Zu trocken und zu mild

Regen und Frost fehlen – Pflanzen drohen Schäden


Milde Temperaturen, Sturm und etwas Regen – so hat sich der Winter bisher präsentiert. Auch wenn Meteorologen ihn noch nicht gänzlich abschreiben, so sind Landwirte mittlerweile besorgt.

„Grundsätzlich kritisch“ blicken die Landwirte auf die derzeitige Wetterlage, wie Siegfried Nägele, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Esslingen, sagt. Das recht fortgeschrittene Pflanzenwachstum berge Risiken: „Je später jetzt noch ein Frost kommt, desto stärker kann er die Pflanzen schädigen“, sagt er. Ein weiteres Problem sieht er in der enorm verkürzten Winterruhe der Pflanzen. „Man kann sagen, sie sind nicht ausgeschlafen.“ Wegen der milden Witterung müssen die Landwirte vermehrt mit Schädlingen rechnen. „Wir müssen sorgfältig beobachten, damit wir einen Schädlingsbefall sofort bemerken und eventuelle Gegenmaßnahmen einleiten“, sagt Nägele.

Die Landwirte wünschen sich auch Niederschlag, denn der Grundwasserspiegel ist immer noch sehr niedrig. Am besten käme der Niederschlag als Schnee. Dieser sickert langsam in den Boden ein und versorgt ihn optimal mit Feuchtigkeit. Gefriert dann der Boden, dehnt er sich aus, durchs Trocknen zieht er sich zusammen. Feinkrümelige Erde entsteht. All das passiert derzeit nicht. „Fürs Bepflanzen ist das schlecht“, sagt Nägele. Vor allem Kartoffeln oder Gerste mögen keine speckigen Böden.

Wenn man schon nicht Ski fahren kann, dann geht’s wenigstens auf die Eisbahnen, sagen deren Betreiber. „Für uns ist das ein durchschnittlicher Winter“, sagt Heike Mack, die das Eisstadion in Wernau betreibt. Die hohen Temperaturen haben sogar Vorteile: „Liegt kein Schnee, kommen die Leute eher zum Eislaufen“, sagt Mack. Eisstadien seien „Nischen“, und die würden in jedem Fall genutzt. Nur die Energiekosten schnellten bei Wärme in die Höhe. Kosten, die man dann, wenn sie anfallen, nicht an den Kunden weitergeben könne. Und Mack fügt hinzu: „Für Energieversorger sind wir sowieso schwierige Kunden. Sechs Monate brauchen wir ganz viel, und den Rest vom Jahr nichts.“

Ein normaler Winter ist das nicht, er ist deutlich zu mild: So lautet das Urteil von Michael Gutwein. Der Esslinger Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst hat die Daten aus den vergangenen Monaten ausgewertet und sieht gute Chancen, dass der jetzige Winter den bisher wärmsten Winter von 2007 ablösen kann. Gutweins Prognose für die kommenden zehn Tage sieht auch keine Änderung der Großwetterlage vor. Für Skifahrer hat er gute Nachrichten: „Es wird zunächst nasskalt mit viel Schnee im Schwarzwald, auf der Alb und im Allgäu.“ Eine dauerhafte knackiger Kälte sei aber derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Laut Gutwein stehen die Chance gut, dass sich ab Mitte nächster Woche ein Hoch so über Europa positioniert, dass wir in einer milden südwestlichen Strömung mit frühlingshaften Temperaturen liegen. Allerdings hängt das sehr von der exakten Lage des Hochs ab: Liegt es weiter westlich oder über den Alpen, geraten wir auf seine kalte Seite. Dann muss der Frühling, der für die Meteorologen ab dem 1. März beginnt, noch etwas warten. Abschreiben will Gutwein den Winter noch nicht.             bob / Foto: dpa


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