Vom Ausflugsziel zum Zuhause

Die  Gaststätte Krone in Aichschieß soll  einem Wohnbauprojekt weichen – Änderung des Bebauungsplans ist Voraussetzung

Es sei „ein Teil der Aichschießer Geschichte“, der womöglich bald zu Ende gehe, sagt Stefan Felchle, der Hauptamtsleiter der Gemeinde Aichwald, mit Blick auf die „Krone“.  Der alte Landgasthof soll abgerissen werden und Wohnungen weichen. Die erste Hürde haben die Pläne der Eigentümer genommen: Einstimmig hat der Aichwalder Gemeinderat  in seiner jüngsten Sitzung grundsätzlich zugestimmt, den Bebauungsplan für die Grundstücke, auf denen die „Krone“ steht, zu ändern. Die Verwaltung hat nun den Auftrag, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten und einen städtebaulichen Vertrag mit den Investoren vorzubereiten.

An der Änderung des Bebauungsplans war das Projekt bei seinem ersten Anlauf vor drei Jahren gescheitert. Die Kosten für das Verfahren werden die Investoren tragen.  Angesichts des großen Wohnraumbedarfs in der ganzen Region und dem schlechten Zustand des in die Jahre gekommenen Landgasthofes begrüßen die Verwaltung und der Gemeinderat das Projekt. Das Areal zieht sich vom Kreisverkehr Remstal-/Alte Dorfstraße bis zur Straße Im Holderbett. Das letzte Wort ist freilich noch nicht gesprochen. Im weiteren Verlauf bedürfen der neue Bebauungsplanentwurf und der Bauantrag noch der Zustimmung.

Die „Krone“ hat offensichtlich schon bessere Tage gesehen. Der helle Putz bröckelt von der Fassade, der Herd im Lokal ist laut Felchle seit etwa vier Jahren kalt, die Metzgerei steht mittlerweile Jahrzehnte leer. Nur die Fremdenzimmer sind noch vermietet.

Nachdem Christof Schefenacker im Jahr 1900 die Genehmigung für den Bau und Betrieb der Gastwirtschaft bekommen hatte, sah die Lage noch anders aus. Er wollte „in Aichschieß als einem der schönsten Ausflugspunkte des Schurwaldes“ Ausflüglern, Sommergästen, Fuhrleuten und Holzhändlern ein „wirklich angenehmes Local“ bieten, wie die Aichwalder Ortschronik (1999 beim DRW-Verlag erschienen) aus seiner Antragsbegründung zitiert. Die Rechnung ging auf, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Aichschieß zum Luftkurort für Menschen aus der Umgebung, im Winter fuhr man hier Ski. Schon 1905 wechselte der Besitzer der „Krone“, Wilhelm Wilhelm, Metzger aus Strümpfelbach, übernahm. 1954 wurden im Hinterhof ein Schlachthaus und Garagen errichtet.

Als Felchle 1991 zur Gemeindeverwaltung kam, lief der Gaststättenbetrieb noch gut. „Wer weiß, wie es einmal war, findet es schon  schade, dass die ‚Krone’ abgerissen werden soll“, sagt der Hauptamtsleiter. Andererseits biete das Areal heute keinen schönen Anblick mehr, die Gebäude hätten ihr bauliches und technisches Lebensende erreicht. Und es gebe einen großen Bedarf an Wohnraum. Eine Neugestaltung des Krone-Areals entspreche den Zielen der Regionalplanung, innerörtlich nachzuverdichten.

Auf dem etwa 2700 Quadratmeter großen Areal  sollen nach dem Entwurf der Eigentümer 30 Neubauwohnungen entstehen. Bereits 2018 hatten die Inhaber der „Krone“ einen Bauantrag eingereicht. Der Technische Ausschuss des Gemeinderates stimmte dem Vorhaben zu. Es scheiterte dennoch. Die untere Baurechtsbehörde im Kreis Esslingen sah in den Entwürfen zu große Abweichungen von den geltenden Bebauungsplänen. Im zweiten Anlauf soll nun der Bebauungsplan geändert werden, um die Realisierung zu gewährleisten.

Der neue Planungsentwurf des Stuttgarter Büros Der Plan sieht eine Überbauung des Geländes zu 40 Prozent vor: mit vier Mehrfamilienhäusern sowie einer Tiefgarage mit 43 Stellplätzen. Die Wohngebäude mit Satteldach umfassen je zwei Vollstockwerke und zwei  Dachgeschosse und entsprechen in der Höhe dem jetzigen Kronen-Gebäude. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens und weiterer Genehmigungsprozesse werden nun einige Monate ins Land ziehen. Frühestens Ende 2022, so schätzt Felchle, könnte die Neugestaltung des Krone-Areals dann beginnen.  gg / Foto: Roberto Bulgrin


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