Zu wenig Fahrgäste im Bus

Das Unternehmen Fischle kann Linien im östlichen Neckartal und auf dem Schurwald nicht mehr wirtschaftlich bedienen

Ein weiterer Betrieb ist aus Sicht der Firma Fischle nicht mehr möglich. Grund seien insbesondere die schrumpfenden Fahrgastzahlen, erklärt Ralf Steinmetz. Er ist der Geschäftsführer des Busunternehmens. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Hinzu kämen Lohnkostensteigerungen und höhere Benzinpreise, mit denen  allerdings  gerechnet worden sei.  Bis zum Jahresende soll das Unternehmen weiterfahren, so ist es mit dem Landratsamt vereinbart. Wie es ab Januar weitergeht, ist noch offen. Derzeit ist geplant, für die Jahre 2022 und 2023 eine Interimsausschreibung für das Linienbündel zu veranlassen. Anschließend könnte das Linienbündel erneut für zehn Jahre ausgeschrieben werden.

Der Rückgang der Fahrgastzahlen wegen Corona sei nicht der Grund für den angekündigten Rückzug, so Steinmetz. Seit Corona wiederholt Lockdowns notwendig gemacht habe und viele Menschen häufiger als in der Vergangenheit im Homeoffice arbeiteten, herrsche in vielen Bussen gähnende Leere. Diese  Verluste bekomme das Unternehmen vom Landkreis Esslingen ausgeglichen. Das Problem sei, dass die Fahrgastzahlen auch ohne Corona und entgegen Prognosen zurückgegangen seien. Die Gründe dafür seien nicht bekannt, so Steinmetz.

Fischle hatte bereits zur Jahresmitte angekündigt, das Linienbündel fünf des Landkreises Esslingen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr bedienen zu können, bestätigt Klaus Neckernuss. Er ist beim Landkreis für den Öffentlichen Personennahverkehr  zuständig. Zum Linienbündel fünf gehören Busverbindungen in Plochingen, Altbach, Deizisau, Reichenbach, Hochdorf, nach Lichtenwald und bis Schorndorf. Insgesamt werden auf dem Linienbündel eine Million Kilometer pro Jahr gefahren. „Das ist ein ordentliches Paket“, sagt Neckernuss.

Doch warum kann sich das Omnibusunternehmen Fischle so kurzfristig zurückziehen? Die Firma betreibt den Busverkehr eigenwirtschaftlich im Auftrag des Landkreises. 2019 hatte sich Fischle gegen zwei Mitbewerber bei der Neuvergabe der Linienbündel durchgesetzt. Ein Bewerber hatte gegen den Ausgang des Vergabeverfahrens geklagt. Das Verfahren befindet sich in zweiter Instanz. In erster Instanz hatte das klagende Unternehmen Recht bekommen. Weil der Prozess noch nicht beendet ist, wurde Fischle die Fahrgenehmigung stets für ein halbes Jahr verlängert. Zur Jahresmitte hat  Fischle nun keine neue Genehmigung  mehr beantragt.

Der Landkreis und Fischle sind überein gekommen, dass das Unternehmen bis zum Jahresende weiterfährt. „Das gibt uns Zeit“, sagt Neckernuss. Der Kreis  zahlt dafür 460 000 Euro hinzu. Einen entsprechenden Beschluss hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags Mitte Juli gefasst. Bis Januar könnte jetzt ein neuer Vertrag ausgeschrieben werden. Allerdings nur für eine Interimszeit von zwei Jahren. So lange braucht der Kreis, um ein reguläres Vergabeverfahren für einen neuen Zehnjahresvertrag durchzuführen.   In welcher Höhe sich die betroffenen Kommunen finanziell beteiligen werden, ist ungewiss. Allerdings fährt Fischle bislang  Verbindungen von jährlich 100 000 Kilometer, die nicht im Basisangebot des Landkreises inbegriffen sind. Wie es mit diesen Verbindungen weitergeht, scheint unklar. Allerdings seien die finanziellen Beiträge für viele dieser Verbindungen „eher unspektakulär“, so  Neckernuss. Einzig die Verbindung von Lichtenwald nach Schorndorf ist etwas teurer und könnte deshalb zur Diskussion stehen, vermutet er.

Für die vielen anderen Verbindungen des Linienbündels fünf geht Klaus Neckernuss in Zukunft von keinen  großen Einschränkungen für die Fahrgäste aus. Doch der Landkreis wird künftig wohl die Kosten decken müssen.  Bra / Foto: Philipp Braitinger


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