Virenwelle wogt weiter

Influenza- und Noroviren aktiv – Volle Krankenhäuser im Kreis Esslingen

Die Grippewelle hat im Landkreis Esslingen bislang rund 500 Menschen erwischt. Das sind die meisten Krankheitsmeldungen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Eine Ausnahme bildete nur das „Schweinegrippejahr“ 2009. Auch das Norovirus ist aktiv. Das macht sich im öffentlichen Leben deutlich bemerkbar: Viele Menschen sind krank.

Die Zahl von rund 500 Influenzafällen für den Landkreis ist die offizielle, doch Albrecht Wiedenmann, der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt  des Kreises, geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. „Das ist deutlich mehr, das können etwa zehn Mal so viele Influenza-Erkrankte sein“, schätzt er. Also rollt die Grippe mit dicker Bugwelle – darin ist sich  Wiedenmann mit seinen Kollegen in den Krankenhäusern einig.

Torsten Ade, der Leiter der Notaufnahme des Klinikums Esslingen, kann sich an keinen vergleichbaren Verlauf erinnern. „Wir spüren den Druck extrem“, sagt er. Zur Verschärfung der Lage trage das gleichzeitige Auftreten von Noroviren, die ebenfalls meldepflichtig sind, bei. „Beides sind Erkrankungen, die einen erhöhten Isolationsbedarf haben“, stellt Ade klar. Schließlich sollen ein Norovirenpatient und ein Influenzakranker keine Mitpatienten anstecken. Für den Klinikalltag  bedeute das einen erhöhten Aufwand bei der Bettenplanung. Im Extremfall liege dann ein Patient allein im Drei-Bett-Zimmer oder ein anderer für eine Nacht im Bett auf dem Gang. Den anderen Kliniken im Kreis geht es nicht anders. „Unsere Häuser in Nürtingen, Kirchheim und Ruit sind voll“, sagt Iris Weichsel, die Pressesprecherin der Kreiskliniken. Und nicht nur Patienten sind krank, sondern auch Mitarbeiter der Kliniken. Der Betrieb laufe zwar regulär, berichten Ade und Weichsel. Häufiges Umplanen sei aber notwendig.

Noch will Ade keine Entwarnung geben. Er rechnet damit, dass die Grippewelle noch bis zu drei Wochen andauern kann. Insofern könne eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein. Albrecht Wiedenmann sieht das ähnlich: Vor allem Risikopatienten sollten sich in dieser Frage mit ihrem Arzt besprechen, rät er. Für Kinder gibt es überdies eine Impfung durch Nasenspray. Aber auch geimpft kann man erkranken, erklären die Mediziner. Zumal in diesem Jahr das Serum nicht genau passe. Nach der Entwicklung des Serums im vergangenen Frühjahr haben sich nachträglich Eiweißmerkmale des Erregers geändert. Influenza zeigt sich derzeit überall. Auch im Kirchheimer Rathaus sind viele Mitarbeiter krank: „Manche Abteilungen sind nur teilweise belegt“, sagt Stefan Wörner, der Leiter der Hauptverwaltung. Er ist aber sicher: „Der Bürger merkt davon nichts, der Service ist gut wie immer.“ Er hat den Eindruck, dass sich „das Rathaus jetzt langsam wieder füllt“.     bob / Foto: dpa


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