Radtouristen zu einem Aufenthalt zu bewegen. In diesem Jahr soll zudem der Abschnitt zwischen dem Steg an der Eissporthalle und dem Hainbach erneuert werden. Ein Problem bleibt am Entennest beim Altbacher Kraftwerk, wo sich werktags Radfahrer und Lastwagen begegnen. In Nürtingen wird beklagt, dass Radtouristen an der Innenstadt vorbeigelotst werden. Auf der Gemarkung Oberboihingen ist eine Verlegung des Radwegs weg von der Landesstraße 1219 ans Neckarufer geplant, der Baubeginn aber nicht vor 2016.

Doch trotz solcher Problemstellen: So gut wie aktuell waren die 366 Kilometer Neckartal-Radweg in der Summe noch nie. „Das Land nimmt viel Geld in die Hand“, lobte Lumma.  „In drei Jahren kommen wir wieder“  – zur nächsten Zertifizierung.        pd/ch / Foto: pd

Info: Eine kostenlose Übersichtskarte vom Neckartal-Radweg gibt es bei der Geschäftsstelle Neckartal-Radweg, Reinsburgstraße 97 in Stuttgart, t 07 11/6 15 31 36, info@neckartalradweg-bw.de, www.neckartalradweg-bw.de


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