Vollgas mit 13 Jahren

Max Hesse aus Wernau ist Kart-Nachwuchsfahrer – Mit sechs Jahren erstes Rennen gefahren – Traum von einer Profikarriere

Seine Eltern halten öfter mal den Atem an, wenn sie ihrem Sohn zuschauen. Aber für Max Hesse ist es das Größte, mit 140 Sachen über den Asphalt zu heizen. Der 13-Jährige aus Wernau hat bereits einen Namen im Motorsport und große Ziele. Im aktuellen Jahr stehen 13 nationale und internationale Rennen in seinem Kalender, unter anderem bei der Kart-Weltmeisterschaft.

Den ursprünglichen Pressetermin musste Max verlegen, weil ein Anruf von Mad-Croc in Italien kam. Max gehört zum Team des Chassis-Herstellers und wurde gebeten, bei der WSK Super Masters Series zu starten. Lief es bei der Qualifikation an den ersten zwei Tagen noch nicht optimal, schaffte er es am Rennsonntag nicht nur ins Finale, es sprang sogar ein bemerkenswerter sechster Platz heraus. Wegen einer Zeitstrafe wurde dann allerdings Platz 15 daraus.

Im vergangenen Jahr hat sich das Nachwuchstalent erstmals bei internationalen Rennen präsentiert – und ist dabei aufgefallen. So kommt es, dass Max der einzige deutsche Werksfahrer im Junioren-Bereich ist. Auf nationaler Ebene hatte er schon lange auf sich aufmerksam gemacht, bei den Bambini war er drei Jahre in Folge Deutscher ADAC-Kart-Meister. Das Triple hat vor ihm noch niemand geschafft. Mit sechs Jahren fuhr Max sein erstes Rennen. In den Motorsport eingestiegen ist er schon drei Jahre vorher. Sein Vater Mario, selbst ehemaliger Kart-Fahrer, nahm den Filius öfter mal zum Zuschauen mit. Worauf der selbst unbedingt fahren wollte. In einem „Puffo-Kart“, dem kleinsten Modell, durfte er auf einer Modellauto-Rennstrecke erstmals ans Steuer. Mario Hesse hatte eine Sicherung eingebaut, mit der er notfalls per Fernsteuerung das Gas hätte abdrehen können.

Mittlerweile fährt Max längst auf sich allein gestellt. Dazu gehört auch, auf den Motor zu hören, das Fahrzeug zu putzen und selbst mal zu schrauben. Die Datenaufzeichnung beim Fahren und die spätere Analyse tragen dazu bei, dass Max versteht, was im Motor vor sich geht.

Sein Vater ist recht gelassen, wenn das Nachwuchstalent Vollgas gibt. „Ich weiß, dass er Spaß dabei hat, deshalb macht es mir nichts aus“, sagt er. Max’ Mutter Kathleen ist es nicht wohl beim Zuschauen. Egal, in welcher Klasse er fuhr – immer sei Max „der Jüngste und Kleinste“ gewesen. Gefahren wird mit Helm, Schutzanzug und Rückenschutz, aber ohne Gurt, denn bei einem Unfall wäre es besser, aus dem Fahrzeug rauszufliegen als darin sitzen zu bleiben. Ein ernsthafter Crash ist dem Jungpiloten noch nie passiert. Einmal hat er eine Rippe gebrochen, weil es ihn in einer S-Kurve gegen eine Kante drückte. Aber nach einem Eisbeutel ist er im nächsten Durchgang weitergefahren.

Beim starken Beschleunigen und Abbremsen wirken gewaltige Kräfte. 35 Kilometer Strecke werden bei einem Rennen gefahren, oft mit zwei Durchgängen am Tag. Dabei ist der Körper von Kopf bis Fuß angespannt, ganz besonders der Nacken und die Arme. „Durch die g-Kräfte und die Rundenanzahl ist es schon sehr anstrengend“, sagt Max. Auf seinem Stundenplan steht zweimal die Woche Joggen und zweimal Krafttraining. Die ADAC-Stiftung Sport, die ihn unterstützt, lädt ihn regelmäßig zum Fitness-Check vor und bietet zudem „Mentaltrainig“ an, das Konzentration und Reaktion schult. „Das macht mir sehr viel Spaß“, sagt Max, „das sind meistens Übungen, die man im Alltag machen kann.“ Auf einem Bein stehend die Zähne zu putzen, vielleicht sogar mit geschlossenen Augen, ist ein Beispiel. Auch Ernährung ist schon ein Thema. Verboten sind Hamburger und Pommes nicht, aber Maß halten ist angesagt.

Auf Rennstrecken trainiert Max, wenn sich die Gelegenheit bietet – mal in Wackersdorf, mal in Kerpen oder bei Mad-Croc am Gardasee. Daneben lebt er aber auch das Leben eines ganz normalen 13-Jährigen. „Ich geh auch mal einfach so raus“, sagt er, „heute war ich Fußball spielen mit Freunden.“ Und die Noten müssen stimmen, sonst wäre Schluss mit Motorsport. Was Max im Unterricht verpasst, muss er nachlernen. Die Schule sei entgegenkommend, „die wissen, dass er das nicht nur als Hobby macht“, sagt Mario Hesse. Dass ihm die ganze Klasse schon mal per Live-Stream beim Rennen zugeschaut hat, hat den Jung-Rennfahrer sehr gefreut.

Für dieses Jahr hat Max sich eine Menge vorgenommen: Bei den deutschen Junioren-Kart-Meisterschaften möchte er „in die Top 3 fahren“, bei der Europa- und der Weltmeisterschaft ins Finale kommen. Und längerfristig? „Mein Hobby zum Beruf machen und Geld damit verdienen“, sagt er selbstbewusst.       aia / Foto: Niemann


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