Weniger Straftaten in Coronazeiten

Pandemie wirkt sich auf Kriminalitätsstatistik 2021 aus – Weniger Diebstähle und Einbrüche, mehr Sexualdelikte

Die Kriminalität im Landkreis Esslingen ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Zum zweiten Mal in Folge. Wie aus dem aktuellen Bericht des auch für den Kreis Esslingen zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen hervorgeht, sank die Zahl der Straftaten gegenüber dem Vorjahr um 14,4 Prozent auf 19 065 registrierte Fälle. Das sind rein rechnerisch 3573 Fälle pro 100 000 Einwohner (Vorjahr: 4164) – einen solch niedrigen Wert hat es seit mindestens fünf Jahren nicht mehr gegeben. Damit liegt die Kriminalitätsbelastung im Kreis deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt von 4380 Straftaten.
Der Rückgang sei zum Teil auf die Auswirkungen der Coronapandemie zurückzuführen, heißt es in der Jahresstatistik: „Reise-, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie Schließungen von Geschäften, Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen führten zu veränderten Tatgelegenheitsstrukturen.“ So ließen sich unter anderem die Rückgänge beim Ladendiebstahl um 24,7 Prozent (702 Fälle), beim Taschendiebstahl um 35,1 Prozent (48 Fälle) und bei den Wohnungseinbrüchen um 39,2 Prozent (161 Fälle) sowie bei der Straßenkriminalität um 11,8 Prozent (2692 Fälle) und bei den Sachbeschädigungen um neun Prozent (2786 Fälle) erklären.
Die Zahl der Betrugsdelikte fiel mit 2417 zwar ebenfalls geringer aus als 2020 (3348 Fälle). Das liegt aber an einer Umstellung der statistischen Erfassung, heißt es in dem Bericht. Diese Zahl beziehe sich auf den Inlands-Tatort. Hinzu kämen aber weitere 4088 Betrugsfälle mit Auslandsbezug. Bei den insgesamt 4088 Betrugsverfahren im Landkreis Esslingen wurden 8671 Opfer und ein Gesamtschaden in Höhe von über 11,9 Millionen Euro registriert.
Die Zahl der Sexualstraftaten im Landkreis Esslingen stieg im vergangenen Jahr um 27,8 Prozent auf 400 Fälle an. Ursächlich für den Zuwachs ist ein signifikanter Anstieg um 98,7 Prozent bei der Verbreitung und dem Besitz von Kinderpornografie. Bei den Vergewaltigungen (18 Fälle) gab es einen markanten Rückgang um 43,8 Prozent. Aber: „Auch hier existiert ein nicht genau zu quantifizierendes Dunkelfeld“, räumt Polizeipräsident Udo Vogel ein. Ob es in Zeiten von Corona im häuslichen Umfeld mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gab, lässt sich nicht eindeutig belegen. „Es muss aber in Erwägung gezogen werden, dass die permanente Anwesenheit eines Peinigers in der Wohnung dazu führen kann, dass es vermehrt zu Übergriffen kommt und es dem Opfer auch erschwert wird, Hilfe in Anspruch zu nehmen oder eine Anzeige zu erstatten“, so Vogel. 47,1 Prozent der Opfer im Landkreis standen in einer Vorbeziehung zum Täter.
Mit den insgesamt geringeren Fallzahlen ging auch die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen zurück – um 9,4 Prozent auf 9515 Personen. Mit einer Ausnahme: Deutlich mehr Kinder unter 14 Jahren sind straffällig geworden (213). Das sind 66 mehr als im Vorjahr. Bei den Jugendlichen bis 18 Jahre sind es mit 193 drei mehr (plus 1,8 Prozent). Es habe sich aber „kein besorgniserregender Schwerpunkt“ herauskristallisiert, erläutert Polizeisprecher Michael Schlüssler.
Der Anstieg bei den Jugendschutzdelikten um 80 Prozent im Vergleich zu 2020 klingt enorm, relativiert sich aber: Insgesamt wurden hier 18 Straftaten registriert, acht mehr als im Vorjahr. Laut Schlüssler handelte es sich um Körperverletzungen durch Schlägereien, um Diebstähle und um Straftaten im Zusammenhang mit sozialen Medien, wie das Versenden von Pornos im Schülerchat oder Urheberrechtsverletzungen durch das Anschauen illegaler Streams.
Positiv hebt die Polizei die rückläufige Entwicklung bei den Zahlen der tatverdächtigen Asylbewerber und Flüchtlinge hervor. Diese ist im Vergleich mit dem Vorjahr um 20 Prozent auf 1769 gesunken. Registriert wurden zumeist Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz.
Im vergangenen Jahr wurden im Kreis Esslingen 12 263 Straftaten aufgeklärt, die Aufklärungsquote stieg von 60,9 Prozent in 2020 auf 64,2 Prozent im vergangenen Jahr. Bei den 18 Tötungsdelikten 2021 im Kreis (zwei weniger als 2020) lag die Aufklärungsquote bei 100 Prozent.
Die Kriminalitätsbelastung fällt im Landkreis erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Die meisten Straftaten wurden in den Städten Esslingen (3786), Kirchheim (2015), Nürtingen (1671), Filderstadt (1510), Ostfildern (1260), Leinfelden-Echterdingen (1133 ohne Messe und Flughafen) und Plochingen (775) registriert. Die wenigsten Straftaten gab es in Ohmden (12), Altdorf (16), Kohlberg (24), Altenriet (26) und Schlaitdorf (29). In Lichtenwald (47), Neidlingen (35) und Baltmannsweiler (131) wurde bei den Straftaten jeweils ein Fünfjahreshoch verzeichnet.

eh / Foto: dpa


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