Vom Schurwald in den Urwald

Lars Krech aus Aichwald spielt im Disney-Musical „Tarzan“ den Affenzögling als Kind – Mit elf Jahren jüngster Ehrenbürger der Gemeinde


Es ist 17.30 Uhr. In der Kantine des Stage Apollo Theaters in Stuttgart ist wenig davon zu spüren, dass in ungefähr zwei Stunden das Musical-Spektakel „Tarzan“ über die Bühne fegen wird. Die Besucher unterhalten sich in entspannter Atmosphäre, rühren in ihren Tassen, lesen. Unter ihnen ist auch Lars Krech, einer der Darsteller, die den jungen Affenmenschen spielen. Er wird an diesem Abend seinen Auftritt haben. Mehr als 30 Mal ist er bereits in diese Rolle geschlüpft und obwohl er, nach eigener Aussage, eine gewisse Nervosität verspürt, macht er einen ruhigen Eindruck.

Auf die Idee, in dem Musical mitzuspielen, kam er durch seine Mutter. Die hatte die Show mit einer Freundin in Hamburg besucht und hat durch ihre Begeisterung in dem musicalaffinen jungen Mann den Wunsch entfacht, dabei zu sein. Doch dazu hätte er regelmäßig nach Hamburg reisen müssen und das kam für seine Eltern nicht in Frage. Das Schicksal spielte Lars dann in die Karten. Als ihn die Meldung erreichte, dass „Tarzan“ in das Programm des Stuttgarter Apollo Stage Theaters aufgenommen wird, gab es für ihn kein Halten mehr. Er bewarb sich und setzte sich in mehreren Casting-Runden gegen die Mitbewerber durch. Heute ist er einer von insgesamt 13 Jungen, die den Affenzögling verkörpern. Die Rolle fordert den Nachwuchs-Akteuren einiges ab: Tanz, Schauspiel, Akrobatik und Gesang stehen auf dem Trainingsprogramm, das immer freitags von 15.30 bis 17.30 stattfindet.

Wer am Abend auf der Bühne steht oder sich in Bereitschaft befindet, um kurzfristig einspringen zu können, darf nicht mittrainieren. Schließlich hat auch ein junger Körper eine Belastungsgrenze.

Die Schule darf unter dem künstlerischen Tun der Kinder nicht leiden. „Wir benötigen die Unterschriften vom Jugendamt, vom Arzt, von den Eltern und von der Schule, um mitmachen zu können’“, erklärt Lars, der die fünfte Klasse im Theodor-Heuss-Gymnasium Esslingen besucht. Zudem werde streng auf die Noten geachtet. Verschlechtern sich die Zensuren dramatisch, werden die kleinen Darsteller vom Showplan heruntergenommen, bis sich die Noten wieder verbessern.

Auch die Körpergröße spielt bei der Besetzung eine Rolle. „1,45 Meter ist das Richtmaß“, erklärt Thomas Hirschfeld, der für die künstlerische Leitung der Kinder zuständig ist. „Bei dieser Größe prüfen wir, ob die Besetzung noch funktioniert. Schließlich ist der kleine Tarzan ein Kind.“ Die meisten Jungdarsteller spielen ein Jahr, dann wird gemessen und auch die Motivation hinterfragt. Demnach gibt es immer wieder Nachrücker, alle sechs Monate werden vier neue Kinder ausgebildet. Sie müssen den gleichen Castingprozess wie Lars  durchlaufen und da das Jugendarbeitsschutzgesetz nur 30 Auftritte pro Kind im Jahr genehmigt, wird regelmäßig gewechselt.

Seit Dezember ist der elfjährige Lars Krech der jüngste Ehrenbürger von Aichwald und durfte sich in das Goldene Buch eintragen.

Was das bedeutet, ist ihm erst klar geworden, als er in der Kladde den Namen von Ex-VfB-Star Serdar Tasci, von Magdalena Brzeska und Florian Hambüchen las. „Dass ich als Kind meinen Namen zu all den Prominenten schreiben darf, das war schon eine große Ehre für mich“, sagt er.

Dennoch ist Lars auf dem Boden geblieben. Das Berufsziel Musical-Darsteller schließt er nicht aus, festlegen will er sich jedoch noch nicht. „Das hat ja noch Zeit“, resümiert er. An diesem Abend jedoch drängt die Zeit. Es ist bereits 18 Uhr, Lars bleiben noch 90 Minuten, um sich in Tarzan zu verwandeln und in sein Dschungelleben hineinzufinden. Maske, Aufwärmtraining, Einsingen, Ton-Check und eine letzte Textprobe mit Kinderbetreuerin Stephanie Sturm stehen auf dem Programm.

Noch immer zeigt der Junge wenig Anzeichen von Lampenfieber. Er hat auch keinen Grund, nervös zu sein: Auf der Bühne zeigt er, wie gut er an diesem Abend in Form ist. Die Bewegungsabläufe klappen einwandfrei und sein Duett mit Affen-Freund Terk wird zu einem der musikalischen Highlights. Das Publikum dankt es ihm mit einer gehörigen Portion Sonderapplaus.         on / Fotos: on

 

Info: Das Disney Musical Tarzan, für das Phil Collins die Musik geschrieben hat, läuft seit November 2013 im Stage Apollo Theater in Stuttgart. Insgesamt 900 000 Zuschauer haben die Show bereits gesehen. Das Stück wird acht Mal in der Woche gespielt, samstags und sonntags gibt es Doppelvorstellungen. Mehr Infos unter www.stage-entertainment.de/musicals-shows/disneys-musical-tarzan-stuttgart.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.