Wo die Steine wachsen

Geopark Schwäbische Alb benennt Geopoints im Landkreis – Kalksinterterrassen und Schichtquelle bei Gutenberg

Die Schwäbische Alb weist eine Vielzahl von geologischen Besonderheiten auf. Um besonders markante und erdgeschichtlich bedeutsame Orte und Erscheinungsformen, sogenannte Geotope, zu schützen und für Menschen erlebbar zu machen, ist im Jahr 2002 der Verein Geopark Schwäbische Alb gegründet worden. Seit 2015 ist die Schwäbische Alb einer von weltweit 91 Unesco Global Geoparks. Mit einem Besucherlenkungskonzept will der Verein künftig gezielt auf einzelne Geotope hinweisen und sie als Geopoints besonders markieren. Zwei von ihnen liegen auf der Gemarkung des Lenninger Teilorts Gutenberg und wurden kürzlich mit Informationstafeln ausgestattet.

Wanderer und Radfahrer, die auf dem Wirtschaftsweg von Oberlenningen her in Richtung Gutenberg unterwegs sind, können kurz vor den ersten Häusern des Orts ein besonderes Naturschauspiel erleben. In einem dicht mit Bäumen und Büschen bewachsenen Einschnitt im Wiesengelände stürzt dort die Weiße Lauter, der östliche Quellarm der Lauter, über zahlreiche Terrassen und einige Becken etliche Meter talabwärts.

Diese Sinterterrassen sind das Ergebnis eines andauernden chemischen Zusammenwirkens von Wasser, Kohlendioxid und Kalk. Regen, der auf die Albhochfläche niedergeht, nimmt beim Fallen Kohlendioxid aus der Luft auf. Beim Versickern durch die Spalten und Klüfte des Gebirges löst das so angereicherte Wasser Kalk. Der fällt im Bachbett im Tal teilweise wieder aus und lagert sich als Sinter an Steinen, Moosen, Algen und Gräsern ab. Die Struktur der Pflanzen bleibt dabei im Sediment erhalten. So wächst langsam neues Gestein, Kalktuff genannt, heran und bildet mancherorts mächtige Terrassen und Bänke. Der Kalktuff wurde über viele Jahrhunderte als hochwertiger, stark belastbarer und gut isolierender Baustoff geschätzt.

Unweit der Gutenberger Sinterterrassen ist mit der Höllsternquelle ein zweites Geotop als Geopoint ausgezeichnet worden. Das Wasser tritt dort in einer Schichtquelle am Fuß des Steilhangs zwischen einer wasserstauenden und einer durchlässigen Gesteinsschicht aus und fließt über mehrere Stufen der Lauter zu. Ein Teil des Wassers stammt aus dem drei Kilometer entfernten Schopflocher Moor. Das Besondere an der Quelle ist, dass sie bei hohem Karstwasserspiegel in einer einige Meter höher liegenden, 350 Meter langen und sehr engen Höhle liegt. Aufgrund dieser geologischen Gegebenheit stürzt das Wasser dann mit sehr hohem Druck und tosendem Lärm aus dem Berg. Die Höhle hat daher den Namen Höllsternbröller erhalten.

 

Wie Siegfried Roth, der Geschäftsführer des Vereins Geopark Schwäbische Alb, erzählt, finden sich im Landkreis Esslingen 50 wertvolle Geotope, zehn von ihnen sind als Geopoints klassifiziert. Die Auswahl sei aufgrund einer Reihe von Kriterien vorgenommen worden. „Geopoints müssen repräsentativ für einen bestimmten Geotop-Typus sein und sie müssen von besonderem wissenschaftlichem Wert sein“, sagt er. Doch müsse auch der Geotopschutz beachtet werden. Oft dürfen Geotope nicht betreten werden, denn sie sind auch Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen oder nicht verkehrssicher. Auch der Aspekt der Regionalentwicklung spiele eine Rolle. „Geopoints müssen auch einen touristischen Wert haben, gut zugänglich und leicht erklärbar sein“, sagt Roth. Auf längere Frist will der Verein den Besuchern der Alb deren geologische Schätze mit einem Lenkungskonzept näherbringen. Zunächst erhalten die Gäste ihre Informationen in den Besucherzentren wie etwa in Schopfloch. „Eine Gebietskarte für die Geotope wäre dann der nächste Schritt. Daran arbeiten wir“, sagt Siegfried Roth.         pst / Foto: pst


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