Zerlegt, abtransportiert, recycelt

Firma demontiert Nürtinger Klinikaltbau Stück für Stück – Ruine ist schadstofffrei


Seit einem Dreivierteljahr läuft der Abriss des alten und asbestbelasteten Nürtinger Krankenhauses. Ein aufwendiges Unterfangen, bei dem vieles in Handarbeit erledigt werden muss. Projektleiter Matthias Schwarz hat dem Wochenblatt ECHO Einblick in die Arbeiten gewährt.

Hinter den weißen Planen lässt sich nur erahnen, was gerade geschieht. Nahezu komplett umschließt der Sichtschutz das, was vom Krankenhaus übrig ist. Nicht viel mehr als ein Gerippe aus Betonplatten und Stahlträgern steht nach rund zehn Monaten Bauzeit noch. „Eigentlich ist das ja kein Abriss, sondern ein kontrollierter Rückbau“, erklärt Matthias Schwarz vom Bauunternehmen Fischer aus Weilheim. Mit einem Abrissbagger kann der Projektleiter hier nichts anfangen: „Die Maschine würde in den Keller durchkrachen.“ Nur rund zwölf Zentimeter dick sind die Betonplatten zwischen den ehemaligen Stockwerken – viel zu wenig für tonnenschweres Abrissgerät. „Das Gebäude ist eine komplette Stahlkonstruktion, auf der die Betonplatten nur aufgelegt oder angehängt wurden“, erläutert der Spezialist. Also „tanzt“ der Bagger nur ums Gebäude herum.

Alles andere wird vornehmlich per Hand gemacht. Ein mühsames Geschäft, das die rund 30 Männer bei Wind und Wetter leisten. Mit dem Schneidbrenner trennen sie jeden einzelnen der Stahlträger ab. Rund 400 von den Dingern sind das pro Etage. Die Betonplatten werden mit einer speziellen Säge auf Maß gebracht. Mit dem Kran werden Stahl und Betonteile dann nach unten gebracht und per Lkw abtransportiert.Bevor jedoch die Bauarbeiter den Klinikaltbau fachgerecht zerlegen konnten, galt es erst einmal zu entrümpeln. „Krankenbetten, Stühle, Schreibtische waren noch drin“, erzählt Schwarz. Dann schlug die Stunde der Asbestspezialisten der Firma Gesu aus Eschbach. Mit großer Sorgfalt wurde die in den 70er-Jahren vor allem zum Brandschutz und zur Wärmedämmung verwendete mineralische Naturfaser aus dem Gebäude entfernt. Spezialstaubsauger und Bindemittel sorgten dafür, dass beim Ausbau keine Schadstoffe nach außen drangen. Im Juli dann das ersehnte Signal: Der Altbau ist schadstofffrei. Seither schrumpft das ausgediente Krankenhaus von Tag zu Tag ein Stückchen mehr.

Für Schwarz ist das Projekt eine große Herausforderung: „Wir haben hier hochsensible Bereiche“, erklärt er. Zum einen ist die Baustelle nur wenige Meter neben dem Klinikneubau. Im Erdgeschoss des alten Krankenhauses ist zudem die Physio­therapie untergebracht. Dieser Gebäudeteil soll erhalten bleiben. „Der Betrieb dort ging während der gesamten Bauzeit weiter“, berichtet Schwarz. Ebenso wie im Archiv, wo Unterlagen über Patienten aus Nürtingen ebenso wie aus Ruit und Kirchheim lagern. Das stellte Schwarz und sein Team mitunter vor knifflige Aufgaben. So musste beispielsweise mit einer Dachabdeckung über rund 6000 Quadratmeter Fläche dafür gesorgt werden, dass es ins Archiv und in die Therapieräume nicht reinregnet.

Damit nicht genug: In den Katakomben unter dem Altbau laufen zudem wichtige Leitungen, die nicht nur das neue Klinikum, sondern auch das benachbarte Personalwohnheim versorgen. Hier unten entstand während der Bauzeit eine neue Heizzentrale. Schwarz ist froh, dass die Entflechtung der Versorgungsleitungen ohne größere Pannen vonstattenging. Dabei konnte sich der Projektleiter jederzeit auf die Unterstützung der Haustechnik des Krankenhauses verlassen: „Wir arbeiten Hand in Hand“, lobt Schwarz.

Wenn er und seine Leute im März die Baustelle räumen, werden sie rund 15 000 Tonnen Masse bewegt haben. Dazu kommen weitere 6000 Tonnen von den Innenausbauten wie Zwischenwänden oder Holzverkleidungen. Der Großteil davon wird übrigens wiederverwendet. Den Beton recycelt das Unternehmen Fischer selbst. Auch die Stahlträger gehen zurück in den Wertstoffkreislauf.                 mo / Foto: mo


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