Vom Aussiedlerhof zur „Vorstadt“

Auf dem Stumpenhof wird am Wochenende das 300-jährige Bestehen des Stadtteils gefeiert

Der Aussichtsturm, der Teckplatz, neues Zuhause für Heimatvertriebene, ehemaliger Klinikstandort, der Kletterwald, die Bühleiche, das Restaurant: Stichworte, die mit dem Stumpenhof in Verbindung gebracht werden. Doch das sind nur einige Schlaglichter, die auf den Plochinger Stadtteil geworfen werden – und das auch noch teils aus der jüngeren Geschichte. Denn der Stumpenhof besteht seit 300 Jahren. Das wird nun am Samstag und Sonntag, 10. und 11. September, gefeiert. Am Freitag wird zudem ein Buch zur Stumpenhof-Geschichte vorgestellt.
Seine Anfänge hatte der Stumpenhof als Aussiedlerhof im 18. Jahrhundert – der erste Beleg ist in einem Lagerbuch aus dem Stadtarchiv urkundlich auf den 18. Februar 1722 dokumentiert. Groß geworden ist er in den 1950er-Jahren, als der Architekt Heinz Rall die „Vorstadt“ Stumpenhof plante, um für zahlreiche Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten eine neue Heimat zu schaffen. Und in diesem Jahr hat nun die Außenstelle des Landratsamts auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses ein Zuhause gefunden – sie öffnet am Samstag zum Tag der offenen Tür.
Die Geschichte des Stumpenhofs begann im Jahr 1722. Die beiden Plochinger Bürger Jakob Wörner und Lukas Wolfsdörfer bauten auf der Anhöhe über Plochingen ein Doppelhaus. Friedrich Stumpp, der die Tochter von Jakob Wörner heiratete, übernahm im 18. Jahrhundert den Hof und gab ihm den Namen Stumpenhof. Seit 1892 gibt es dort eine Gastwirtschaft. Schon damals erfreute sich der „Stumpenhof“ großer Beliebtheit bei Wanderern und Spaziergängern. Das lag auch an der Nähe zum Aussichtsturm, der im selben Jahr erbaut wurde.
Der Jubiläumsturm auf dem Stumpenhof bietet einen großartigen Blick auf die Schwäbische Alb. Am 21. März 1892 wurde diese Attraktion – zunächst als Holzkonstruktion – eingeweiht. Die hatte jedoch ihre Nachteile. Der Turm musste immer wieder repariert werden, und bei Nässe konnte man ihn nicht betreten. Anlässlich des 50. Geburtstag des Schwäbischen Albvereins, der in Plochingen gegründet wurde, wurde 1938 der heutige Jubiläumsturm gebaut.
In den 1930er-Jahren begannen erste Familien, auf dem Stumpenhof Flächen zu erwerben, um darauf zu bauen. Im Jahr 1952 beschloss der Plochinger Gemeinderat, eine Vorstadt für die Heimatvertriebenen auf dem Stumpenhof zu bauen. Einen Architektenwettbewerb für die Konzeption der neuen Siedlung gewann der Stuttgarter Heinz Rall. 1954 waren die ersten Häuser bezugsfertig. Die katholische Kirche St. Johann wurde 1960 errichtet, sechs Jahre später kam die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche am Teckplatz dazu. Auch der Teckplatz ist auf den Entwurf von Rall zurückzuführen. Mit den Häusern im Neubaugebiet Stumpenhof-Süd ist der Stadtteil in den vergangenen Jahren nochmals deutlich gewachsen.
Zum Jubiläum ist das 268 Seiten starke, umfangreich bebilderte Buch „Stumpenhof – ein Plochinger Stadtteil“ des Autorentrios Dagmar Bluthardt, Joachim Hahn und Susanne Martin erschienen. Dies wird am Freitag, 9. September, 19 Uhr, in der Paul-Gerhardt-Kirche vorgestellt und kann am Festwochenende erworben werden. Für Plochingens Bürgermeister Frank Buß ist das Fest eine Gelegenheit, die Identität des Stadtteils auszudrücken: Auf dem Stumpenhof habe sich eine ganz eigene Gemeinschaft entwickelt.
Am Samstag wird von 15 bis 23 Uhr (Tag der offenen Tür der Landratsamt-Außenstelle 10 bis 16 Uhr), am Sonntag von 11 bis 19 Uhr gefeiert. Viel Musik wird dabei zu hören sein, am Samstagabend unter anderem von den Plochinger Kultbands „Käsloible“ und „Maroons“. Es gibt sportliche und Theaterauftritte, Präsentationen, Führungen, einen ökumenischen Gottesdienst (Sonntag, 10.15 Uhr), Mitmachaktionen, zudem Attraktionen für Kinder. Die Fotopräsentation „Der Stumpenhof gestern und heute“ wird in der in der Paul Gerhardt-Kirche am Samstag (17 Uhr) und am Sonntag (14 und 16.30 Uhr) gezeigt.

Info: Detailliertes Programm unter http://www.plochingen.de

ap/hin / Foto: Stadt Plochingen


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