Weihnachtsbäume so wie früher

Kunden fragen vermehrt nach der Herkunft der Bäume – Preise bleiben stabil – Favorit ist die Nordmanntanne

In diesem Jahr werden in Deutschland wohl zwischen 23 und 26 Millionen Weihnachtsbäume gekauft. Verkauft werden die Bäume teils seit Ende November in Gartenbaubetrieben, Baumärkten, Supermärkten und in privaten Verkaufsaktionen. Eines ist überall gleich: Der Lieblingsbaum der Deutschen ist die Nordmanntanne.

Diese verkauft auch Harald Kaplick, neben Blaufichten. Der Chef eines Elektro-Fachgeschäfts in Nürtingen und Nebenerwerbslandwirt macht jeden Advent sein Hobby zur Haupttätigkeit. Zusammen mit Ehefrau Jasmin, Sohn Max und Schwiegertochter Florina funktioniert  Kaplick eine Waldlichtung im Tiefenbachtal zwischen Nürtingen und Beuren nahe dem Landgasthof Kräuterbühl   zum Verkaufsplatz für Weihnachtsbäume um. Ein extra Parkplatz wird entlang der Straße ausgewiesen, eine Fußgängerampel aufgestellt. Für Kaplick steht die Tradition im Vordergrund: „So wie früher soll alles sein.“

 Das  bedeutet, dass die Kunden erst kurz zuvor eingeschlagene Bäume aus einer Kultur im Welzheimer Wald vorfinden,   im nahe gelegenen Wald auch selbst einen Baum schlagen können, und dass sie darüber hinaus eine weihnachtliche Atmosphäre geboten bekommen.  Jasmin Kaplick dekoriert jedes Jahr aufwendig, es gibt Glühwein, Punsch und am Wochenende auch eine Rote vom Grill. Seit 16 Jahren machen die Kaplicks das auf diese Art. Bei den Kunden käme das gut an, sagt Harald Kaplick. „Es werden jedes Jahr mehr, die Leute kommen nicht nur aus dem ganzen Landkreis, sondern auch aus dem Reutlinger und dem Stuttgarter Raum.“

Auch in Kirchheim werden Weihnachtsbäume verkauft. Und auch dort sind Privatleute am Start. „Es macht einfach riesigen Spaß“, sagt Tamara Kling, die seit dem 29. November an der Tankstelle am Schlierbacher Eck ihrem Hobby nachgeht.

Ihre Bäume – ausschließlich Nordmanntannen und Zweige von Nordmanntannen  –  kommen aus dem Odenwald. Mehrmals in der Woche fahren die Mitarbeiter von Christbaumland Kling zum Produzenten und besorgen frisch geschlagene Bäume. Kleine  Bäumchen mit einem Meter Höhe, aber auch bis zu  vier Meter große Bäume bietet das Christbaumland an. Die Preise liegen mit 35 bis 70 Euro auf dem Vorjahresniveau.   „Unsere Bäume haben  eine gute Qualität, nämlich Bio“, betont Tamara Kling und verweist auf pestizidfreie Bäume. Das habe auch zur Folge, dass die Bäume so schnell nicht nadeln, sagt Kling. Und auch bei Allergikern komme der pestizidfreie Baum gut an.

Christbaumland Kling macht den Verkauf im zweiten Jahr und will auch 2020 wieder dabei sein.

Ein Drittel aller Weihnachtsbäume wird in Bau- und Gartenmärkten sowie in Supermärkten verkauft, das meldet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Die anderen zwei Drittel teilen sich der Straßenhandel und der Verkauf ab Hof.

In Kirchheim hat sich der Baumarkt Toom der dänischen Stiftung Fair Trees angeschlossen. Denn bevor Bäume geschlagen werden, müssen ihre Samen unter teilweise prekären  Bedingungen in der wirtschaftlich schwach entwickelten Region Racha in Georgien geerntet werden. Fair Trees setzt  sich für faire Erntebedingungen im Kaukasus ein.  Zapfenpflücker sollen beispielsweise mit professionellem Kletterequipment ausgestattet werden, wenn sie in den 30 Meter hohen Baumwipfeln die Samen ernten. Die Einnahmen  durch den Baumverkauf sollen auch an Schul- und Gesundheitsprojekte für Kinder gehen.

Der regionale, pestizidfreie Weihnachtsbaum ist  laut SDW vermutlich noch das klimafreundlichste Ritual am gesamten Weihnachtsfest. Geschenke, Geschenkpapier und nicht zuletzt das Weihnachtsessen sollten nach Meinung der SDW eher auf ihre CO2-Bilanz hin untersucht und dementsprechend ausgewählt werden.  bob/Foto: pst


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