Wohnraum für Senioren

Auf dem Areal der ehemaligen Lindenturnhalle in Köngen entsteht betreutes Wohnen mit Tagespflege und Café

Auf dem Areal rund um die abgerissene Lindenturnhalle in Köngen sollen 39 barrierefreie Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit betreutem Wohnen entstehen. Außerdem will die Stadt dort eine Tagespflegeeinrichtung und ein Café ansiedeln. Nach einem langen Verfahren hat der Gemeinderat nun einstimmig den Sieger des Investorenwettbewerbs gekürt. Überzeugt hat die Kommunalpolitiker der Entwurf der Nürtinger Architektenpartnerschaft Weinbrenner, Single, Arabzadeh, die das Projekt zusammen mit der FWD Hausbaugesellschaft aus Dossenheim als Investor umsetzen will. Die Architekten sind in Köngen keine Unbekannten: Sie waren 2007/2008 für die Sanierung des Schlosses verantwortlich.
Die auf dem bisher wenig ansprechenden Grundstück am Köngener Ortsausgang in Richtung Denkendorf geplanten Wohneinheiten sollen unterschiedliche Größen haben. „Die Dimensionen reichen von 47 bis 60 Quadratmeter, da ist für jeden etwas dabei“, sagte die Architektin Carla Single bei der Vorstellung des Entwurfs im Gemeinderat. Rund 70 Prozent der Wohnungen sollen aus zwei Zimmern bestehen, 30 Prozent aus drei Zimmern. Weitgehend geschosshohe Holzfenster mit Dreifach-Isolierverglasung sollen die Wohnungen hell und freundlich machen. Zur Denkendorfer Straße hin erscheint der Bau durch das Staffelgeschoss viergeschossig, wobei das leicht zurückgesetzte Erdgeschoss die dort vorgesehenen Nutzungen von Café und Wohnen erkennen lässt. Hin zum Wohngebiet staffelt sich das Gebäude zu seinen drei Vollgeschossen ab und passt sich so besser in die eher kleinteilige Wohnbebauung in Richtung Süden an.
Im Erdgeschoss sind der Gemeinschaftsbereich mit großem Foyer, die Tagespflege mit 15 bis 18 Plätzen sowie im Südflügel drei Wohnungen untergebracht, die sich zum Rilkeweg hin orientieren. Die übrigen 36 Wohnungen konzentrieren sich auf die beiden Obergeschosse und das Dachgeschoss, wo zudem eine Gemeinschaftsterrasse entstehen soll. Das Gebäude soll in KFW 40 EE oder in KFW 40+ Energiestandard errichtet werden. Dazu soll das Dach mit einer Fotovoltaikanlage bestückt werden. Die Fassade bekommt eine Klinkerhaut.
Partner für die Tagespflege und das betreute Wohnen ist die Sozialstation Wendlingen, zu deren Trägern neben weiteren Kommunen auch Köngen gehört. „Für uns war es keine große Frage, ob wir das wollen“, sagte Geschäftsführer Manfred Braun. Er zeigte sich sicher, dass das Konzept gut funktionieren werde. Auch von der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Investor und den Architekten ist Braun angetan: „Wir wurden von Anfang an miteinbezogen.“ So wurde zum Bespiel im Betreuungskonzept bereits festgelegt, dass das Mindesteinzugsalter im betreuten Wohnen bei 60 Jahren liegt – Ausnahmen kann es geben, wenn eine Schwerbehinderung vorliegt. Ziel ist ein nach individuellem Bedarf abgestuftes Konzept, gemäß dem Grundsatz: so viel Selbstbestimmung wie möglich und so viel Hilfe wie nötig.
Die Wohnungen sollen alle verkauft werden, vorrangig über regionale Partner wie die Kreissparkasse und die Volksbank. Für die langfristige Objektbetreuung und die Verwaltung der Immobilie soll ein seit Jahren auf betreutes Wohnen spezialisiertes Unternehmen zuständig sein.
„Die Chancen, die in diesem Projekt liegen, sind viel größer, als das, was wir dafür opfern mussten“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerhard Gorzellik mit Blick auf den nicht unumstrittenen Abriss der alten Lindenturnhalle und des benachbarten Albvereinsheims. Die Grünen-Fraktionschefin Annelise Rahm hob die Nachhaltigkeit des Neubaus hervor: „Von der Energieeffizienz her ist der Entwurf großartig.“
Das Projekt solle nun zügig vorangetrieben werden, kündigte Bürgermeister Otto Ruppaner an. Zunächst wird für das kommunale Grundstück ein Wertgutachten erstellt, danach werden der städtebauliche Vertrag sowie der notarielle Kaufvertrag zwischen der Gemeinde und dem Investor ausgearbeitet und dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt. Parallel soll bereits der Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Bagger könnten dann Ende 2023 anrücken.

kd / Visualisierung: Weinbrenner, Single, Arabzadeh


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