Wo gibt es Bunker und Sirenen?

Im Landkreis Esslingen gibt es nur noch zwei öffentliche Schutzräume: in Kirchheim und in Esslingen

Seit dem 24. Februar tobt ein blutiger Krieg mitten in Europa. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine und die entsetzlichen Bilder aus dem umkämpften Land machen betroffen und werfen auch hierzulande Fragen auf. Wie wäre Deutschland auf einen Kriegs- oder Katastrophenfall vorbereitet? Öffentliche Schutzräume seien großteils entwidmet und das Sirenennetz sei zurückgebaut worden, teilt das Esslinger Landratsamt mit Blick auf den Kreis zurück.
Die Schilderungen älterer Mitbürger über die Schrecken des Zweiten Weltkriegs klangen für viele noch bis vor Kurzem wie Geschichten aus einer fernen Zeit. Doch nun werden die Erinnerungen von der Entwicklung in Osteuropa eingeholt, die Kampfhandlungen kosten in der Ukraine viele Menschenleben. In Deutschland sei der Bund laut Artikel 73 des Grundgesetzes für den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall zuständig, sagt Andrea Wangner, Pressesprecherin des Landratsamtes Esslingen, nach Rücksprache mit dem zu der Kreisbehörde gehörenden Amt für Katastrophenschutz und Feuerlöschwesen.
Die genauen Bestimmungen regele das Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes. Demnach ist es Aufgabe des Zivilschutzes, „durch nichtmilitärische Maßnahmen die Bevölkerung, ihre Wohnungen und Arbeitsstätten, lebens- oder verteidigungswichtige zivile Dienststellen, Betriebe, Einrichtungen und Anlagen sowie das Kulturgut vor Kriegseinwirkungen zu schützen und deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern“. Allerdings seien durch den Bund mit Blick auf einen möglichen Krieg keine Planungen mehr für den Zivilschutz erfolgt, so Wangner.
Die Fernsehbilder von ukrainischen Frauen, die mit ihren Kindern und einigen wenigen Habseligkeiten in Tiefgaragen, Bunkern und Tunneln Schutz suchen, machen betroffen. Im Kreis Esslingen wurden nach Angaben des Landratsamtes seit der Wiedervereinigung im Jahr 1989 „öffentliche Schutzräume entwidmet und das bundesweite Sirenennetz zurückgebaut“. Es gebe noch zwei öffentliche Schutzräume, die eine sogenannte Zivilschutzbindung hätten. Sie befinden sich laut der Behördensprecherin im Freihof in Kirchheim und in der Beblingerstraße in Esslingen. Bei diesen Schutzräumen handle es sich um Mehrzweckanlagen in Tiefgaragen. Diese Schutzräume könnten im Ernstfall nur eine begrenzte Anzahl an Menschen aufnehmen. Im Freihof in Kirchheim könnten dem Landratsamt zufolge 609 Menschen unterkommen, in der Beblinger Straße in Esslingen fänden bis zu 1831 Personen Schutz. Über weitere Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg lägen dem Landratsamt keine Informationen vor, so Wangner.
Allerdings existiere ein Katastrophenschutzplan für den Landkreis. Zudem seien für vier sogenannte Störfallbetriebe externe Notfallpläne vorhanden, für einen weiteren werde derzeit ein Notfallplan erstellt. „In den Plänen werden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr beschrieben und die Kontaktdaten der Akteure erfasst“, beschreibt die Behördensprecherin die Inhalte. Die Pläne würden vom Kreisamt für Katastrophenschutz und Feuerlöschwesen erstellt und regelmäßig fortgeschrieben. Beteiligt seien auch die entsprechenden Fachämter. Bei Bedarf könne auch das Regierungspräsidium Stuttgart hinzugezogen werden.
Zu den vier Störfallbetrieben im Landkreis Esslingen zählen nach Angaben von Lena Sigle vom Amt für Katastrophenschutz und Feuerlöschwesen im Landratsamt das Heizkraftwerk der EnBW in Altbach und die Firma Hexion in Esslingen. Sie stellt nach Angaben eines Fachportals auch Epoxidharze und Klebstoffe vornehmlich für große Rotorblätter von Windkraftanlagen her. Als weitere Betriebe genannt werden die Spedition Otto Briem in Filderstadt-Bonlanden, die nach eigenen Angaben auf das Handling von Gefahrgut spezialisiert ist, sowie die Firma TanQuid in Plochingen, die sich als Marktführer im Tanklagergeschäft bezeichnet. Der externe Notfallplan der Spezialchemie-Firma Stahl Chemicals Germany in Leinfelden-Echterdingen werde zurzeit erstellt, so das Landratsamt.

sw / Foto: Roberto Bulgrin


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